Ein Diamant wird geboren - eine kleine Geschichte des Lebens

Viel schlafen. Diamant wird von der Mutter bewacht.
 
Erste Gehversuche
 
Irgendwo muss die "Trinkflasche" sein.
Am Anfang war der Gedanke. Er keimte erst etwas vor sich hin und wurde irgendwann zur Gewissheit. Anouk soll Mutter werden. Anouk ist ein Shire Horse und der Liebling seiner Besitzerin Sandy. Inzwischen nennt sie auch noch die Halbschwester Tori ihr Eigen und beide Stuten verstehen sich prächtig. Doch zurück zum Gedanken, der bald schon in die Tat umgesetzt wurde. Nach einigem Suchen, bei der Sandy auf die ursprünglichen Merkmale der Rasse viel Wert legte, war ein geeigneter Hengst gefunden. Sein Name Bromford Permier aus Seulingen. Es kam 2015 zu einem Deckungsversuch, der aber leider nicht fruchtete. Also mussten Sandy und ihr Lebensgefährte, selbst Pferdetrainer seit 1989, nochmal ihre Stute Anouk im Mai 2016 vorführen, diesmal mit fruchtbaren Ergebnis. Und das „Früchtchen“ entwickelte sich wie die Natur es vorsah im schützenden Bauch der Mutter. Sandy beobachtet stolz den größer werdenden Bauch und war „not amused“, wenn ihr Lebensgefährte, auf dessen Reiterhof die trächtige Stute stand, ihr von den Tritten des Fohlens an die Bauchdecke berichtete. Oft legte sie nach Putzen minutenlang ihr Ohr an den Bauch der Mutter, so als ob sie den Herzschlag des Fohlens hören könnte. Immerhin stand Ende April 2017 die Geburt bevor. Ein Ereignis, was sie fieberhaft erwartete. Auch ihre Pflegebeteiligung Micha wurde zunehmend nervöser, da er zudem die Aufgabe hatte, die Geburt und das Aufwachsen dokumentarisch zu begleiten. Scherzhaft behauptete er, die letzten zwei Wochen mit voller Bekleidung über Nacht auf den Augenblick zu warten und notfalls um Mitternacht aus dem Bett zu springen. War die Aussage mit der Kleidung auch klein wenig übertrieben, so prüfte Micha doch fast täglich das fotografische Equipment. Der Tag rückte näher.

29. April

Auf dem Reiterhof tritt Ruhe ein. Sandy und Christian überprüfen die Stute. Sie verhält sich ruhig, ist in letzter Zeit ein wenig träge geworden. Ihre Zitzen sind geschwollen. Die Reitbeteiligung vermeldete am Nachmittag schon etwas Milch. „Vielleicht das Wochenende!?“, hofft Sandy. Ihr Lebenspartner hat auf Ende April getippt, Sandy auf Mai. Micha wird informiert: „Halt dich bereit.“ Er überprüft routinemäßig die Kamera und Batterien zum zigsten Mal.

30. April

Sandy meldet sich bei Micha. Die Milch wird mehr. Noch ist alles ruhig. Beide gehen nochmal die Vorhaben mit den Shires durch. Training nach Parelli, Ausbildung als Kutschpferde. Aber erst muss das Fohlen kommen. Nach einem halben Jahr wird es abgesetzt und in eine Herde eingegliedert, um sich dem Sozialverhalten der Pferde anzupassen. Eine Zucht ist nicht geplant, die Tiere werden aber bald auf Sandy’s Grundstück gebracht. Dann beginnt die eigentliche Arbeit mit den Tieren. Auf dem Reiterhof war dies nur bedingt möglich.

1. Mai

Der Milchaustritt wird sichtbarer. Anouk ist ruhig. Micha und Sandy können es kaum erwarten. Christian grinst, hat er Pferdegeburten doch schon oft erlebt. Nichts Besonderes also. Nur die Rasse ist auch für ihn neu. Aber da ist Pferd nun mal Pferd. Sein Grinsen beruhigt aber die Beiden gar nicht. Sie hoffen, dass es endlich losgeht und wollen dabei sein.



2. Mai

„Sie harzt.“, überrascht Sandy Micha. Der weiß damit nichts Rechtes anzufangen und fragt nach. „Der Milchausfluss wird größer. Die Geburt steht unmittelbar bevor. Vielleicht heute Nacht, oder morgen Abend.“, informiert sie ihn. Micha hofft auf die Nacht, hat er doch am nächste Tag seine Arbeit und bekommt wohl kaum frei.

3. Mai

3:30 Uhr Christian kontrolliert die Ställe und schaut bei Anouk nach. Keine Veränderungen. Anouk steht in Ruheposition. Nichts ist passiert und es sieht auch nicht nach mehr aus.

4:02 Uhr (Lettin)

Sandy kann nicht schlafen. Die Geburt beschäftigt sie. Sie sitzt etwas später vor ihrem Computer und grübelt. Aber Christian war gerade unten und es hat sich nichts getan. Sie arbeitet am Computer und erledigt Büroarbeiten für den Reiterhof. Um sieben muss sie zu ihrer Arbeit. Sie hat noch Zeit.

4:50 Uhr (Halle – Neustadt)

Micha kann nicht schlafen. Die Geburt beschäftigt ihn. Er sitzt vor seinem Computer und grübelt. Am liebsten würde er losfahren, einfach mal gucken was los ist. Aber er weiß auch, dass Christian und Sandy ihn sofort informieren würden. Er arbeitet am Computer weiter und bearbeitet gerade Pferdefotos. Was sonst!?

5:30 Uhr

Der Reiterhof schläft noch. Alles ist ruhig. Es wird ein grauer Tag, aber das scheint die Tiere nicht zu beeindrucken. In Lettin und in Halle-Neustadt sitzen zwei Menschen einsam an ihrem Computer und warten ab. Sie wissen nicht, dass sie beide fast zusammen aufgewacht sind, aber irgendwie sind sie durch die Tiere miteinander verbunden, so scheint es.

6:58 Uhr (Halle-Neustadt)

Micha wird durch einen Telefonanruf aufgeschreckt. „Es geht los.“, schießt es ihm durch den Kopf. „Das Fohlen ist da und keiner hat es gemerkt.“, sagt Sandy etwas lakonisch. Beinah klingt ein wenig Enttäuschung aus ihrer Stimme. Sie war bei der Geburt nicht dabei. Doch dieser Moment ist schnell vorbei, ist doch das Glücklichsein der überragende Moment. Im Hintergrund jubelt lauthals Sophie, ihre Tochter. Micha schwankt ein wenig zwischen Freude und Traurig sein. Die Natur hat ihm ein Schnippchen geschlagen. Doch er fragt nach dem Befinden der Tiere. „Beide sind wohlauf.“, freut sich Sandy. „Ich brauche jetzt das Handy zum Filmen.“ Das Telefonat war zu kurz, sinniert Micha.

07:49 Uhr

Das erste Video ist auf Michas Telefon gelandet. Ein kleines graues Fohlen versucht sich aufzurichten und wackelt vor sich hin. Es ist gesund und hat auch schon einen Namen. Es wird SaltRook Diamant heißen. Christians erstes Pferd hieß Diamant. So holt Erinnerung die Wirklichkeit ein. SaltRook bedeutet soviel wie SalzTurm und nimmt Bezug auf die Heimatstadt des Fohlens – Halle, die Hanse- und Salzstadt. Micha seufzt. An diesem Namen haben sie lange gebastelt und noch viel länger an dem Logo für die neue Internetseite für Sandys Shire.

14:05 Uhr

Micha macht die ersten Aufnahmen vom Säugen. Der kleine „Esel“, wie er Diamant scherzhaft aufgrund seiner grauen Fellfarbe nennt, steht schon und trinkt. Anouk ist die Ruhe selbst. Vorsichtig filmt und fotografiert er das Geschehen. Dann zieht er sich zurück. Christian mahnt zur Ruhe. Die Tochter der Pferdebesitzerin ist begeistert, sie lobt Anouk für ihre gute Mutterarbeit. Micha lächelt. Ihn faszinieren immer wieder diese Wunder der Natur, obwohl sie millionenfach täglich passieren. Er weiß, dass Sandy heute die glücklichste Pferdebesitzerin der Welt ist. Eine neue Geschichte des Lebens beginnt. Die Geschichte von Diamant dem Shire Horse Hengst, die er von nun an begleiten wird.
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6 Kommentare
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Manfred Wittenberg aus Nebra (Unstrut) | 07.05.2017 | 09:14   Melden
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Michael Waldow aus Halle (Saale) | 07.05.2017 | 09:16   Melden
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Manfred Wittenberg aus Nebra (Unstrut) | 07.05.2017 | 09:21   Melden
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 07.05.2017 | 10:10   Melden
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Michael Waldow aus Halle (Saale) | 07.05.2017 | 10:20   Melden
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Brunhild Schmalfuß aus Halle (Saale) | 08.05.2017 | 19:11   Melden
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