Halle im Jahr der Völkerschlacht (Teil IV )

Der Denkstein für 1813 im Stadtpark von Halle (Rückseite) -1-
 
Vorderseite des Denkmals im Stadtpark -leider beschmiert- -2-
Halle (Saale): Halle | Das Gefecht zu Halle am 2.Mai 1813

Am 2.Mai 1813 rückten etwa 5000 preußische Soldaten unter General von Bülow aus Richtung Köthen / Radegast auf Halle vor. Bei Oppin (Posthornschenke) begannen sie sich mit anderen Truppenteilen zu vereinen und früh 3 Uhr für den Angriff zu formieren. Dann marschierten sie in Richtung Halle. Gegen 6 Uhr begann der für die Franzosen unerwartete Angriff auf die Stadt. Die preußischen Truppen stießen in Richtung Giebichenstein/Saale, Ulrichstor, Steintor und Galgtor vor.
Die Vorstädte waren schnell genommen, an den Toren, kam es aber zu heftiger Gegenwehr der französischen Soldaten. Das Steintor konnte trotz Gewehrfeuer geöffnet werden und die Truppen Bülows drangen nun, die Franzosen verfolgend, bis zum Markt vor. Hier hielten die Franzosen das Rathaus und einen Kirchturm besetzt. Eine weitere Gruppe preußischer Soldaten besetzte die Schieferbrücke, um einen möglichen Rückzugsweg abzuschneiden.
Capitain von Monsterberg gelang es nicht, das Kirchtor zu nehmen. Er umging es mit seinen Truppen und gelangte mithilfe der Bürger ungehindert über die Saalearme in der Nähe der Moritzburg in die Stadt. Das Ulrichstor, durch das die Franzosen noch zurück in die Stadt geflüchtet waren und es dann verrammelten hatten, wurde aufgesprengt. Der Angriff vor dem Galgtor begann mit Geschützfeuer. Ein Aufklärungstrupp der preußischen Armee hatte herausgefunden, dass das Galgtor am schlechtesten gesichert sei. Es war offen, aber davor war ein Bataillon mit vier Kanonen zur Verteidigung positioniert. Der Batterie des Major Uttenhoven, die erst seit Januar 1813 bestand, gelang es, mit Unterstützung des Oberstleutnant Treskow, in das Tor einzudringen, die Franzosen zurückzudrängen und ihnen drei Kanonen und eine Haubitze abzunehmen. Durch das Galgtor rückten nun weitere Truppenteile ein. Diese verteilten sich über die Stadt, wobei es zu teilweise heftigen Straßen- und auch Häuserkämpfen kam.
Gegen 9 Uhr (einige Chronisten meinen 10 Uhr) war der Kampf beendet. Die Preußen konnten 12 französische Offiziere und 400 Mann gefangen nehmen. Sie selbst verloren 8 verwundete Offiziere sowie 225 Tote und Verwundete.
Halle war wieder in preußischer Hand. Die Franzosen zogen sich in Richtung Holleben/ Bad Lauchstädt zurück.

Dieses Gefecht wird heute meist nur am Rande erwähnt, weil am gleichen Tag die Schlacht von Großgörschen (bei Lützen) stattfand, die erste Schlacht der Befreiungskriege 1813-1815. In ihr konnte Napoleon einen Sieg erringen.

Die Freude in der Stadt währte jedoch nur kurz. Die Verbündeten zogen sich in den nächsten Tagen in Richtung Berlin zurück, Halle wurde wieder Teil des Königreichs Westphalen. Am 15.Mai wurde der westphälische Adler wieder an der Post angehängt.

Eine Legende besagt, dass am so genannten Franzosenstein (archäologisches Denkmal) am Franzosensteinweg in Trotha am 2.Mai 1813 ein französischer General gefallen sei. Darüber konnte ich keinerlei Aufzeichnungen in den sehr akribisch geführten Berichten der Chronisten und Augenzeugen finden.Es bleibt also eine Sage ...

Die Erinnerung an das Gefecht vom 2.Mai hielt ursprünglich der Denkstein im heutigen Stadtpark lebendig. Er erfuhr jedoch im Laufe der Jahre grundlegende Erneuerungen – und dabei wurde auch die Inschrift verändert. Heute bietet er einen traurigen Anblick (siehe Fotos).

Siehe auch: MZ vom 27.04.2013 „Die vergessene Schlacht“

Fortsetzung folgt

Fotos: M.Drobny

Manfred Drobny
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Luftfahrt- und Technik- Museumspark aus Merseburg | 02.05.2013 | 07:03   Melden
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 02.05.2013 | 07:59   Melden
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Jürgen Schindler aus Dessau-Roßlau | 02.05.2013 | 13:35   Melden
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Brunhild Schmalfuß aus Halle (Saale) | 02.05.2013 | 14:11   Melden
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