Der Beginn einer besonderen Karriere in Halle

Dr. Heinrich Schotten (Foto: Festschrift 1934)
Vor 116 Jahren - Dr. H. Schotten wird Direktor der StORS zu Halle

Der 17.12.1896 war für die Lehrer und Schüler der Städtischen Oberrealschule zu Halle (im Gebäude des Realgymnasiums in der Sophienstraße) ein besonderer Tag.
Dr. Heinrich Schotten trat die Nachfolge des beliebten Schuldirektors Dr. Albrecht Thaer an. An diesem Tag wurde der Pädagoge und Mathematiker- seit 1894 auch Mitglied der Kaiserlichen Leopoldinisch Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher (Leopoldina) zu Halle- durch den Stadtschulrat Dr. Krähe im Auftrag des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums feierlich in das Amt eingeführt.
Wie lang der Amtsweg damals war, zeigt sich daran, dass der Magistrat der Stadt Halle bereits am 26.09.1896 den durch zahlreiche mathematische und pädagogische Schriften bekannten Gelehrten zum neuen Direktor der Städtischen Oberrealschule gewählt hatte- der König ihn jedoch erst zum 23.11.1896 bestätigte.
Dabei musste er bereits am 1.10. dieses Amt antreten, weil sein Vorgänger von diesem Tag an als Direktor einer Schule in Hamburg verpflichtet war.
Dr. Heinrich Schotten, als Sohn eines Universitäts-Syndikus 1856 in Marburg geboren,war nach Studium und der Promotion an der Philosophischen Fakultät
der Universität Marburg an verschiedenen höheren Schulen in Kassel, Herzfeld, Schmalkalden und wiederum Kassel tätig, bevor er dem Ruf nach Halle folgte.
In seiner Antrittsrede würdigte er die Leistungen seines Vorgängers und betonte, dass er den eingeschlagenen Weg fortsetzen werde.
Er hob hervor, dass nicht nur reiche wissenschaftliche Kenntnisse vorhanden sein müssen, sondern dass auch „gelernt werden muss, die erworbenen Kenntnisse pädagogisch zu verwerten.“
Dr. Heinrich Schotten ahnte zu diesem Zeitpunkt nicht, dass er die lateinlose höhere Jungenschule die nächsten 25 Jahre- bis zu seinem Ruhestand- leiten würde.
Er erwarb durch seine unermüdliche pädagogische Tätigkeit großes Ansehen. Es gelang ihm, die Schule, die 1896 ca. 400 Schüler hatte, weiter auszubauen. Er konnte den Neubau eines Schulgebäudes in der damaligen Staudestraße 1 durchsetzen. Im Jahre 1908 erfolgte dann der Einzug in das neue Gebäude. In ihm erlebte er die Wirren des Ersten Weltkrieges und die ersten Jahre der Weimarer Republik.
Im Jahre 1921 trat er in den verdienten Ruhestand. Er verstarb 1939 in Berlin, wurde jedoch auf dem Gertraudenfriedhof in Halle beigesetzt.

Meine Zeilen können nur anreißen, was Dr. Heinrich Schotten leistete. Seine pädagogischen Schriften, die Zusammenarbeit mit den Mathematikern Professor Georg Cantor und Professor Felix Hausdorff,
die Mitarbeit in Unterrichtskommissionen, seine Mitgliedschaft in der halleschen Freimaurerloge „Zu den drei Degen“ sowie im
Halleschen Feuerbestattungsverein können hier nur erwähnt werden.

Im Rahmen der Erarbeitung der Chronik des Schulgebäudes der Ernst-Schneller-Straße 1, in dem sich von 1908 bis 1945 diese Schule befand,
sind dazu von mir, auch unter Mitarbeit weiterer Geschichtsfreunde, verschiedene Aspekte untersucht worden.
Das verdienstvolle Wirken des Pädagogen wird an der Sekundarschule „Johann Christian Reil“ weiter erforscht. Über Hinweise oder Materialien, die das vorhandene Bild ergänzen können, würde ich mich sehr freuen.

Es wäre jedoch meiner Ansicht nach an der Zeit, dass auch die Öffentlichkeit den Leistungen von Dr. Heinrich Schotten größere Aufmerksamkeit
entgegenbringen würde.

Manfred Drobny
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2 Kommentare
Oliver Leiste aus Landsberg | 14.11.2012 | 11:47   Melden
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Kathleen Kröger aus Halle (Saale) | 16.11.2012 | 16:06   Melden
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