Halle im Jahr der Völkerschlacht (Teil V)

Das Riesenhaus am Großen Berlin im Jahre 2006 (Foto: Tobias Schibun)
Halle (Saale): Großer Berlin | Juni und Juli 1813 –

König Jerome und Kaiser Napoleon in Halle

Nach den Kämpfen in und um Halle am 2.Mai 1813 , bei denen die preußisch-russischen Truppen einen Sieg erzielen konnten, hatten alle gehofft, dass die Besetzung der Stadt durch die Verbündeten für längere Zeit Sicherheit bringen würde. Auf Grund der prekären Lage mussten die Truppen Bülows Halle am bereits am 4.Mai wieder verlassen und die westphälische Stadtregierung sowie der Stadtkommandant mit seinen Gendarmen zogen wieder ein. Am 15.Mai wurde der westphälische Adler an der Post wieder angehängt.
Außerdem beschlossen die Kriegsparteien einen Waffenstillstand, der vom 4.Juni bis 20.Juli bzw. 10.August gelten sollte.
Ihn bezeichnete Napoleon später als den größten Fehler seines Lebens.
In diesen Wochen weilte der Landesvater des Königreiches Westphalen, Jérôme Napoléon, mehrmals in Halle. Am 21.Juni 1813 erschien er mit seiner Leibgarde gegen 17 Uhr und residierte in Meckels Haus (Riesenhaus). Er war äußerst unzufrieden, als er die Behörden der Stadt empfing- setzte seine Reise nach zwei Stunden in Richtung Dresden zu Napoléon aber schon fort. Seine Leibgarde blieb in Halle. Am 2.Juli kam er zurück. Gegen 19 Uhr veranstaltete er eine Musterung seiner Truppen auf dem Marktplatz. Außerdem besichtigte er die Saline und beschenkte die Halloren mit 100 Talern. Am nächsten Tag reiste er nach Kassel ab.
Bereits am 19.10.1806 hatte Napoléon als Sieger die Stadt betreten und ebenfalls in Meckels Haus gewohnt. Das Riesenhaus (Foto von 2006), das so viele wichtige Persönlichkeiten in der Geschichte beherbergt hat, bietet heute keinen schönen Anblick. Die Riesen rechts und links des Eingangs sind durch Gerüste verstellt…und das schon seit Monaten. Die Erläuterungstafel ist kaum zu sehen - und außerdem sehr unvollständig.
Am 13.Juli erschien Napoléon 23 Uhr wieder –diesmal jedoch vor dem Galgtor (Leipziger Tor). Er ließ dort die Pferde am Zollhaus wechseln und empfing die Behörden der Stadt und Universität, ohne dass er sich in die Stadt hinein begab. Er drohte der Stadt. Mit der Begründung, Bürger hätten auf französische Soldaten geschossen , verlangte er die Bestrafung (Auslieferung bzw. Erschießung) dieser Bürger sowie eine Zahlung von 4 Millionen Franken innerhalb von 4 Wochen- Sollte der Zeitraum nicht eingehalten werden, verkündete er eine Einquartierung von 15000 Mann- und er werde die Stadt „an allen 4 Ecken anstecken lassen“.
Einen Tag später schrieb der Maire (Bürgermeister) Streiber dazu einen Brief an Jérôme Napoléon. Er äußerte darin sein Entsetzen über die angedrohten Maßnahmen und betonte,dass er keinen Bürger kenne, der die Hand gegen die Franzosen erhoben habe oder Mitglied einer geheimen Verbindung sei.…Dieser gewagte Brief, der die Bürger der Stadt Hallevon aller Schuld frei sprach, endete mit den Zeilen Streibers: „ ich bürgen mit allem, was ich habe, und selbst mit meinen Leben“.
Die weiteren Wochen vergingen, ohne dass etwas Außergewöhnliches geschah. Allerdings ließ der König die Universität am 19.Juli zum wiederholten Male schließen. Es herrschte ein ständiger Durchzug von Soldaten. Im August endete der Waffenstillstand, der am 4.Juni zwischen den Kriegsparteien ausgehandelt worden war, und die Kämpfe begannen von Neuem. Napoléon blieb keine Zeit mehr, Halle zu bestrafen. Die Völkerschlacht rückte immer näher…und damit auch eine immer größere Ungewissheit der Bevölkerung über den weiteren Fortgang der Ereignisse.

Fortsetzung folgt.

Manfred Drobny
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