Die Kleine und ihr großes Hobby

Sandy und Anouk
 
Visitenkarte Saltrook Diamant
 
Tori ruht sich auf der Koppel aus
Wenn man 1,60 m nimmt und es mit 1,76m vergleicht, scheint der Unterschied auf den ersten Blick nicht ganz so groß. Doch der Schein trügt, denn zwischen beiden Maßen liegen Welten, genauer gesagt ca. 830 kg. Das Kleinere entpuppt sich als junge Frau und das Größere als Riesenpferd oder unter Pferdefreunden als Shire Horse, die größte Pferderasse der Welt. Womit wir mittendrin in einem schönen, aber auch anstrengenden Hobby sind. Sandy, so heißt die junge Dame im „zarten“ Alter von 31 Jahren, hatte sich in ihrer Kindheit in Pferde verguckt und sich nichts sehnlicher als ein solches gewünscht. Doch, die Möglichkeiten waren damals begrenzt und ein Pferd auf dem Flur klingt im Lied zwar ganz lustig, ist es aber im wirklichen Leben weitaus weniger.

So gingen die Jahre übers Land und manches wunderschöne Pferd an ihr vorbei, begleitet von sehnsuchtsvollen Blicken. Irgendwann hatte sie eine Prinzessin und war erst einmal glücklich über das Neue Leben an ihrer Seite, namens Sophie. Doch wenn man einen Traum hat, sollte man am Ball bleiben und besagte Sandy sah ein Pferd namens Anouk. Schwarz, prächtig, mit weißem Behang und einfach nur riesengroß. Da stand nun dieses Gentle Giant (der Gentleman Riese) vor ihr, schaute tief in ihre Augen und Sandy musste es kaufen, ihr blieb einfach keine Wahl. Na gut, eigentlich sah das Pferd sie nur kurz mit Blick über den eigenen Po völlig desinteressiert an, aber die schöne dichterische Freiheit sei hier erlaubt.

Nun kann man ein Pferd halftern und im Kreise rumführen oder man versucht es auch zu reiten, was nun wohl in der Natur der Tiere liegt, zu mindestens seit es der Mensch den Pferden nahelegte. Also stieg Sandy auf das Pferd und die etwas zu kurz geratene Frau machte sich riesig auf dem großen Pferd aus und fühlte die sprichwörtliche Freiheit in ihren blonden Haaren wehen, wenn sie durch die Lunze ritt. Natürlich gehört viel Zeit dazu, ein Pferd zu trainieren, es zu putzen und Anouk (im Zuchtbuch: Sugar Beet Bastiana) gedieh prächtig. Sandy wollte aber mehr. Mehr an Pferd und mehr an Wissen. Also beschäftigte sie sich auch mit der Geschichte dieser schönen Tiere, die sich auch ganz spannend liest.

Es war im 11. Jahrhundert als sich Normannen des Festlandes von Frankreich aus der Normandie aufmachten die britischen Inseln zu kapern. Wie in diesen Zeiten üblich erst mittels Boot und auf Land mittels Pferd. Sie hatten damals robuste Pferde mit, die von den Waldpferden stammten und so bekam die Insel nicht nur die Schwerter, sondern auch die Hufen zu spüren. Irgendwann erkannten auch die englischen Ritter, dass diese Tiere hervorragend die geharnischten Ritter tragen und freundeten sich nicht nur mit diesen Kraftbolzen an, sondern züchteten sie weiter. Das Giant Horse ward geboren und verrichtet seine Kriegsdienste treu. Es stand hoch im Kurs und die Könige erließen sogar Gesetze, dass kein Tier ausgeführt werden dürfe. Doch auch die Zeit der Ritter ging vorbei. Zu schwer, zu unbeweglich und neu entwickelte Waffen hatten eine unheimliche Durchschlagskraft. Damit verlor das Giant Horse an Wert und ging zwar nicht aufs Abstellgleis, sondern war als Zug- und Rückepferd (herausziehen der Bäume aus Wäldern) noch sehr gebraucht. Die Zeit verging und die Jahrhunderte flogen einfach nur wie ein Windhauch vorbei, als im 16. Jahrhundert die Niederländer einfielen, diesmal nicht als Invasoren, sondern als Händler und Helfer. Das Auto war noch nicht erfunden, also brachten sie ebenfalls Pferde mit, nämlich Friesen und Flandrische (belgische Pferde), in ihrem Äußeren sehr robust. Im Flandrischen steckte ja auch das Waldpferd drin, dem Sandy schon ein paar Jahrhunderte vorher begegnete. Die Niederländer entdeckten die Fens in den Grafschaften Leicastershire, Cambridgeshire, Derbyshire u.a. (Shire bedeutet Grafschaft) und wollten sie trockenlegen. Dazu brauchten sie kräftige Pferde mit breiten Hufen, um nicht einzusinken. Also züchteten sie und englische Bauern ein bisschen herum und erschufen dadurch das englische Zugpferd, das Black Card Horse. Das Giant Horse hatte nicht nur ausgedient, sondern verschwand von der Bildfläche. 1755 war ein bedeutendes Datum in der Geschichte der Shire Horses. Der Urvater der Shire Horse – Packinton Blind Horse kam zur Welt und zeugte, zeugte und zeugte. Der glückliche Hengst erscheint als erster im Shire Stud Book 1878 des Zuchtverbandes der Rasse und etablierte damit endgültig die Shire Horses. Bis 1939 waren es 55.000 eingetragene Tiere, doch im 2. Weltkrieg waren diese Tiere zu schwer und die Zucht ging nach dem Ende des Krieges zurück. So blieben 1972 ca. 5000 Tiere übrig. Gott sei Dank schuf der Herr den Mann als Biertrinker und so nahm es nicht Wunder, dass die aufblühenden Brauereien die Shire Horse als kräftige Brauereipferde einsetzten, denn groß und schwer waren die Fässer und sehr trocken die Kehlen. Immerhin gewannen die Shire Horse an Popularität und bei heutigen Showveranstaltungen gibt es in England mehr als 300 angemeldete Tiere und über 15.000 Besucher.

Es ist nicht bekannt, inwieweit diese Geschichte die kleine Pferdebesitzerin beeindruckte, aber wie es der Zufall will, begegnete sie eines Tages einem weiteren Shire Horse, das in einem erbärmlichen Zustand war; voller Dreck, eingetrockneter Kot und mit wenig Muskeln. Da bekam Sandy ihre berüchtigte Gänsehaut, kratzte ihre Ersparnisse zusammen und befreite Tori aus ihrer misslichen oder besser schlammigen Lage. Doch auch in unserer Welt gibt es Wunder, denn es stellte sich heraus, dass eben jenes Pferd die Halbschwester von Anouk war. Die Freude darüber war groß, die Freude über den Zustand hielt sich in Grenzen. Überall verkrustete, verkotete Haarballen, wunde Hautstellen, die Hufen mit Geschwüren, der Po war eingefallen, die Muskeln geschwächt. Ein hartes Stück Arbeit wartete nun auf die Besitzerin, die aber nunmehr schon mit einem Pferdeflüsterer liiert war. Christian, praktisch mit Pferd in der Wiege geboren, half ihr in den folgenden Monaten bei der mühsamen Pflege der Stute. Tori war dankbar und in ihrem Inneren ein Kuschelpferd, das auf den Schoß wollte, während ihre Halbschwester Anouk eher die distanzierte Diva gab.

Doch schon wieder gingen fast zwei Jahre ins Land und Tori gedieh, langsam aber sicher, obwohl ihre riesigen Hufen immer noch ein wenig brauchen um völlig zu gesunden. Während die Welt so vor sich hin drehte, bekam Anouk im Mai 2017 ein junges Fohlen. Einen Diamanten wie er im Buche steht. Das „graue“ Eselchen entwickelt sich prächtig und erkundet die Welt mit netten Sprüngen. Inzwischen haben die Tiere eine eigene Internetseite und auf dem Grundstück der jungen Frau entsteht ein neues Domizil mit Stall und allem was Pferd braucht und natürlich Besitzerin um mit den Tieren zu arbeiten. Denn schließlich hat sie inzwischen einen Kurs zum Training der Gentle Shire gemacht und möchte diesen auch anwenden. Denn wie das so ist im Leben wieder einmal, ist der eine Traum erfüllt, keimt der nächste vor sich hin. Und da drinnen kommen zwei Shire Horses vor, die eine Kutsche ziehen, auf der unsere kleine Besitzerin stolz thront. Nun ja, Größe kommt von der Verbissenheit seine Träume umzusetzen und da ist die kleine Sandy ganz groß, beinah riesig.

Internetseite hier
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4 Kommentare
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Manfred Wittenberg aus Nebra (Unstrut) | 12.09.2017 | 08:42   Melden
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 12.09.2017 | 10:38   Melden
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Christa Beau aus Halle (Saale) | 12.09.2017 | 12:11   Melden
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Michael Waldow aus Halle (Saale) | 12.09.2017 | 13:58   Melden
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