Halle im Jahr der Völkerschlacht (Teil II)

Der Leipziger Turm- er stand eigenständig neben der Anlage des Galgtores und der Stadtmauer
Halle (Saale): Stadt Halle | Vor 200 Jahren- Russische Soldaten in der Saalestadt


Am 1.April früh 6 Uhr kam ein Bote mit der Nachricht in Halle an, dass russische Truppen in Leipzig seien. Daraufhin berieten die Stadtoberen, was zu tun sei. Das Magazin wurde geräumt, der westphälische Stadtkommandant setzte sich vorerst nach Kröllwitz ab. Als dieser am 3.April gegen 16 Uhr nochmals in der Stadt, am Galgtor (Stadttor Leipziger Straße/ Überrest heute: Leipziger Turm) erschien, wurden bereits russische Ulanen gesichtet. Durch die Stadt hallte der Ruf: „Die Russen kommen!“
Während die restlichen westphälischen Gendarmen sich über das Klaustor aus der Stadt absetzten, eilten die Menschen, auch aus umliegenden Dörfern, herbei und bestaunten die Russen - begrüßten sie als Befreier von der Napoleonischen Fremdherrschaft. Zuerst marschierten 150 Kosaken und Ulanen unter dem Rittmeister von Ilowaiski in Halle ein. In ihrem Lager vor dem Galgtor hielt von Ilowaiski für jeden Hallenser ein blaues Bändchen für das Knopfloch bereit- ein Zeichen der Freundschaft und Verbundenheit.
Gleichzeitig verlangten die Truppen vom Maire Streiber eine angemessene
Versorgung in ihrem Biwak vor dem Galgtor. Unter anderem Sauerkraut, Heringe, Hülsenfrüchte, Schweinefleisch, Branntwein- was ihnen auch gewährt wurde.

Am 9.April erschien ein Regiment Donkosaken unter Generalmajor Baron von Löwenstern (1776-1858) in Halle. Wie sich herausstellte, kannte der russische General die Saalestadt, denn er hatte hier drei Jahre studiert. Auch diese Soldaten wurden freudig begrüßt. Es gab Musik auf dem Marktplatz, der Baron lobte in einer Rede den Patriotismus der hallischen Bevölkerung. Es wurden Hochrufe auf den russischen Zaren Alexander I. und den preußischen König Friedrich Wilhelm aufgebracht. Die Chronisten erwähnen, dass sich nun immer mehr Studenten der Universität den Freiwilligen gegen Napoleon anschlossen.

Das Kommen und Gehen russischer, aber auch preußischer Truppen wurde in den Chroniken minutiös festgehalten. Täglich gab es Einquartierungen. Die Bürger hatten Soldaten oder Offiziere zu beherbergen und zu versorgen. Die Stadt musste die Versorgung der vor den Stadttoren biwakierenden Soldaten übernehmen. Vom 15.- 29. April waren das immerhin 79 200 Mahlzeiten!

Nachdem am 11.April zwei Kosakenpulks des Barons von Winzingerode in die Stadt einmarschiert waren und auf dem Markt ihr Lager aufgeschlagen hatten, erklärte dieser General Halle wieder zu einer preußischen Stadt. Der Maire wurde abgesetzt, die Bürger wählten einen neuen Bürgermeister.

Am 16.April zogen diese russischen Soldaten ab und wurden von einer anderen Abteilung russischer reitender Jäger abgelöst.

Am 2.Ostertag, 19.April 1813, erschienen zum ersten Male seit 1806 wieder preußische Jäger, 200 Mann zu Pferd und zu Fuß, in Halle.

Für den folgenden Tag war eine Huldigung geplant, bei der die Zugehörigkeit der Stadt Halle zum Königreich Preußen noch einmal festlich dokumentiert werden sollte. Da der dazu erwartete Major von Lützow jedoch nicht erschien, wurde diese Veranstaltung abgesagt. Lediglich eine Abteilung Lützower Jäger unter dem Rittmeister von Aschenbach erreichte die Stadt.

Der neue Stadtkommandant ließ 800 Arbeiter sofort beginnen, Schanzen an der Hohen Brücke (heute: Elisabethbrücke) auszuheben und dieses Einfallstor in die Stadt mit einem Palisadentor und Schießscharten zu versehen. Man bereitete sich auf einen Angriff der Franzosen vor, die sich der Stadt von Westen und Südwesten her (vor allem von Eisleben her) näherten. Ihr Ziel: Der Saaleübergang bei Halle und die (Wieder-) Eroberung der Stadt. Dann hätten sich die verschiedenen französischen Truppenteile u.a. des Vizekönigs von Italien mit der Hauptarmee Napoleons vereinigt und wären gen Leipzig und Dresden gezogen …

Am 26.April rückte eine preußische Armee unter General von Kleist zusammen mit dem Prinzen Heinrich von Preußen in Halle ein. Sie wurden „mit einem ungetheilten Jubel empfangen.“ In der Zwischenzeit gingen die Verteidigungsarbeiten weiter, so wurde die Schieferbrücke (vor der Saline) mit Pech eingestrichen und Stroh ummantelt. Im äußersten Fall hätte man diese Mischung in Brand gesetzt…

Die Situation in der Umgebung der Stadt Halle spitzte sich am folgenden Tag zu - immer mehr Truppenteile näherten sich der Stadt.

Stürmische Tage standen bevor …..


Fortsetzung folgt.

Hinweis:
Teil I erschien am 19.03.2013


Foto: Der Leipziger Turm heute
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2 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 03.04.2013 | 07:53   Melden
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Luftfahrt- und Technik- Museumspark aus Merseburg | 04.04.2013 | 11:06   Melden
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