In Halle gab es über fünfzehn Meilensteine

Ganzmeilenobelisk in Halle-Ammendorf (Chaussee Berlin-Halle-Zeitz)
 
Ganzmeilenobelisk in Grube Ferdinande (Chaussee Magdeburg-Halle-Leipzig)
Halle (Saale): Merseburger Straße | Bis in die 1870er Jahre hat man in Deutschland die Entfernungen in Meilen angegeben. In unserer Gegend entsprach ihre Länge 7,532 Kilometern, da Halle seit 1680 Teil von Brandenburg-Preußen war. Entlang der wichtigsten Fernstraßen, auch Staatschausseen genannt, stellte man zur besseren Orientierung, aber auch zur Erleichterung der Gelderhebung im Viertelmeilenabstand unterschiedlich geformte Steine auf, die anzeigen sollten, welche Strecke man zurückgelegt bzw. noch vor sich hat. Diese Steine nennt man Meilensteine. Die meisten Menschen kennen dieses Wort heute nur noch im übertragenen Sinn.

Die Chaussee von Magdeburg nach Leipzig, nach der in Halle heute noch die Magdeburger Chaussee im Norden und die Magdeburger Straße im Zentrum sowie die Leipziger Chaussee im Südosten benannt sind, wurde im Jahr 1800 fertiggestellt und gilt als erste preußische Chaussee überhaupt, da sie im Jahr 1788 begonnen wurde. Da nur wenige Jahre später die französische Zeit begann, folgten die weiteren Chausseen im Raum Halle erst in den 1820er Jahre und führten zum einen von Berlin nach Kassel, zum anderen Richtung Süden. Von ihnen stammen die Straßennamen Berliner Straße, Eislebener Straße und Merseburger Straße, wohingegen die Berliner Chaussee und die Eislebener Chaussee jeweils einen späteren Trassenverlauf bezeichnen.

Nachweis über historische Karten

An diesen drei Staatschausseen gab es nachweislich durchgängig Meilensteine, wie Kartenfunde mittlerweile belegt haben, erhalten sind in Halle selbst aber nur noch zwei. Das ist zum einen der Ganzmeilenobelisk in Ammendorf, zum anderen der Halbmeilenstein, der im Innenhof der Moritzburg gerettet wurde. Beide gehören zur Merseburger Chaussee. Was mit den Steinen der anderen beiden Chausseen passiert ist, kann nur spekuliert werden. Auffällig ist zumindest, dass die Steine zwischen Landsberg und Langenbogen komplett fehlen. Offenbar hat man hier die Steine bereits nach der Umstellung der Längenangabe auf Kilometer gezielt abgebaut, um sie dann neu aufzustellen, denn auf einer Karte aus dem Jahr 1905 finden wir rund um Halle Kilometersteine eingetragen.

Diese Kilometersteine sind auch entlang der anderen Straßen verzeichnet, an denen zuvor wohl nie Meilensteine standen. Es gab in Halle im 19. Jahrhundert etliche Chausseen, da die Stadt an der Grenze zur Kursachsen sowie an einem wichtigen Saaleübergang von zentraler Bedeutung war und nach der Eingliederung der sächsischen Nachbargebiete zu deren Erschließung beitrug. So gab es eine Lauchstädter Chaussee und eine Delitzscher Chaussee, die wie die Merseburger Chaussee in Gebiete führten, die bis zum Jahr 1815 zu Kursachsen gehörten. Auch die Dessauer Straße, die Salzmünder Straße und die Teutschenthaler Landstraße sind als Chausseen im 19. Jahrhundert entstanden. Für diese sind aber ebenfalls keine Meilensteine nachweisbar.

Verschiedene Formen

Ganzmeilenobelisken wie der in Ammendorf befanden sich in der Berliner Straße nahe dem Steintor sowie am Friedhof in Granau. Glockenförmige Halb- und Viertelmeilensteine gab es in der Merseburger Straße, im heutigen Halle-Neustadt und wohl auch entlang der Berliner Straße. An der alten Chaussee Magdeburg-Leipzig sahen die Meilensteine anders aus, waren Würfel und Obelisken. Sie standen in Trotha, wo ein Viertelmeilenwürfel im Jahr 1999 versehentlich zerstört wurde, am Reileck, wo es einen Ganzmeilenobelisk gab, der wohl aussah wie der in Grube Ferdinande (Saalekreis) und dann weiter gen Südosten in der Magdeburger und Leipziger Straße. Dort, zunächst außerhalb des heutigen Stadtgebietes, nämlich exakt zwölf Meilen von Magdeburg entfernt, später in Bruckdorf, gab es den Karten des 19. Jahrhunderts nach einen fünften Ganzmeilenobelisken.

Sicher nachgewiesen sind mittlerweile siebzehn Standorte, ein achtzehnter wäre an der Klausbrücke zu vermuten, hier ist aber Vorsicht geboten, da laut der „Forschungsgruppe Meilensteine“ in der Altstadt mehrfach anstelle eines Steines eine Hausmarkierung gewählt wurde. Ein weiterer Ganzmeilenstein wäre aber theoretisch auch in Trotha anzunehmen, da in einer Meile an der Straße nach Köthen Entfernung ein Meilenstein bei Frößnitz steht.
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6 Kommentare
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Manfred Wittenberg aus Nebra (Unstrut) | 30.01.2018 | 06:33   Melden
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Siegfried Behrens aus Halberstadt | 30.01.2018 | 09:01   Melden
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Manfred Drobny aus Halle (Saale) | 31.01.2018 | 07:31   Melden
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marlit rendelmann aus Halle (Saale) | 31.01.2018 | 12:01   Melden
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Martin Beitz aus Teutschenthal | 03.02.2018 | 10:36   Melden
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 17.02.2018 | 19:46   Melden
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