Halle im Jahr der Völkerschlacht (Teil III)

Das Haus mit der goldenen Kanonenkugel -"Alter Markt 26"- in Halle
 
Die Kanonenkugel mit Inschrift - Erinnerung an den 28.April 1813
Halle (Saale): | Die Kanonade von Halle am 28.April 1813

von Manfred Drobny

Am 27.April wurden an der Heide französische Soldaten gesichtet. Sie sammelten sich auf den Nietlebener Höhen und begannen bald, in einem Halbkreis vom Fuße des Bahrdtschen Weinbergs bei Nietleben (heute Weinberg Campus) bis zum Passendorfer Damm insgesamt 24 Geschütze, teils Kanonen und teils Haubitzen, aufzustellen. Das Hauptquartier ihres Generals Maison befand sich ebenfalls auf dem Weinberg.
Der 28.April 1813 sollte in die Geschichte eingehen. Nachdem die Preußen, die gemeinsam mit den Russen die Stadt verteidigten, gegen 15 Uhr einen ersten Angriff (Ausfall) durchgeführt hatten, holten die Franzosen, etwa 10 000 Mann stark- doppelt so viele wie die Verteidiger in Halle- zum Gegenschlag aus. Ihre Angriffswellen gelangten dabei mehrmals bis zur Hohen Brücke und der Furt bei Wörmlitz vor, wurden aber immer wieder zurückgedrängt.
Dabei gab es heftige Gefechte. Außerdem wurden diese Angriffswellen unterstützt durch eine Kanonade, die bis gegen 20 Uhr dauerte. Eine Kanonade- wie sie die Stadt Halle lange nicht erlebt hatte: Über 176 Granaten schlugen in der Stadt ein. Auf dem Markt starb ein russischer Infanterist. In der Strohhof-Vorstadt (heute: Spitze, MDR-Gebäude) gingen eine gefüllte Scheune und fünf Häuser in Flammen auf. Dem Einsatz der Einwohner und auch russischer Soldaten beim Löschen war es zu verdanken, dass sich der Brand, der zwischen 19 und 5 Uhr früh tobte, nicht weiter ausbreiten konnte.
Weitere Gebäude in der Moritz- und Ulrichsvorstadt sowie in der Schmeerstraße wurden von Kanonenkugeln getroffen.
Unterstützung erhielten die Verteidiger der Stadt von einer am Abend des 28.April eintreffenden halben Batterie russischer reitender Artillerie, die sofort Stellung am Steinbruch (Lehmanns Steinbruch) bezog. Von hier aus konnten sie das Feuer auf die andere Saaleseite mit den französischen Geschützen richten. Es gelang den Verbündeten, einen Saaleübergang der französischen Truppen und somit eine Besetzung der Stadt Halle zu verhindern. Die einbrechende Dunkelheit führte schließlich zur Beendigung der Kampfhandlungen. Die Franzosen zogen sich in ihre Lager bei Nietleben und Passendorf zurück. Alle erwarteten für den nächsten Tag eine Fortführung dieser Kämpfe.

Zur Erinnerung an die Kanonade brachten Bürger Kanonenkugeln an ihren Häusern an, wie beispielsweise die sogar vergoldete Kanonenkugel am Haus Alter Markt 26. (Foto)

Die Kanonade von Halle wurde auch im Vorwort zum Adressbuch der Stadt Halle 1945/46 erwähnt. Die Bombardierungen der Stadt im Zweiten Weltkrieg sowie die Ereignisse im April 1945 (insbesondere auch der Treffer, der am 16.04.45 vom Roten Turm die Spitze wegfegte), veranlassten die Verfasser, auf die Kanonenkugeln an den Häusern hinzuweisen. Sie schrieben: „…erinnern an jenen bösen 28.April 1813, von dem schon damals viele Hallenser hofften, daß er sich in der Geschichte der Stadt niemals wiederholen möchte.“

Der 29.April blieb jedoch ruhig. In der Nacht zum 30.April rückten, zum Entsetzen der Einwohner, die Verbündeten in Richtung Schkeuditz/Leipzig ab. Totenstille herrschte in Halle.
Am 30.April gegen 8 Uhr zogen die französischen Soldaten „still und ruhig“ in die Stadt ein. General Lauriston hatte einen Befehl erlassen, nach dem keine Gewalt gegen Bürger zugelassen werde.
Patrouillen in den Straßen sorgten für Ruhe und Ordnung. Etwa 5000 Mann Infanterie, Kavallerie und zwei reitende Batterien waren jetzt in Halle stationiert. Sie begannen sofort, die Verteidigungsanlagen auszubauen.
Zwei Tage später, am 2.Mai 1813 sollte dann das Gefecht zu Halle stattfinden.


Text und Foto: Manfred Drobny
Foto: Halle (Saale)- Alter Markt 26 (Goldene Kanonenkugel)
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3 Kommentare
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Gottlob Philipps aus Halle (Saale) | 26.04.2013 | 18:31   Melden
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Manfred Drobny aus Halle (Saale) | 26.04.2013 | 19:44   Melden
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Manfred Drobny aus Halle (Saale) | 26.04.2013 | 19:44   Melden
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