Halle vor 200 Jahren

Generalfeldmarschall Blücher auf einer Werbemarke von 1913
 
Der Herzog von Wellington auf einer Werbemarke von 1913
Halle (Saale): Marktplatz | Das Jahr 1815 (Teil 1)
von
Manfred Drobny

Zahlreiche Veröffentlichungen befassten sich 2013 mit den Ereignissen um die Völkerschlacht bei Leipzig und die Nachwirkungen bis in das folgende Jahr.
Es darf jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass auch im Jahre 1815 die militärischen Aktivitäten gegen Napoleon das Leben in der Stadt stark beeinflussten.
Da die Verbündeten am 31.März 1814 in Paris einmarschiert waren, hatten viele ein Ende des Krieges erwartet. Die Nachricht war zwar erst am 9.April 1814 in der Stadt eingetroffen, aber sie löste natürlich allgemeine Freude aus. Napoleon musste am 6.4.1814 abdanken und wurde auf die Insel Elba verbannt. Auf dem Wiener Kongress trafen sich ab 18.September 1814 die Herrscher Europas, um über die Zeit nach Napoleon zu diskutieren und ihre Einflusssphären gegeneinander abzustecken. Keiner von ihnen konnte ahnen, dass es Napoleon am 26.Februar 1815 gelingen würde, Elba zu verlassen und am 1.März 1815 in der Bucht von Jouan zwischen Antibes und Cannes in Südfrankreich vor Anker zu gehen, um dann mit einer schnell wachsenden Armee in Eilmärschen auf Paris zu marschieren.


Während ab April 1814 zahlreiche Truppen auf dem Rückweg von Frankreich nach Preußen oder auch Russland in Halle Station machten, waren es laut Rundes Chronik im Januar 1815 noch 10498 Mann, die in Halle und den Vorstädten einquartiert werden mussten. Für den Februar 1815 waren 9329 und den März 18189 Mann eingetragen. Ab April verzeichnen die Chroniken wieder verstärkte Einquartierungen, zumeist für einen Tag, danach begann in der Regel der Weitermarsch.
So werden unter dem 1.April 1815 genannt 3 Bataillone des Elb-Landwehr-Regiments sowie unter dem 7.April 1815 die 2.Escadron des Elb-Husaren-Regiments.
Die 1.Elb-Landwehr überquerte schließlich am 23.April den Rhein bei Koblenz, gelangte in das heutige Belgien und stieß bei Namur- Lüttich zu Blücher. Als Bestandteil der preußischen Armee nahm sie an der Schlacht bei Waterloo teil.

Des Weiteren wurden einquartiert:
1. April das Herzoglich Anhaltische Füsilier-Bataillon
18. April das 2.Schlesische Husaren-Regiment
27. April freiwillige Jäger
5. Mai das 1.Ostpreußische Infanterie-Regiment
6. Mai das 2.Ostpreußische Infanterie-Regiment
10. Mai ein Bataillon vom 9.Schlesischen Landwehr-Infanterie-Regiment etc.


Gemessen an den Zahlen der Vorjahre sind diese jedoch gering. Während im Jahre 1813 in den ersten drei Monaten 50 000 Männer versorgt werden mussten, waren es 1814 von Januar bis März dreimal so viele: 153 765. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass bereits im dritten Jahr in Folge alle diese Soldaten mit Essen und Trinken versorgt werden mussten bzw. ihnen eine –ihrem Dienstgrad angemessene- Unterkunft zustand. Für die Stadt und ihre Bürger eine riesige Belastung. Dass sie diese nun gern trugen, da es sich um eigene Truppen handelte, kann man annehmen.

Der preußische König erließ am 26.Februar 1815 ein Gesetz, dass das Tragen von westphälischen Orden und Ehrenzeichen untersagte. Dem Schieferdeckermeister Hennecke, der das Denkmal für die Leipziger Schlacht am Stadtgottesacker (heute Stadtpark) entworfen hatte, ließ er Ende März 1815 eine goldene Medaille als Zeichen des Dankes überreichen.

Die Entwicklungen im März 1815 blieben nicht ohne Folge. Am 13.03. erklärten die verbündeten Regierungen Napoleon „zum Feind der Menschheit“, wiesen alle seine Friedensangebote zurück und bereiteten einen Militärschlag vor.

Vor allem im April verzeichnen die Chronisten zahlreiche die Kämpfer unterstützende Aktionen. So wurde am 18.April 1815 ein Frauenverein „zur Unterstützung der in Felde stehenden Krieger“ gegründet. Ein weiterer Verein, der Geld für „hülfsbedürftige Freiwillige“ sammelte, konnte mit den bis November 1815 gesammelten 667 Talern immerhin 4 Jäger vollständig und 43 teilweise ausrüsten.

Der Erlös von Konzerten im Schauspielhaus wurde ebenfalls für die Soldaten im Felde gespendet. Die Stadt Halle erließ außerdem am 28.April 1815 eine zweimonatliche Grundsteuer sowie eine viermonatliche Personalsteuer, um die Ausgaben für die der Armee zu stellenden Pferde abzusichern.

Vom 18.-22.Mai mussten sich alle Männer im Alter von 20-40 Jahre im Ratskeller einer Untersuchung auf Wehrdiensttauglichkeit unterziehen. Dies geschah nach dem am 3.September 1814 erlassenen „Gesetz über die Verpflichtung zum Kriegsdienste“. Jedoch soll es offensichtlich keine Einberufungen mehr gegeben haben.

Vor allem auf den Schultern des 72jährigen Generalfeldmarschalls Gebhard Leberecht von Blücher, der am 11.Oktober 1813 unter dem Jubel der Hallenser auf dem Marktplatz die zur Völkerschlacht abrückenden Truppen verabschiedet hatte, und des Herzogs von Wellington lastete nun die Vorbereitung und Durchführung des alles entscheidenden Kriegszuges gegen Napoleon. Dieser ging mit der Schlacht am 18. Juni 1815 bei Waterloo für die verbündeten Armeen siegreich aus. Am 23.Juni 1815 überbrachte eine Husarenordonanz vom Militärgouvernement Merseburg die Nachricht vom Sieg der verbündeten Armeen über Napoleon. Daraufhin herrschte in Halle große Freude. Die Stadt war am Abend hell erleuchtet, Bürger und Studenten waren auf den Straßen und Plätzen unterwegs und brachten dem preußischen König ein Lebehoch auf.

Fortsetzung folgt
Manfred Drobny


Fotos: Blücher und Wellington auf Werbemarken aus dem Jahre 1913
Privatarchiv: M.Drobny 2015
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3 Kommentare
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Dietmar Eißner aus Wittenberg | 05.03.2015 | 18:35   Melden
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Brunhild Schmalfuß aus Halle (Saale) | 05.03.2015 | 19:11   Melden
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 06.03.2015 | 08:40   Melden
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