Der Alltag in der Transsib - harmonisches Zusammenleben

Guten Morgen, die erste Nacht ist geschafft! Ich habe erstaunlich gut geschlafen. das lag aber auch vielleicht daran, dass ich gestern abend noch mit Igor einen Wodka getrunken habe. Er hat das volle Glas in einem Zug ausgetrunken. Respekt! Das habe ich nicht geschafft. Mittlerweile sind wir seit 16 Stunden unterwegs und haben 1.194 Kilometer von 5.193 Kilometern geschafft. Igor schläft noch.

Gerade haben wir gehalten und uns auf dem Bahnsteig etwas zum frühstücken gekauft: Brot, Schinken, Käse, Gurken und Tomaten. Lecker. Unsere Schaffnerin Julia macht heute einen etwas mürrischen Eindruck, jedenfalls ist sie nicht so gesprächig wie gestern. Ihre Kollegin Swetlana habe ich noch nicht gesehen, vielleicht haben sich beide ihren Dienst geteilt.

Meine Morgentoilette ist etwas spartanisch ausgefallen - mehr als Zähneputzen war nicht drin. Auch musste ich erst erforschen, wie man Wasser aus dem Wasserhahn bekommt - man muss den Hahn nach oben schieben, ehe das Wasser läuft.
Mittlerweile ist Igor aufgewacht. Er sieht etwas zerknirscht aus, geht aber erst einmal eine rauchen. In die Zwischenverbindung zum nächsten Waggon.

Birken, immer wieder Birken


Draußen rauschen Birken vorbei. Birken, immer wieder Birken. Wie kann ein Land nur so viele Birken haben. Unser Zug fährt nicht schneller als 70 km/h. Das ist vielleicht auch gut so. An das Schaukeln der Waggons habe ich mich mittlerweile gewöhnt.
Im Abteil neben uns ist gestern abend eine Oma mit ihren vier Enkeln eingestiegen. Die Kinder tollen durch den Waggon. Berührungsängste haben sie keine, vielleicht hat auch die Tüte Gummitiere dazu beigetragen, die ich ihnen gestern geschenkt habe. Ihre Oma schläft fast die ganze Zeit.

Bis zu 50 Passagiere in einem Abteil

Igor ist fasziniert von meinem Iphone. Dass man damit Fotos schießen und auch Musik hören kann, konnte er anfangs nicht verstehen. Jetzt ist er begeistert.
Ich habe eben den Zug erforscht. Sieben Waggons weiter sind Großraum-Abteile. Dort schlafen bis zu 50 Insassen. Man darf nicht tief durchatmen, wenn man das Großraum-Abteil betritt. Neugierige Blicke mustern mich. Einige wollen wissen, was ich mit meiner großen Kamera mache. Dass ich in Deutschland für eine Zeitung arbeite, nehmen sie ungläubig zur Kenntnis.

Im zugeigenen Restaurant werden gerade Pelminis zubereitet. Fotos darf ich hier keine machen, weist mich die Restaurantchefin energisch zurecht. Restaurant ja - Küche nein! Mit erhobenen Zeigefinger schaut sie mich strafend an. Ich füge mich. Schließlich will ich von ihr ja auch noch bedient werden.
Fotos folgen....;-)))


Lesen Sie mit:

Russlands letzter Zar Nikolaus II. setzte 1891 den ersten Spatenstich für den Bau der Trasse der Transsibirischen Eisenbahn. 16 große Flüsse überquert die Transsib heute. MZ-Redakteur Bernd Martin wird nach Moskau fliegen und von dort mit der Bahn zum Baikalsee fahren. Hier schreibt er von unterwegs über seine Erlebnisse.

Teil 1: Wodka trinkende Russen und Miss Marple - Der Baikal ruft

Teil 2: Koffer packen

Teil 3: Ankunft in Moskau

Teil 4: Die Transsib rollt los

Teil 6: Igor erzählt, welche Pilze man sammeln soll, um viel Geld zu verdienen

Teil 7: Sibirien - Essen auf den Bahnsteigen

Teil 8: Der ganze Zug riecht nach Fisch

Teil 9: Verlorenes Zeitgefühl

Teil 10: Junges Glück in Irkutsk - jetzt wird geheiratet

Teil 11: Zehn Rubel voller Dankbarkeit

Teil 12: "Putin verzuckert uns"

Teil 13: Joggen am Baikal

Teil 14: Fahrer fällt betrunken aus dem Auto

Teil 15: Michael möchte Superstar werden

Teil 16: Quer über die Insel Olchon

Teil 17: Der Baikal hat uns voll im Griff

Teil 18: Vier Schweine, elf Kühe, zehn Schafe und dreißig Hühner

Teil 19: Sibirischer Stolz

Teil 20: Leben ohne Strom

Teil 21: Auf nach Ulan Ude

Teil 22: Teddybären auf Autodächern

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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mitteldeutsche Zeitung | Erschienen am 05.08.2014
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