Halle im Jahr der Völkerschlacht (Teil I )

1813 - Denkmal auf der Kleinen Wiese (Würfelwiese) in Halle
Die Stadt Halle von Januar bis März 1813 - Ein kurzer Überblick


Nach der vernichtenden Niederlage Preußens im Jahre 1806 wurde Europa neu geordnet. Napoleon schuf neue Staatengebilde, setzte seine Familienangehörigen ein, um die von ihm eroberten Gebiete kontrollieren zu können.

Die Stadt Halle gehörte seit 17.08.1807 zum neu entstandenen Königreich Westphalen. König Jerome Bonaparte, der jüngste Bruder von Napoleon, hatte seinen Sitz in Kassel und führte von dort aus im Sinne von Napoleon I. die französische Verwaltung, Gesetzgebung etc. ein. Halle befand sich danach im Departement „Saale“ mit Sitz in Halberstadt.
Bürgermeister der Stadt Halle, jetzt der Maire, war seit 6.Juli 1808 (per Dekret des Königs) Ludwig Carl Heinrich Streiber (1767-1828.) Er hatte drei Beigeordnete (Adjuncte). Einer von ihnen war Karl Albert Ferdinand Mellin (1780-1855).

Für die Bevölkerung der Stadt war es nicht einfach. Sie saß zwischen zwei Fronten: Zwischen dem Königreich Preußen, zu dem die Stadt bisher gehört hatte und Frankreich. Wenn auch verschiedene Neuerungen in Gesetzgebung, Verwaltung, Wirtschaft und Schulwesen fortschrittlicher waren als die bisherigen preußischen Regelungen, so standen doch die meisten Bürger diesen Napoleonischen Diktaten kritisch gegenüber oder lehnten sie ganz ab. Die Stimmung in der Stadt war daher sicher gespalten. Es gab Bürger, die die französische Sache unterstützten und jene, die –offen oder verdeckt- gegen die Fremdherrschaft auftraten. Und nicht selten mussten bei Entscheidungen die Belange der Stadt Halle berücksichtigt werden.

Vor allem die hohe Steuerlast und ständig neu eingeführte Zwangssteuern zur Finanzierung der Kriegskosten führten zu einer Verarmung (Verelendung) der Bevölkerung. Das Königreich musste für die napoleonischen Truppen Soldaten stellen, Einquartierungen waren an der Tagesordnung.
Außerdem führte die Kontinentalsperre gegenüber England auch dazu, dass Unternehmen ihren Handel mit England nicht mehr aufrecht erhalten konnten.

Nachdem Napoleon in Russland eine Niederlage erlitten hatte, fluteten seine Truppen zurück. Bereits am 2.Januar 1813 zogen zerstreute französische Soldaten („elend und halbnackt“) durch Halle. Die Chronisten vermerken mehrfach, dass diese Truppen oft kläglich aussahen, ohne Musik und Adler einzogen- ganz anders als im Jahre 1806- oder vor dem Russlandfeldzug 1812.
Zur gleichen Zeit gelang es Napoleon in Frankreich, eine neue Grande Armee mit etwa 120 000 Mann aufzubauen. Sie sollte sich mit den vorhandenen Truppen an der Elbe vereinigen.

In Rundes "Chronik der Stadt Halle von 1750-1835" (Halle 1933) wird erwähnt, dass am 23.Februar sowie 8. und 9. März 1813 französische Infanterie und Kavallerie nach Halle kam, einen Tag blieb und am nächsten Tag weiter zog. Der Durchzug an den beiden Märztagen war auch verbunden mit dem Transport von Munition und Kanonen.
Am 21.März nachmittags rückte die Garde des Vizekönigs von Italien, etwa 3000 Mann stark, in Halle ein. Eugene de Beauharnais, erstes Kind aus der ersten Ehe von Napoleons Gattin Josefine, war bereits einen Tag zuvor über Halle nach Egeln bei Magdeburg weiter gereist.
Auch diese Garde marschierte am 22.März 1813 weiter, sodass in Halle Ende März 1813 keine größeren französischen Truppenkontingente weilten.

Am 17.März 1813 hatte der preußische König in seinem Aufruf „An mein Volk“, am 20.03. 1813 in der „Schlesischen privilegirten Zeitung“ veröffentlicht, zum Kampf gegen Napoleon aufgerufen. Der Beginn des Befreiungskrieges führte auch dazu, dass viele der 334 Studierenden (Wintersemester 1813) an der Universität Halle in ihre Heimatländer zurück gerufen wurden oder sich den preußischen Truppen anschlossen- was dem König von Westphalen natürlich nicht gefallen konnte.

Wenn man noch betrachtet, dass die etwa 14 000 Einwohner zählende Stadt Halle allein zwischen Januar und März 1813 etwa 50 000 Einquartierungen hatte und diese Truppen versorgen musste, kann man sich ausmalen, wie es in der Stadt ausgesehen haben muss.

Es zog etwas Ruhe ein an den letzten Märztagen in Halle …eine trügerische Ruhe, denn die Anzeichen deuteten auf kommende Schlachten hin…..

Interessant scheint zu sein, dass über den Begriff „Befreiungskrieg“ in den vergangenen Monaten immer wieder diskutiert wurde. Ist der Begriff heute noch modern- zutreffend? Vielleicht helfen meine Darlegungen, diese Diskussion mit zu beleben.

Fortsetzung folgt.

Manfred Drobny
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2 Kommentare
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 19.03.2013 | 18:13   Melden
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Jürgen Schindler aus Dessau-Roßlau | 01.04.2013 | 22:47   Melden
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