Halle vor 200 Jahren - Das Jahr 1815 (Teil 2 )

Reklamemarke von 1913 - Schlacht bei Waterloo
 
Blick über den Brühmann-Brunnen auf das Haus Domplatz 1 in Halle (Saale)
Halle (Saale): Domplatz 1 | Der Monat Juli des Jahres 1815 war geprägt von Dankpredigten und -festen in den Kirchen der Stadt anlässlich des Sieges der Verbündeten über Napoleon, so unter anderem am 9.Juli und auch 30.Juli 1815.
Am 9.Juli 1815 versammelte sich außerdem die Bürgergarde der Stadt, würdigte in Reden den Sieg über Napoleon. Am Abend wurde die Stadt hell beleuchtet.

Auf dem Wiener Kongress, dessen Bedeutung hier nur oberflächlich dargestellt werden kann, hatten die Sieger über eine Neugliederung Europas verhandelt. In der am 9.Juni 1815 von ihnen unterzeichneten „Wiener Congress Acte“ wurde in 121 Artikeln genau festgelegt, wie man sich die neue Ordnung vorstellte. Vertreter aus Österreich, Frankreich, Großbritannien, Portugal, Preußen, Russland und Schweden unterzeichneten diese Akte und dokumentierten damit ihren Willen zum gemeinsamen Handeln im Sinne einer Restauration der gesellschaftlichen Verhältnisse und gegenseitiger Unterstützung zum weiteren Ausbau der Machtstrukturen. Auch der preußische Staatskanzler Fürst Karl August von Hardenberg war einer der Unterzeichner der Wiener Akte; er weilte am 5.Juli 1815 in Halle und wurde, so die Chronisten, von der Bevölkerung begeistert empfangen.
Wichtige Festlegungen des Wiener Kongresses betrafen Gebietsveränderungen und Grenzziehungen, so kamen Kärnten, Tirol, Triest, Galizien, Krain, sowie die Lombardei mit Venetien an Österreich - Russland erhielt das Großherzogtum Warschau (der Zar war damit gleichzeitig König von Polen). Das Königreich der Vereinigten Niederlande wurde neu gebildet.
In der Akte ist auch festgehalten, dass das Königreich Sachsen zwei Drittel seines Territoriums an Preußen abtreten musste (was etwa 50 Prozent der Bevölkerung ausmachte).
Im Königreich Preußen kam es in Folge zum Aufbau einer neuen Verwaltungsstruktur -verbunden mit der Gründung der Provinz Sachsen.
Damit veränderte sich die Lage der Saalestadt, die bisher an der Grenze zum Königreich Sachsen (Zollrain - Halle Neustadt) gelegen hatte und nun in die Mitte der Provinz rückte. Das war gleichzeitig eine Chance für Halle, durch den Ausbau von Straßen und Wasserwegen eine Belebung des Handels und damit auch einen wirtschaftlichen Aufschwung der in den Kriegsjahren stark gebeutelten Stadt zu erreichen.
Am 22.Juli 1815 , so schreibt der Chronist Runde in „Rundes Chronik der Stadt Halle 1750-1835“, wurde bekannt gemacht, dass Halle von nun an nicht mehr unter Halberstadt (im Königreich Westfalen gehörte der District Halle zum Departement der Saale, Präfektur: Halberstadt), sondern dem Gouvernement von Merseburg steht.
Gegliedert war diese preußische Provinz in drei Regierungsbezirke (Magdeburg, Merseburg, Erfurt), die Hauptstadt der Provinz wurde Magdeburg- sehr zur Enttäuschung der Hallenser Bürger.
Auch die Verteilung weiterer Behörden stieß auf Unverständnis in der Universitätsstadt Halle. Die Behörden der Regierungsbezirke und das Oberlandesgericht (OLG) kamen nach Merseburg und Naumburg.
Allerdings wurde wenigstens das „Königlich Preußische Oberbergamt des Bergbezirkes Sachsen“ in Halle angesiedelt. Es blieb bis 1884 im Gebäude Domplatz 1. Dieses aus dem 15 Jahrhundert stammende Gebäude beherbergte ursprünglich die erzbischöfliche Kammer sowie die Kanzlei des Erzstifts (siehe Foto).
Der Stadtkreis Halle -unter dem Oberbürgermeister bzw. Landrat und Stadtkreisdirektor Ludwig Carl Heinrich Streiber (1767-1828)- wurde um die Amtsstädte Glaucha und Neumarkt, die Dörfer Giebichenstein, Passendorf, Angersdorf, Diemitz, Böllberg und Wörmlitz erweitert.
Am Geburtstag des preußischen Königs, Friedrich Wilhelm III. am 3.August
fanden in Halle vielfältige Ehrungen statt: Es gab Gebete zu Ehren des Königs, eine Versammlung an der Universität sowie Treffen der Gewerke an den 1814 von ihnen errichteten Denksteinen zu Ehren der in den Befreiungskriegen gefallenen Soldaten .
Die Huldigung für den König fand am 25.September 1815 in Magdeburg statt. An ihr nahmen aus Halle Vertreter der Städte Halle, Neumarkt und Glaucha sowie der Universität, der Geistlichkeit und der Salzwirkerbrüderschaft teil.
Den Jahrestag der Völkerschlacht , den 18.Oktober 1815, leiteten die Hallenser mit Gebeten in den Kirchen ein, denen sich Kanonendonner von sechs zwölfpfündigen Kanonen, die man auf den Damm hinter den Stadtmühlen aufgestellt hatte, anschloss. Allerlei Festivitäten und Empfänge beendeten diesen Tag der Erinnerung an die Völkerschlacht vor zwei Jahren.
Überhaupt war auch während des gesamten Jahres 1815 Militär in der Stadt. Einquartierungen waren normal- jetzt vor allem durch die aus Frankreich zurück flutenden Truppen. Preußische, aber auch russische Regimenter bevölkerten die Straßen. Am 9.Dezember traf u.a. das 1.Elb-Landwehr-Regiment in Halle ein. Dieses Regiment war in den Schlachten bei Ligny (16.Juni 1815) sowie Waterloo und Namur (17./18./20.Juni 1815) eingesetzt, hatte hohe Verluste erlitten. Im November 1815 wurden die Soldaten zurück nach Deutschland geschickt. Sie gelangten über den Rhein (bei Koblenz), über Hessen, Erfurt, Halle nach Magdeburg und erreichten am 19.Dezember schließlich Stendal, wo die Aufstellung 1814 erfolgt war. Am 24.Dezember 1815 gaben die Soldaten des 4.Elb-Landwehr-Infanterie-Regiments ihre Waffen ab, wurden entlassen und konnten am darauffolgenden Tag in ihre Heimat zurück kehren. Die Demobilisierung war in vollem Gange …
Insgesamt gab es rund 165.000 Einquartierungen im Laufe des Jahres. Die meisten in den Monaten November (29.154) und Dezember (33.441) 1815.
Die Rede ist auch von 291 französischen Kriegsgefangenen, die in Halle untergebracht waren und versorgt wurden.

Die Bürger der Stadt hatten in den letzten 9 Jahren viel ertragen müssen: Der Wechsel vom Königreich Preußen zum von Napoleon geprägten Königreich Westfalen und schließlich wieder zum Königreich Preußen- immer verbunden mit Kampfhandlungen auch in und um Halle (siehe auch das Buch: „Halle im Jahre 1813-Stadt zwischen Hoffen und Bangen“), Plünderungen, Einquartierungen unterschiedlichster Truppen. Das wirtschaftliche Leben der Stadt lag brach, finanziell waren die Stadt und zahlreiche Einrichtungen in ihr durch die Kriegseinwirkungen hoch verschuldet.
Nun kam es darauf an, die neuen Möglichkeiten zu nutzen und eine positive, vorwärts gerichtete Entwicklung der Stadt Halle voranzutreiben.

Ob und wie dies geschah, soll weiteren Ausfügen in die Vergangenheit der Stadt Halle vorbehalten bleiben.



Manfred Drobny
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Heiko Scharf aus Bernburg (Saale) | 13.07.2015 | 19:02   Melden
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