DDR-Opfer-Hilfe fordert Nothilfefonds

Stasi-Gefängnis "Roter Ochse" in Halle (Saale). Hier waren bis zur Wende in der DDR Tausende politische Verfolgte inhaftiert

Politische Häftlinge noch heute traumatisiert


Nach Veröffentlichung der Studienergebnisse der Technischen Universität Dresden und der Universität Zürich über die Traumatisierung der ehemals politisch Gefangenen hat der DDR-Opfer-Hilfe e.V. einen Nothilfefonds für traumatisierte Häftlinge angeregt. Damit könnte auch das Land Sachsen-Anhalt besonders schwere Fälle abfedern, hieß es. Viele ehemals politisch Verfolgte seien finanziell nicht in der Lage, sich auf Dauer einen Psychotherapeuten zu leisten, sagte Roland Schulz, Vize-Vorsitzender der DDR-Opfer-Hilfe, bei einer Veranstaltung in Halle. Oft versage der Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen. Deshalb sei es wichtig, dass die Bundesländer auf unkonventionelle Weise unterstützen.

Laut der Studie leidet jeder dritte ehemalige politische DDR-Gefangene noch heute unter den psychischen Folgen der Inhaftierung. Panikanfälle erfassten die Befragten noch ebenso häufig wie in den 1990er Jahren, Depressionen nähmen stark zu. Überraschend sei, dass sich die Traumafolgen bei einigen Befragten erst in den vergangenen Jahren gezeigt hätten, so Traumaexperte Andreas Maercker. Die Psychologen hatten in den 1990er Jahren 146 ehemalige politische Häftlinge untersucht, 15 Jahre später befragten sie 93 von ihnen erneut. Im Schnitt habe jeder Betroffene drei Jahre und zwei Monate in Haft gesessen. Nicht die Länge mache das Trauma, so Maercker. Ausschlaggebend sei die Belastung: 21 Prozent der Studienteilnehmer hätten unter Todesangst gelitten, 77 Prozent seien psychischer Gewalt durch Schläge oder Essensentzug ausgesetzt gewesen.

Die DDR-Opfer-Hilfe bietet für Hilfesuchende kostenlose Unterstützung an und informiert darüber auf seiner Homepage www.ddr-opfer-hilfe.de
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