Gedanken über eine gelungene Integration

Zu diesem Thema habe ich mir auch schon früher Gedanken gemacht, wenn auch in einem anderen Kontext. Im Jahr 1992 begann ich, Spätaussiedler aus der ehemaligen UdSSR in Deutsch zu unterrichten. Dabei beobachtete und erlebte ich eine Menge Phänomene und könnte darüber ganze Bücher schreiben. Nun, angesichts der aktuellen Situation - ich meine hier den immensen Zugang von Flüchtlingen - stelle ich mir die Frage, warum man aus den Fehlern der Vergangenheit nicht lernen will bzw. kann.
Es werden natürlich zahlreiche Integrationskurse angeboten und zumindest in größeren Städten können die meisten erwachsenen Flüchtlinge daran teilnehmen. Was ist aber mit Kindern? In Halle (Saale) fehlen Schulplätze für schulpflichtige Kinder - wie ist das denn möglich? Ist das überhaupt zulässig?
Es ist mir klar, dass man nicht "aus dem Nichts" Lehrer - dazu noch optimalerweise entsprechend qualifizierte Pädagogen - für diese Aufgabe nehmen kann. Aber es gibt möglicherweise fähige und willige Menschen, die den Schuldienst verlassen mussten, als die Schulen reihenweise geschlossen wurden?
Das ist aber nicht alles. Wie sollen sich die Flüchtlinge integrieren, selbst wenn sie einen guten Deutschkurs besuchen und fleißig lernen (aus meiner Erfahrung weiß ich, dass viele dieser Menschen schnell die deutsche Sprache erlernen möchten und hierzulande ihre berufliche Existenz aufbauen wollen), wenn man die Wohnblocks ausschließlich mit Flüchtlingsfamilien besiedelt? Mit wem sollen sie die sozialen Kontakte pflegen? Wie sollen sie - nach dem Integrationskurs - ihre Sprachkenntnisse weiterhin pflegen, mit wem sollen sie kommunizieren? Falls sie nicht bald einen Arbeitsplatz finden, der ihnen die Möglichkeit gibt, Deutsch zu sprechen, werden sie wahrscheinlich das Gelernte bald vergessen. Das habe ich immer wieder bei den Spätaussiedlern aus Usbekistan, Kasachstan etc. beobachtet, wo sogar die fleißigen und sprachbegabten Menschen nach wenigen Jahren die deutsche Sprache vergessen haben, obwohl sie in Deutschland lebten. Wozu sollten sie sich bemühen, Deutsch zu reden, wenn sie doch mit den Nachbarn besser Russisch sprechen konnten? Und Ärzte, die Russisch sprechen, gibt es ja auch. Für Behördengänge findet man auch immen jemanden, der hilft... Und diesen Fehler, den Flüchtlingen Wohnräume zuzuweisen, die sich alle "auf einem Haufen" befinden, macht man jetzt wieder. Zumindest in Halle (Saale).
In der Bevölkerung gibt es viele Vorurteile und sogar Ängste, die man auf diese Art und Weise nicht aus der Welt schaffen kann. Eine Integration verlangt ein Mit-, nicht ein Nebeneinander. Was meinen Sie?
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6 Kommentare
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Martina I. Müller aus Halle (Saale) | 10.03.2016 | 09:37   Melden
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Grazyna Werner aus Halle (Saale) | 10.03.2016 | 19:56   Melden
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 10.03.2016 | 22:13   Melden
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Grazyna Werner aus Halle (Saale) | 11.03.2016 | 19:48   Melden
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 13.03.2016 | 19:45   Melden
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Ursula Safar aus Halle (Saale) | 16.03.2016 | 15:20   Melden
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