Fragwürdige Aussicht

(Foto: https://www.facebook.comphoto.phpfbid=1114491668615248&set=gm.1094795050595183&type=3&theater gepostet von Matthias Klaes am 11.07.2016. [Stand 13.07.2016 um 1803 Uhr])
Halle (Saale): Marktkirche |

Auf Facebook und Co kursieren ja schon seit Jahren die vielfältigsten Gruppen in denen alte Fotografien oder Kuriositäten zur Stadt Halle geteilt werden. Dieses Bild erfüllt wohl ohne Wiederrede beide Kriterien und hat im Netz bisher für viel Amusement und hinterfragenden Gedanken geführt.

Zu sehen – eine dem Anschein nach alte Fotografie einer Turmspitze, aus deren perspektivisch mittleren Fenster ein Teil der unteren Rückseite eines Menschen hervorlukt, der sich offenbar gerade belastender Flüssigkeiten entledigt. Anhand des Bildes lässt sich schwer ausmachen, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, und auch mutige Thesen, dass Frauen von derartigen Aktionen moralisch auszuschließen sind, müssen bisweilen weiter wilde Spekulationen bleiben.
Was sich jedoch nach längerem Hinsehen erschließt, ist der Standort des abgelichteten Motives. Der langjährige Hallenser wird schon durch ein gutes visuelles Wiedererkennen bemerkt haben, dass es sich um einen der Türme der Marktkirche handelt. Sieht man sich nun die linke Hälfte des Hintergrundes an, so kann man dort das Hauptgebäude der Franckeschen Stiftungen ausmachen. Dies führt zur Erkenntnis, dass es sich um den Südturm handeln muss, und der Fotograf direkt gegenüber im Nordturm abgelichtet haben wird.

Das Feststellen der Bildperspektive macht die Zufälligkeit des Festhaltens des Momentes zwar weniger glaubhaft, doch auf keinen Fall weniger amüsant.
So wurde das Foto auch bei den Mitgliedern der Facebook-Gruppe „Schellenmoritz - Halle/Saale“ heiß diskutiert.
Mit „Der Mond geht auf!“ hat Olaf Metzner gleich einen schönen Titel für das von Matthias Klaes gepostete Bild gefunden. Christian Rackwitz dagegen warnt präventiv mit einem „Deckung..“ und versucht sich später mit „Wenn es dermaßen drückt, nimmt man(n) wohl den Weg des geringsten Widerstandes...Da ist halt keine Zeit die Treppe zu nehmen, bis man(n) das stille Örtchen erreicht hat...“ mit einer Begründung für das Handeln des Fotografierten.
Eine geschichtliche Kontextualisierung wird vermutlich scherzhaft durch Werner Klotz vorgenommen, der die Datierung des Bildes auf den „03.10.1990 um 9.15 Uhr“ festsetzt.

Auch wenn die Qualität der Aufnahme der These von Klotz etwas zu widersprechen scheint, so ist doch bemerkenswert, wie viel Interpretationsspielraum dieses Bild offen lässt und mit wie viel Spaß sich die Rezipienten damit auseinandersetzen.

Und wer weiß, vielleicht finden sich ja doch noch nähere Informationen zum Anlass, der Geschichte, dem Urheber oder gar der abgelichteten Person?
Unwahrscheinlich ist das bestimmt nicht.
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