Ein roter Turm, seine Spitze und ein Konzert

Organist Martin Stephan via Bildübertragung
Halle (Saale): Marktplatz |

Festliche Veranstaltung mit Glockenspiel am Freitagabend auf dem Marktplatz in Halle. Vor 40 Jahren erhielt der Rote Turm wieder seinen Helm.

Schon im Vorfeld kündigte sich das Ereignis an. Im Umfeld des Turmes gab es Aufsteller mit Fotos vom damaligen Baugeschehen, am Spätnachmittag wurden Kurzführungen im 20-Minuten-Rhythmus treppauf angeboten.
Am Abend hatten sich dann zahlreiche Hallenser zum eigentlichen Event eingefunden: 40 Jahre Wiederherstellung des Roten Turms.

Das ab 1418 errichtete Bauwerk ist der einzige freistehende Glockenturm nördlich der Alpen und beherbergt gleichzeitig Europas größtes Glockenspiel. In den letzten Kriegstagen 1945 wurde seine Spitze durch Artilleriebeschuss in Brand gesetzt. So fristete "der Rote" viele Jahre ein trauriges Dasein, mit einem flachen Notdach dürftig geschlossen.
Erst 1974 erfolgte der Beschluss, dem Turm wieder sein ursprüngliches Aussehen zurückzugeben. Nahezu das ganze Jahr 1975 verstrich während der aufwändigen Bauarbeiten, bis er 1976 dann wieder vollständig in den Himmel ragte.
Das war eine große technische und logistische Herausforderung.

Gotthard Voß war damals selbst als Architekt an der Planung des Bauvorhabens beteiligt. Nun hat er mit dem Förderkreis Roter Turm (im Verein der Freunde und Förderer des Stadtmuseums) diesen ungewöhnlichen Abend organisiert.

Beeindruckend war das Konzert auf dem Glockenspiel des Turmes. Martin Stephan, langjähriger Organist der Konzerthalle Ulrichskirche, spielte virtuos und wurde mittels moderner Technik für alle Zuhörer sichtbar.

Anschließend fühlte man sich am Fuße des Roten Turmes unmittelbar in die 70er Jahre zurückversetzt.
"Der Rote hat seine Spitze wieder" flimmerte über den dunklen Marktplatz, ein Film mit Originalaufnahmen des Hobbyfilmers Michael Stabenow. Und das war nicht nur spannend!
Stolz berichtete der Sprecher vom Einsatz hochmoderner UKW-Technik, was ein Kichern unter den Besuchern auslöste. Fernab heute geltender Bestimmungen zum Arbeitsschutz standen Bauarbeiter in Badehosen in luftiger Höhe auf den Gerüsten. Auch bei diesem Anblick ging ein belustigtes Raunen durch die Menge.
Historische Aufnahmen sind eben auch immer ein Spiegel ihrer Zeit. Dennoch konnte man erahnen, welche Leistung damals von allen Beteiligten erbracht worden war.
Und wenn man mal ganz ehrlich ist: Gut haben sie es gemacht!

Es war ein Abend, der mir unvergesslich bleiben wird!
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3 Kommentare
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Heike Neundorf aus Halle (Saale) | 12.09.2015 | 22:06   Melden
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 13.09.2015 | 17:00   Melden
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Siegfried Behrens aus Halberstadt | 20.09.2015 | 18:08   Melden
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