Doctrina Hortum – ein Kleinod in Halle

Kräuterspirale
 
Zentrum
Halle (Saale): Doctrina Hortum | Halle hat Großes zu bieten, von dem ein jeder spricht. Händel zum Beispiel, er ist in aller Munde. Doch wenn man die richtigen Orte weiß, kann man auch Kleinode zu Gesicht bekommen. So wie zum Beispiel das Doctrina Hortum. Das fast unausprechliche Wort ist nicht nur Reminiszenz an die alte lateinische Sprache, sondern bedeutet schlichtweg so viel wie Schulgarten. Der geneigte DDR-Bürger wird so etwas murmeln wie: Nachtigall, ick hör dir trapsen, der Bundesbürger schaut erstaunt mit einem „Hä“, ist doch der Schulgarten schon fast aus der Mode gekommen. Dieses Doctrina Dingsbums ist zu finden bei der SBH Südost GmbH und war vor dem 01.02.16 eine einfache, stinknormale Wiese ohne den Zusatz Kleinod. Doch so etwas wollte die Landschaftsgärtnermeisterin Felizitas Weiland genau hier schaffen. Sie hat nicht nur das seltsame Z in der Namensmitte, sondern zeigt auch bei anzupackenden Projekte den richtigen Biss mit „Zähnen“.

Felizitas ist ebenfalls Besitzerin eines eigenen Gartens, aber investiert weitaus mehr Kraft und Zeit in ihr Doctrina Hortum. Zuerst war es nur ein Modell, aber mit Hilfe von Langzeitarbeitslosen, die ihr das Arbeitsamt zur Verfügung stellte, samt benötigter, finanzieller Mittel, verwandelt sich oben genannte Wiese in eben jenes angesprochene Kleinod mit Insektenhotel, Sinnespfad, Kräuterspirale, Hügelbeet, Baumbank, keltischer Wetterstation, Benjeshecke (natürliche Hecke aus Weidenhölzer, die einen Unterschlupf für Tiere bilden) und vielem mehr, was das erstaunte Auge erst auf den zweiten, dritten oder vierten Blick erfasst. Das sind 750qm geballte Blütenpracht und erstaunliche Wege regelrecht in die Landschaft gesetzt. Das setzt man sich einfach hin, genießt und entspannt die Seele. Die nicht mehr ganz so junge Frau, sie hat die 50 schon ein Weilchen überschritten, ist die Agilität in Persona. Bei ihr wird rangeklotzt, das wissen auch die, die mitmachen, ob von der Arbeitsagentur geschickt oder wie gerade jetzt, die Maßnahmen für Flüchtlinge von Kompass.

Eigentlich kommt Felizitas aus dem Mansfelder Land, hatte irgendwann die ewige Pendelei nach Halle satt und beschloss eines Tages nicht nur in Halle weiter zu arbeiten, sondern auch praktischerweise überzusiedeln, das war dann 1998. Eine kleine Zeit danach trat sie dem Halle Saaler Chor bei und trällerte ihre Lust am Leben in die Welt hinaus. Das brachte ihr auch einen Sitz im Vorstand ein.
Doch manchmal ist der Lauf der Welt auch nicht mehr ganz so beständig wie einst und der Chor löste sich im vorigen Jahr auf. Felizitas, nunmal kein Kind von Traurigkeit, suchte schon gleich darauf Kontakt zu einer Theatergruppe und fand sie im Hallischen Hanseverein mit der Mittelaltertruppe Quinta-X-Essentia, wo ihr gleich die Rolle einer lieben Muhme auf den Leib geschrieben wurde.

An ihrem Doctrina Hortum baut, bastelt und pflegt sie weiter, selbst vor ihrem Büro ist ein kleines Biotop. Stolz berichtet sie von Eidechsen, Molchen in dem See neben dem Schulgarten und lässt gleich darauf die Gewächshaustomaten ganz sanft durch ihre Hände gleiten. Auch den Pflanzenkindergarten betrachtet sie mit viel Liebe. Manch Zeitgenosse würde dieses scheinbar unscheinbare kleine Beet gar nicht bemerken. Für sie ist das Leben pur. Inmitten ihrer vielen Kartons die sie dem Besucher unermüdlich präsentiert, befinden sich ihre Schätze, gesammelt aus der Natur. Und sie sammelt fast alles, sogar eine Zollstocksammlung nennt sie ihr Eigen. Diese Sammlung befindet sich allerdings zu Hause.

Ihr heutiger Besucher ist nicht nur der Leiter besagter Mittelaltertheatergruppe, sondern auch Lehrer und ganz begeistert von Frau, Biotop und Doctrina Hortum, sodass er gleich einen Termin für seine 9. Klasse festmacht. Es soll gefärbt und mit Naturmaterialien gebastelt werden. In der heutigen Handyzeit ein Novum, da manche Schüler einen Baum kaum von Petersilie unterscheiden können und alte handwerkliche Fähigkeiten langsam aber sicher verschwinden. Doch bei Felizitas hat das Wort – „Und wenn es der letzte Tag ist, pflanz ich noch einen Baum“ – ein wahres Gewicht und das sieht man ihrem Schulgarten an.
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mitteldeutsche Zeitung | Erschienen am 19.09.2017
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Manfred Wittenberg aus Nebra (Unstrut) | 10.09.2017 | 17:16   Melden
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