"Die letzten 100 Jahre ging es auch so!" - zum Umzug des Herdergymnasiums


"Wir bleiben auch, wenn's brennt!" sind derzeit zynische Bemerkungen der Gymnasiasten in der Friesenstraße zu den geplanten Sanierungsplänen, denn nächste Woche wird eingepackt.
So langsam haben sie sich mit der Situation arrangiert, doch die Einzelheiten im Rahmen dieser Modernisierung bleiben für viele Schüler fragwürdig.


Die Vorgeschichte
Im September 2013 stand der erste Plan zu den Bauarbeiten fest. Da beide Schulen der Friesenstraße (Friesengrundschule und Herdergymnasium) gleichzeitig renoviert werden sollen, sollte zunächst die Grundschule modernisiert werden, damit das Gymnasium als Ausweichobjekt für die Kinder zu Verfügung stünde. Mit den Arbeiten am Gymnasium wäre erst nach 2015 begonnen worden.
Durch den ungünstigen Termin in der Prüfungszeit wurde zunächst der Baubeginn verschoben, und dann ein Großteil des Plans verworfen. Die Grundschüler müssen nun in eine anderes Ausweichobjekt und die Arbeiten am Herdergmynasium beginnen mit Ende des Schuljahres 2013/2014.

Genaue Pläne?
Die letzte Sanierung des Gebäudes fand 1990 bis 1995 statt. In diesen Jahren erfolgte eine Kompletterneuerung der Fassade, sowie der Böden und Heizungsanlagen. Trotzdessen konnte in diesem Zeitraum der Unterricht partiell im eigenen Haus durchgeführt werden.
Nun sind eine Modernisierung der Branschutzanlagen und der Verkabelung für zeitgemäße Internetanschlüsse, sowie die Trockenlegung des Kellers in Planung. Für diverse Rohrverlegungen soll zudem der Schulhof aufgerissen werden. Dabei handelt es sich nicht, wie in den Medien beschrieben, um eine Sanierung, sondern um Modernisierungsarbeiten. An den teilweise stark bröckelnden Wänden und rissigen Decken wird nicht gearbeitet.
Was genau nun getan wird, macht im Gymnasium durch allerlei Gerüchte die Runde, aus denen jede Menge Fragen resultieren:
Gibt es Verbindungstüren zwischen den Klassenzimmern?
Wird in der Aula die Empore weggerissen?
Wo entsteht der zweite Fluchtweg der Turnhalle?
Wird es zusätzliche Brandschutztüren geben, oder werden die Bestehenden nur erneuert?
Da der Unterricht im eigenen Haus, ohne weitere Begründung, nicht durchführbar sei, teilen sich die ca.690 Schüler für das Schuljahr 2014/2015 die Gebäude der Grundschule Südstadt und der Sprachheilschule, wie vormals auch die IGS.

Rückschritte

Die Ausweichobjekte befinden sich in der Rigaer- und Ingolstädter Straße. Es handelt sich um zwei sozialistische Bauten, die teilweise brandschutztechnisch noch auf dem Stand der vergessenen Ideologie stehen sollen. Mittlerweile gibt es dort auch Arbeiten während des Schulbetriebes.
Fachgerechte Unterrichtsräume für die Fremdsprachen und vor allem die Naturwissenschaften Physik und Chemie sind dort nicht gegeben.
Auch die zukünftigen Sportstunden müssen bei den zwei vorhandenen Hallen mit den beiden ansässigen Schulen abgeklärt werden und eventuell wieder eine weiteres Ausweichobjekt, wie z.b. Lettin oder Brandberge, hinzugezogen werden. Von dem Standort aus eindeutig kein leichtes Unterfangen.
Der Standort scheint zur Zeit der Kern des Problems vieler Schüler. Da ein späterer Unterrichtsbeginn von der Schulleitung abgelehnt wurde, sind zahlreiche Gymnasiasten auf eine einzige Straßenbahn der Linie 3 angwiesen und haben somit bis zu 40 Minuten Schulweg. Durch die Zeit des Unterrichtsbeginns wird den Schülern die Alternative der S-Bahn (die günstigerweise und schneller bis zur Endhaltestelle Südstadt fahren würde, zeitlich nun aber aus dem Rahmen fällt) entzogen.
Ebenso sind die Prüfungsbedingungen für die Abiturienten 2015 durch das Fehlen von Vorbereitungsräumen oder einer Aula noch unklar. Bei geschickter Planung durch die Stadt, könnten diese jedoch im heimischen Gebäude in der Friesenstraße stadtfinden, mutmaßt man.

Auch wenn man in den Köpfen einen erneuten Aufschub der Arbeiten herbeigesehnt hat - nun ist der Umzug doch da und die Schüler räumen kommende Woche das Mobiliar des Gymnasiums zusammen. Es wird sich zeigen, wie schnell man sich einen passablen Schulalltag am anderen Standort erarbeiten kann.

Doch am Ende bleiben nicht nur für die Schüler viele offene Fragen über das kommende Schuljahr bestehen:
Werden sämtliche AG's und Tradiotionen wie Konzerte, Feste und das Absolvententreffen nun für diese Zeit ruhen müssen?
Wie wird das gemeinsame Lernen mit der Grundschule Südstadt und der Sprachheilschule laufen?
Wird die veranschlagte Zeit von einem Jahr tatsächlich eingehalten werden?
Kehrt man dann, wie die IGS, in eine Bauruine mit teils unverputzten Wänden zurück?
Sicher, die anderen Schulen haben ihren Umzug auch hinter sich gebracht, vielleicht sind diese Arbeiten langsam auch nötig, aber es wird bestimmt die ein oder andere Überraschung geben.
Die Schüler gehen mit dem Umzug auf ihre Weise um. Manchmal hört man zum verhassten Thema die ein oder andere ungehaltene Stimme auf dem Schulflur : "Die letzten 100 Jahre ging es auch so!".
Was soll man da noch hinzufügen?
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3 Kommentare
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 09.07.2014 | 20:37   Melden
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Kathleen Kröger aus Halle (Saale) | 10.07.2014 | 13:04   Melden
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Heiko Baumgarten aus Merseburg | 08.08.2014 | 09:17   Melden
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