Drittes Puzzlestück nach neun Jahren gefunden

Geschäftsführer des Paritätischen GmbH, Mirko Günther, begrüßt die Anwesenden des Workshoptages
Halle (Saale): Jugendhilfe Halle | 09.09.2015 12:00 Uhr

Am vergangenen Mittwoch hat der Erziehungshilfeverbund Halle zum Workshoptag eingeladen. Nach neunjähriger Pause stellte „Puzzlestücke III“ die Fortsetzung dieser Tagungsreihe des Paritätischen dar. Sie machte dabei Lust auf mehr.

Gemeinsames Lernen soll die Zusammenarbeit verbessern

Halle. Etwa 40 Teilnehmende aus den eigenen Reihen und des Allgemeinen Sozialen Diensts (ASD) der Saalestadt folgten dem Ruf und ließen sich auf den Ausgangsgedanken ein, dass gemeinsames Lernen zu einer verbesserten Zusammenarbeit führen könnte. Nach Grußworten des paritätischen Geschäftsführers Mirko Günther und der Leiterin des Fachbereichs Bildung, Katharina Brederlow, gab es zwei Vorträge zum Thema Familie. Zuerst referierte ASD-Teamleiterin Cornelia Schönburg und legte dabei den Schwerpunkt auf den Sinn und Nutzen, den das Modell Familie auch in heutiger Zeit immer noch hat. Frank Germann, Koordinator des Erziehungshilfeverbundes, kombinierte in seiner Präsentation Erkenntnisse aus der Hirnforschung mit Wissen der systemischen Sozialarbeit. Ergebnis dieser ungewöhnlichen Verbindung waren wertvolle Empfehlungen für die Arbeit mit Familien, die oft selbst kaum Ideen dafür haben, wie sie ihre Ziele erreichen können.
Die Workshops bildeten den zweiten großen Tagungsteil. Sie reichten inhaltlich von Skulpturarbeit als Methode bis hin zu Überlegungen für den Umgang mit skeptischen Eltern und trafen bei den anwesenden Sozialarbeitern auf durchweg positive Resonanz.

Mit den Fallzahlen von Erziehungshilfen steigen auch die Verantwortung der Jugendamtsmitarbeiter und die der Helfer. Ein ASD-Mitarbeiter in Halle betreut aktuell ca. 50 Fälle und auch die freien Träger der Jugendhilfe arbeiten am Limit. Mehrfach gab es in den letzten Jahren Berichte über Familien, bei denen die Betreuung des Jugendamtes dramatische Zwischenfälle nicht verhindern konnte. Ob die Situationen mit besserer Zusammenarbeit der Helfer glücklicher ausgegangen wären? Im Sinne der Familien, aber auch im Sinne der Sozialarbeiter und ihrer großen Verantwortung, kann eine effektivere Zusammenarbeit nur hilfreich sein.

Gelungene Fortsetzung neun Jahre später

Ganze neun Jahre hat es gedauert, bis die wenigen noch verbleibenden Teilnehmer der ersten Workshops ihrem Bild das dritte Puzzlestück hinzufügen konnten. Seit den ersten beiden Veranstaltungen war viel Zeit vergangen – eine zeitnahe Fortsetzung kann da helfen. Das weiß auch der Erziehungshilfeverbund und plant „Puzzlestücke IV“ für das Jahr 2017.

Mit Fachbereichsleiterin Brederlow und Teamleiterin Schönburg hatte sich der Erziehungshilfeverbund namhafte Vertreter der halleschen Jugendhilfe als Unterstützer ins Haus geholt. Brederlow musste die Veranstaltung allerdings nach wenigen Minuten und freundlichen Grußworten bereits verlassen. Zuvor hatte sie die Teilnehmer der Veranstaltung mit spontanen Worten in den Tag geleitet und ein souveränes Statement zum Leitthema Familie abgegeben. Die Worte Schönburgs waren deutlich tiefgreifender und mit Sicherheit das Ergebnis langer Vorbereitung. Über den amerikanischen Donner-Pass und Frank Schirrmachers Bestseller „Minimum“ schlug sie einen weiten Bogen. Am Ende gelang es ihr, geschickt die Notwendigkeit und Bedeutung des Modells Familie für die Gesellschaft herauszustellen und dabei auch noch die Tagungsteilnehmer zu unterhalten.
Die Workshops am Nachmittag erwiesen sich als erfrischende Abwechslung zum theoretischen Input. Unter aktiver Beteiligung der Seminarteilnehmer gestalteten vier Kollegen des Erziehungshilfeverbundes und ein externer Supervisor drei sehr vielversprechende Kurse. Mit kreativen Ideen präsentierten die Teilnehmer die Ergebnisse.
Eine Straffung des zeitlichen Ablaufs würde der Wiederauflage in zwei Jahren sicher gut tun. Obwohl die Workshops inhaltlich hochwertig waren, kamen sie in der Tagesplanung doch etwas zu kurz.

Was kommt in der Praxis an?

Die Idee des Erziehungshilfeverbundes ist ehrenhaft. Ein solcher Workshop bedeutet für alle Teilnehmenden Erfahrungsgewinn und neues Methodenwissen. Gemeinsames und voneinander Lernen funktioniert aber nur dann, wenn beide Seiten vertreten sind. Mit circa 30 verbundsinternen Mitarbeitern und nicht einmal zehn städtischen Kollegen verteilt sich das neue Wissen nun allerdings sehr ungleichmäßig. Auch wenn man den Angestellten des Jugendamts aufgrund ihrer hohen Arbeitsbelastung keinen Vorwurf machen kann, schmälert ihr geringes Erscheinen den gelungenen Gesamteindruck. Bleibt nur zu hoffen, dass am Ende dennoch einige Puzzlestücke ihren Weg in die tägliche Zusammenarbeit finden werden.
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