Dann rauchen wir erst mal eine...

  Am letzten Abend bei Kalina und Sascha mussten wir ran: Kalina - die mit uns am Vorabend noch herrlich zu spätabendlicher Stunde am Lagerfeuer russische Volksweisen gesungen hat, hat uns in der Küche eingespannt. Wir mussten bei der Zubereitung des Abendbrotes helfen. Strom war zwischenzeitlich kurz da, so daß Kalina die entsprechenden Vorarbeiten erledigen konnte. Es sollte Busen geben. Die ständigen Leser dieses Blogs werden wissen: Busen ist doch diese Speise, bei der Männeraugen automatisch größer werden. Aber nur des Geschmackes wegen...

Es galt also, den Busen vorzubereiten.

Die Speise ist ganz einfach. Eier, Mehl und Wasser werden zu einem Teig vermischt, mit einer großen Kaffeetasse ausgestochen, eine deftige Hackfleischmischung in die Mitte geklatscht und das ganze dann irgendwie zusammengeknetscht, so daß es irgendwie die Form eines Busens bekommt.... Nein: Ganz so einfach ist es denn auch wieder nicht. Kalina macht es uns vor. Das Hack wird mit einer Gabel in die Mitte der Teig-Rundung gelegt und dann wird der Rand in 31 (!!!) kreisförmig verlaufenden Zipfeln zusammengezogen, so daß am Ende ein fantastische Busen herauskommt. Zwanzig Minuten unter Wasserdampf garen lassen - fertig -lecker!!! Dazu gibt es Möhrensalat in Knoblauch-Sauce (so etwas habe ich noch nie gegessen!) - und das Abend-Dinner ist perfekt. An dieser Stelle muss ich einfügen, dass die Männer unserer Gruppe sich beim Zubereiten der Busen besser angestellt haben als unsere Frauen. Fragen?


Abschied

Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen von Kalina und Sascha und auf zur nächsten Etappe unserer Reise - Ulan Ude, der Hauptstadt der Republik Burjatien. Die Fahrt sollte fünf Stunden dauern - für etwa 250 Kilometer. Groß war unserer Freude, als plötzlich ein komfortabler Reisebus vorgefahren kam. Das Innere dieses noblen Gefährtes erinnerte zwar an alles andere, was wir in Deutschland von Reisebussen gewohnt sind - eben typisch Russisch mit viel Pling-Pling und so - aber wir waren heilfroh, UAS und andere Gefährte endlich hinter uns lassen zu können.
Doch unsere Freude währte nicht lange. Schnell wurde uns klar, daß all das grell-bunte Bus-Interieur nur einem einzigen Zweck diente: Den Reisenden von den Gefahren einer Fahrt mit diesem Bus abzulenken. Das Gefährt - ein Kia-Bus - schaukelte anfangs gemächlich vor sich, aber mit zunehmender Außentemperatur stieg auch die Innentemperatur. Die Klimaanlage machte ihren Namen keine Ehre - aber immerhin: Es gab schöne Scheibengardinen und jede Menge bunte Lämpchen und anderes Gedöns. Nur keine gut funktionierende Klimaanlage. Zum Glück hatten wir 50 von 250 Kilometern geschafft.
Und so kam es, wie es kommen musste. Auf einmal fuhr unser Fahrer rechts ran und wir mussten alle aussteigen. Motor zu heiß! Vor uns eine Bergkuppe und noch einige Kilometer bis zum Ziel. Aber hier kam wieder sofort die russische Mentalität zum Tragen: Busfahrer steigen aus, fummeln Zigarette aus Schachtel, suchen Feuerzeug, zünden Zigarette an und rauchen erst einmal eine.... Der Motor bleibt während dieser Zeremonie selbstredend an. Es könne ja sein, daß er nachher nicht wieder anspringe, gab mir unser Busfahrer zu verstehen. Ich war in Gedanken sofort auf seiner Seite - das habe ich in den zurückliegenden Tagen nunmehr verinnerlicht.

Am Ende hat aber alles geklappt, und wir kamen wohlbehalten in unserem Hotel in Ulan-Ude an. Nach vier Tagen endlich wieder eine Dusche - obwohl wir Kalinas Banja vermissen werden!

Ulan-Ude ist eine fantastische Stadt - über der ein überdimensionaler Lenin-Schädel trohnt. Ich war schon erschrocken, seiner Größe wegen. Doch dazu morgen mehr...


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Russlands letzter Zar Nikolaus II. setzte 1891 den ersten Spatenstich für den Bau der Trasse der Transsibirischen Eisenbahn. 16 große Flüsse überquert die Transsib heute. MZ-Redakteur Bernd Martin wird nach Moskau fliegen und von dort mit der Bahn zum Baikalsee fahren. Hier schreibt er von unterwegs über seine Erlebnisse.

Teil 1: Wodka trinkende Russen und Miss Marple - Der Baikal ruft

Teil 2: Koffer packen

Teil 3: Ankunft in Moskau

Teil 4: Die Transsib rollt los

Teil 5: Unterwegs - mehr als Zähneputzen war nicht drin

Teil 6: Igor erzählt, welche Pilze man sammeln soll, um viel Geld zu verdienen

Teil 7: Sibirien - Essen auf den Bahnsteigen

Teil 8: Der ganze Zug riecht nach Fisch

Teil 9: Verlorenes Zeitgefühl

Teil 10: Junges Glück in Irkutsk - jetzt wird geheiratet

Teil 11: Zehn Rubel voller Dankbarkeit

Teil 12: "Putin verzuckert uns"

Teil 13: Joggen am Baikal

Teil 14: Fahrer fällt betrunken aus dem Auto

Teil 15: Michael möchte Superstar werden

Teil 16: Quer über die Insel Olchon

Teil 17: Der Baikal hat uns voll im Griff

Teil 18: Vier Schweine, elf Kühe, zehn Schafe und dreißig Hühner

Teil 19: Sibirischer Stolz

Teil 20: Leben ohne Strom

Teil 22: Teddybären auf Autodächern

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