Halle vor 200 Jahren - Der 18.Januar 1816 in Halle

Das 1814 vom Zimmergewerk errichtete Denkmal für die Helden von 1813- seit 1942 auf dem Gertraudenfriedhof
 
Detailansicht des Denkmals
Halle (Saale): Marktplatz | Seit 2013 habe ich mehrfach über die Geschehnisse in Halle vor 200 Jahren berichtet. Im Mittelpunkt standen dabei vor allem die Kämpfe im Stadtgebiet, die Stationierungen und Durchzüge der verschiedensten Truppen, die Leiden der Bevölkerung, die unzähligen Toten … Das Jahr 1816 bildet dabei eine Zäsur. Die „Stadt zwischen Hoffen und Bangen“ kam endlich zur Ruhe… Zum ersten Mal konnten die Bürger ein Fest des Friedens feiern - vorher hatte man einfach keine Zeit zum Feiern…
Überall im Internet finden sich Hinweise zu den Friedensfeiern in Preußen am 18.Januar 1816. Festgelegt worden war dieser Festtag nach dem Zweiten Frieden mit Frankreich, den am 20.November 1815 der preußische König Friedrich Wilhelm III., Kaiser Franz Josef von Österreich und Zar Alexander I. von Russland unterzeichneten.
Mehrere Chronisten, so u.a. Christian Gottlieb August Runde („Rundes Chronik der Stadt Halle 1750-1835“), Johann Karl Bullmann („Denkwürdige Zeitperioden der Universität zu Halle von ihrer Stiftung an“,1833) und Dr. S. Baron v. Schultze-Gallera („Topographie oder Häuser-und Strassen-Geschichte der Stadt Halle a.d.Saale“, 1920-1923), berichten ausführlich über die Ereignisse in Halle (Saale). Bereits am Vorabend hatte es feierliches Glockengeläut in der Stadt gegeben, die Häuser waren erleuchtet und am Rathaus „erblickte man einfach das Wort Friede“, schreibt der Chronist Runde.
Nach dem Glockengeläut am Morgen des 18.Januar erschallte Musik von den Hausmannstürmen und dem Balkon des Rathauses. Gegen 9 Uhr erschienen auf dem Marktplatz das ansässige Militär sowie die Bürgergarde. Man bildete einen Kreis, in deren Mitte der Domprediger Ludwig Gottfried Blanc eine Rede hielt. Nach dem Gebet gaben 10 Kanonen aus dem Schießgraben (heute: Hansering) heraus eine dreifache Salve ab. Um 10 Uhr fand man sich zum Gebet in den Kirchen ein, so auch traditionell die Salzwirker-Bruderschaft in der Moritzkirche. Die Angehörigen der Universität versammelten sich anschließend im großen Hörsaal der Ratswaage, wo der Hofrat Schütz (Professor Eloquentiae - Professor für Rhetorik) in lateinischer Sprache über die mit dem Frieden verbundenen Hoffnungen sprach. Überall in der Stadt wurden zu Mittag festliche Mahlzeiten abgehalten.
Um 18 Uhr fand im Waisenhaus eine religiöse Feier statt, um 20 Uhr veranstalteten die Studenten einen Fackelumzug. Fröhliche Gesellschaften bildeten den Abschluss dieses Tages.
Am 19.Januar 1816 versammelte sich die „Classe der dienenten Mädchen“ (der Dienstmädchen) in Reils Badeanstalt im Fürstental und zog dann, „weiß gekleidet mit grünen Kränzen paar-weiß“ zur Unterkunft des Kommandanten des 4. Elb-Landwehr-Regiments, wo sich die Mannschaften schon versammelt hatten. Der Prozessionszug führte zur Marktkirche. Dort angekommen, setzten die Mädchen die mitgeführte Büste des preußischen Königs auf den Altar, bekränzten diese und nahmen am Gottesdienst teil. Der Tag ging mit einem Ball, den der General Carl Adolph von Carlowitz mit einem der Mädchen eröffnete, im Ratskeller des Rathauses zu Neumarkt zu Ende. Angeblich sollen aber noch am 21.Januar 1816 Soldaten hier das Friedensfest gefeiert haben.
Auch in Berlin, dort verbunden mit einem Krönungs-und Ordensfest, wurde mehrere Tage gefeiert. Hierbei erhielt Professor Johann Gebhard Maaß, Leiter der Lazarette in der Saalestadt von 1813-1815, für seine Verdienste das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen.
Im Laufe des Jahres 1816 erinnerte man sich in der Saalestadt noch mehrfach an die Ereignisse während der Befreiungskriege. So versammelte sich das hallesche Zimmergewerk am 3.August 1816, dem 46.Geburtstag des Königs, am Denkmal für die Opfer der Völkerschlacht (siehe Fotos), das sich damals noch auf der Lehmbreite (Königsplatz, heute Georg-Schumann-Platz) befand.

Manfred Drobny
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Zeitung | Erschienen am 18.01.2016
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