Demnächst in 80 Minuten von Nietleben ins Leipziger Zentrum – aber wohin mit dem Auto?

Das mitteldeutsche S-Bahn-Netz ab Mitte Dezember 2013
 
Von Nietleben auf den Leipziger Markt in 80 Minuten
Halle (Saale): S-Bahnhof | Mitte Dezember 2013 wird der City-Tunnel in Leipzig in Betrieb genommen. Dieser Termin wirkt sich nicht nur auf die Stadt, sondern auf die gesamte Region des Mitteldeutschen Verkehrsverbunds (MDV) aus. Auf einem neu gestrickten Netz von S-Bahn-Linien (Bild) gehen überwiegend neue Züge auf die Strecke und verkürzen die Reisezeit zwischen den regionalen Haltestellen teils deutlich. Man kann zukünftig in einer Fahrzeit von 80 Minuten vom Bahnhof Nietleben direkt auf den Leipziger Markt mit Einkaufsmeile gelangen (Bild). Diese Fahrzeit könnte sogar noch deutlich auf eine Stunde verkürzt werden, wenn der Umstieg von der S 7 (Nietleben - Trotha) auf die neue S 3 (Halle Hbf - Stötteritz) zeitlich besser abgestimmt würde.
Der S-Bahnhof Nietleben bildet für viele Einwohner von Salzatal, Dölau und Nietleben den räumlich nächstgelegenen Einstiegspunkt in das S-Bahn-Netz. Eigentlich hatte die Stadt Halle bis zum Jahr 2011 vor, diesen Bahnhof zu einer modernen Schnittstelle zwischen Bus, Bahn und Auto auszubauen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Unsaniert, inzwischen mit weiteren Aufschriften und Graffiti versehen, mit unbefestigten Gehwegen und völlig ohne Parkmöglichkeiten stellt er ein eher abschreckendes „Eingangstor“ zum S-Bahn-Netz dar (Bild).

Denkmalschutz setzt Stoppschild für Bahnhofumbau

Verantwortlich für diese Situation ist eine Entscheidung des Denkmalschutzes aus dem Jahr 2010, das Nietlebener Bahnhofsgebäude als Teil der Halle-Hettstedter Eisenbahn als „Bau- und Kulturdenkmal von überörtlicher Bedeutung“ unter Denkmalschutz zu stellen. Diese Entscheidung folgte den Interessen von Akteuren des Vereins der „Freunde der Halle-Hettstedter Eisenbahn e.V.“ und des „Nietlebener Heimatvereins e.V.“
Es ist anzuerkennen, dass denkmalschützerische Aktivitäten in vielen Fällen wertvolle historische Bausubstanz gerettet haben. Doch wird Denkmalschutz dort problematisch, wo er auf Objekte ausgedehnt wird, die nach wie vor als Teil der technischen Infrastruktur tagtäglich genutzt werden. Wie am Fall der Neugestaltung des S-Bahn-Netzes zu sehen ist, unterliegt diese technische Infrastruktur auch dem technischen Wandel – und es muss möglich sein, die Vorteile dieses Wandels (bequemere Züge, kürzere Fahrzeiten, leichterer Umstieg zwischen Zug, Bus und Auto) auch für bestehende Anlagen umzusetzen.
Dies eben wird mit der Entscheidung des Denkmalschutzes verhindert. Und hier kommt die Abwägung von Gemeinwohlinteressen ins Spiel. Die beiden genannten Vereine sind zwar als gemeinnützig eingestuft, doch sollte hier abgewogen werden, ob das Interesse einer Vielzahl potenzieller Fahrgäste, Ziele in der Region schneller und komfortabler zu erreichen, nicht schwerer wiegt als das Interesse zweier Vereine, am Wochenende ihre Modelleisenbahn als Hobby zu betreiben.

Links:
http://www.mz-web.de/halle-saalekreis/s-bahnhof-ni...

http://hallespektrum.de/nachrichten/umwelt-verkehr...

http://neu.halle-hettstedter-eisenbahn.de/wp-conte...
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Hartmut Weber aus Halle (Saale) | 30.12.2013 | 01:02   Melden
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