For ever Modern Talking - Otschen Xaraschow!

Thomas Anders (links) und Dieter Bohlen vor einem Comeback in Moskau?
   

Wir sind im kleinen Doref Ust-Bargusin. Lieber Blogger-Gemeinde. Ich schaffe jetzt nur noch einen Blog pro Tag - weil: Der Baikal hat uns voll im Griff und ich komme gar nicht mehr hinterher, das Erlebte zu verarbeiten.

Wir sind bei Kalina und Sascha zu Gast, ein äußerst liebenswertes Pärchen, in deren Anwesen wir uns wie zu Hause fühlen. Hier ist Sibirien PUR. Das Dorf Ust-Bargusin ist so, wie man sich Sibirien vorstellen muss: Im Dorfzentrum ein riesiger, moderner (!!!) Supermarkt, der Rest erinnert an Balalaika und Hexe Babajaga. Unsere Unterkunft bei Kalina und Sascha ist urst-rustikal, Kalinas Essen einfach fantastisch und Saschas Selbstgebrannter....dazu sage ich jetzt nichts. In Ust-Bargusin gibt es etliche staubige Straßen, ohne Verkehrsschilder. Die Pisten verlaufen alle querbett. Es gilt das Recht des PS-Stärkeren, anders kann ich das nicht beschreiben. Tempoüberschreitungen, abrupter Fahrspurwechsel, abgrundtiefe Verachtung gegenüber Fußgängern, Ignorieren von Straßenmarkierungen (um ein Auto zu überholen, nutzt man schon mal den Fußweg, so denn es diesen überhaupt gibt) - der Straßenverkehr in Sibirien ist abenteuerlich.

Ich weiß nicht, wo wir uns in Ust-Bargusin gerade befinden, wollte eigentlich heute abend noch einmal zum rostigen Kai, ein paar Fotos schießen. Ich verwerfe lieber diese Idee, weil ich mich mit Sicherheit verlaufen würde und irgendwann in Rostock landen würde - wie unser Fahrer heute nachmittag, der nach unserem Tagesausflug etwas verzweifelt durch den Ort irrte und unsere Unterkunft suchte.

Feuerstellen, Gemüsebeete und Blumenrabatten


Das Anwesen von Kalina und Sascha ist ein wahres Paradies. Überall sind kleine Sitzgelegenheiten, Feuerstellen, Gemüsebeete, Blumenrabatten ---->>>> und unsere supergeile Blockhütte, in der mein Reisebegleiter Daniel und ich die nächsten vier Tage fürstlich residieren werden. Unser Haus ist eine umgebaute Banja (sibirische Sauna): zwei Holz-Liegen (auf denen eine kleine Matratze und eine Zudecke liegt), ein dicker Holztisch und --->>> ein großer Ofen. Mehr nicht. Keine Toilette, kein Waschbecken, nichts. Gestern abend haben wir ordentlich eingeheizt. Holz gibt es auf Ust-Bargusin en gros. Man hält ein brennendes Streichholz an einen Holzscheid und sofort brennt alles wie Zunder. Ratz-Fatz war unsere Hütte kuschelig-warm. Unsere Hütte verschließt eine fette, knarrende Holztür, vor der ein sibirischer Hund bellt. Das beruhigt uns, falls andere Mitglieder unserer Reisegruppe in der doch recht kalten sibirischen Nacht unsere Wärme gesucht hätten. Leider hat unser Wachpersonal gegen halb zwölf seine Dienstpflichten eingestellt und angefangen zu schnarchen. Ich habe noch nie einen sibirischen Köter schnarchen gehört. Die Möglichkeiten zum Austreten sind landestypisch, die dazugehörige Hütte aber gefliest!

Über die Heilige Nase mit einem Fiat


Wir waren heute den ganzen Tag auf der Halbinsel "Heilige Nase". Egal, wohin man am Baikal fährt - alles ist erhabend. Wir hatten einen einen Kleinbus vom Typ "Fiat" - unsere Hoffnung auf eine halbwegs friedliche Fahrt erfüllte sich jedoch nicht. Es holperte und polterte wie gehabt - und es gab erneut Verletzungen, als unserem Dieter eine in der Hutablage deponierte Büchse "Baltinka" (das ist das russische Büchsen-Bier) urplötzlich auf dessen Schädel viel uns sofort eine Platzwunde verursachte. Aber Wodka desinfiziert alles.

Wir tuckern mit einem alten Dampfer quer über den Baikal. Irgendwann legen wir an und es gibt Mittag. Natascha - die heute etwas humpelt, weil ihr gestern ein schwerer Koffer auf ihren Fuß gefallen ist - ist liebevoll zu uns: Wir sitzen in einem Rohbau von Restaurant, ringsherum laufen die Holzbauarbeiten. Es gibt wieder die leckere Omul-Fischsuppe und gebratenen Fisch - seeeeeeeeehr lecker! Ich habe noch NIIIIIIIIEEEEEEEE so leckeren Fisch gegessen. Das Essen war extrem spartanisch. Während um uns herum noch die Handwerker zimmerten (die Balken wurden mit einem Fuchschwanz !!! zurechtgestutz), konnten wir unser Essen genießen. So gab es zu unserer Fischsuppe wenigstens noch leckere Holzspäne dazu.

Den Rest gibt es hier im Telegrammstil: Bad in der Thermalquelle (42 Grad), Kutterfahrt quer über den Baikal, lecker Tee am Strand.

Ein Erlebnis heute habe ich aber bis jetzt nicht verarbeitet. Es hat wieder mit Dieter Bohlen zu tun. Unser heutiger Fahrer Wladimir ist ein großer Fan des blonden Barden. Die ganze Fahrt dudelte Musik von Modern Talking, Blue System und C.C.Catch im Auto. "Otschen Xarascho!" Ich bin ehrlich: Ich habe alle Platten von Modern Talking, Blue System und C.C.Catch in meinem Plattenschrank. Aber diese habe ich in den 90er-Jahren gehört. Heute - zwanzig Jahre später - hatte ich nach drei Stunden Bohlen-Sound gestrichen die Nase voll. Sorry Michael, aber Deinem Traum von einer Superstar-Karriere gebe ich Null-Chanche......


Lesen Sie mit:

Russlands letzter Zar Nikolaus II. setzte 1891 den ersten Spatenstich für den Bau der Trasse der Transsibirischen Eisenbahn. 16 große Flüsse überquert die Transsib heute. MZ-Redakteur Bernd Martin wird nach Moskau fliegen und von dort mit der Bahn zum Baikalsee fahren. Hier schreibt er von unterwegs über seine Erlebnisse.

Teil 1: Wodka trinkende Russen und Miss Marple - Der Baikal ruft

Teil 2: Koffer packen

Teil 3: Ankunft in Moskau

Teil 4: Die Transsib rollt los

Teil 5: Unterwegs - mehr als Zähneputzen war nicht drin

Teil 6: Igor erzählt, welche Pilze man sammeln soll, um viel Geld zu verdienen

Teil 7: Sibirien - Essen auf den Bahnsteigen

Teil 8: Der ganze Zug riecht nach Fisch

Teil 9: Verlorenes Zeitgefühl

Teil 10: Junges Glück in Irkutsk - jetzt wird geheiratet

Teil 11: Zehn Rubel voller Dankbarkeit

Teil 12: "Putin verzuckert uns"

Teil 13: Joggen am Baikal

Teil 14: Fahrer fällt betrunken aus dem Auto

Teil 15: Michael möchte Superstar werden

Teil 16: Quer über die Insel Olchon

Teil 18: Vier Schweine, elf Kühe, zehn Schafe und dreißig Hühner

Teil 19: Sibirischer Stolz

Teil 20: Leben ohne Strom

Teil 21: Auf nach Ulan Ude

Teil 22: Teddybären auf Autodächern

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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mitteldeutsche Zeitung | Erschienen am 13.08.2014
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