It’s raining day – ein etwas "wässriges" Hoffest

Eine Gruppe macht sich zum Orientierungsritt fertig
 
Die Uhr läuft
Halle (Saale): Reiterhof Schurig | "It’s raining day" plärrt es aus den Boxen und das Wetter tut sein Übriges und schickt Regenschauer in Massen über den Reiterhof Schurig. Heiko der Disjockey sitzt etwas allein im Offenstall, gut regengeschützt aber fast ungehört, weil die Zuschauer irgendwie abhandengekommen sind. Kein Wunder bei der Nässe, die an und für sich ein Segen für die Natur ist, doch der Reiterhof Chef Christian Schurig ärgert sich: „Den ganzen September bis gestern brennt einem die Sonne das letzte Wasser aus dem Leib und jetzt schüttet es ausgerechnet am Hoffesttag.“, und ist schon wieder auf dem Weg, denn irgendjemand ruft immer nach ihm.
Trotz grauer Wolken beginnt das Hoffest wie angekündigt Punkt 8:00 Uhr mit dem Start der ersten Gruppe zum 19km Orientierungsritt. Moni dirigiert die ersten drei Pferde zum Startpunkt, guckt auf ihre überdimensionierte Uhr und gibt das Startzeichen. Irgendwo steht der Fotograf des Hofes und macht ein Foto, was er respektlos Fahndungsfoto nennt, falls die Reiter sich verirren.
So geht es im 10 Minuten Takt weiter bis alle 9 Gruppen gestartet sind. Die Reiter unken über das Wetter und bezeichnen sich hart im Nehmen. Die Pferde sind teilweise aufgeregt und wollen einfach nur laufen. Von Missmut keine Spur. Indes wird der Regen stärker und schon schwinden die Hoffnungen alle Programmpunkte zu erfüllen. Die Wege füllen sich mit Wasser, der Sandplatz wird zur großen Pfütze, es ist zum Heulen. Und trotzdem trotzen eine ganze Menge Kinder und ihre Eltern dem Wetter, wollen sie sie sich zu mindestens in den Wettbewerben messen, die in der Reithalle stattfinden können. Ein bisschen Traurigkeit macht sich breit, als Steffi, eine der Helferinnen des Hoffestes den Ausfall des einstudierten Theaterstückes bekanntgeben muss. Auch Quinta-X-Essentia muss sein Spiel um Erasmus und einer Wette absagen. Doch schon ist die Idee des Nachholens geboren und Sandy, die Freundin des Reiterhofchefes, die einen Tag vorher noch mit ihrer Tochter die vielen Geschenke für die Platzierten mühsam einpackte, macht sich stark für eine Wiederholung und viele Reiterhofbesucher stimmen zu. Schon ist der 22.10.2016 anvisiert. Der Regen regnet zwar weiter, aber die Veranstalter, Kinder und Zuschauer machen ihm eine lange Nase, während Heiko das Equipment der Musikanlage wieder einpacken muss. Das macht ihn momentan zwar feucht, aber noch lange nicht lustlos. „Es gibt ein nächstes Mal“, sagt er grinsend.

In der Reiterhalle beteiligen sich die Unermüdlichen an den Wettbewerben der Kinderstaffelspiele und der Führzügelspiele. Der Führzügelwettbewerb wurde von dem Hörgeräte Studio Czmok und dem M&M Steinmetzbetrieb gesponsert. Für so manches Kind hat sich eine Fangruppe gebildet. Der besagte Fotograf ist erstaunt, dass ein Kind sogar drei Opas und Omas hat, bis einer sich als Vater des Kindes outet. Das bedeutet dann geordneten Rückzug des Fotografen und ein herzliches Gelächter. Jedes Kind erhält anschließend bei der Siegerehrung eine Urkunde und ein kleines Geschenk, Süßigkeiten, Reitgerte, Handschuhe, Hufkratzer oder Bürste, die die Jury bestehend aus dem Reiterhof Chef Christian, Claudia und Steffi vergibt. Ein paar Tränen gibt es doch noch, was aber nicht am Regen liegt, hat doch ein Kind die Siegerehrung verpasst. Doch die Streicheleinheiten der Jury, die Urkunde und das Geschenk trocknen schnell alle Tränen, als das Kind gefunden wurde. Daran könnte sich das Wetter ein Beispiel nehmen.
Trotz Abbruch einiger Wettbewerbe steht aber noch ein Grill und der Bierwagen herum. Christian überlegt nur kurz, blickt auf die Berge von Fleisch und Brötchen und beschließt - wir grillen. Die Wolken haben endlich ein Einsehen und drehen die Hähne langsam aber sicher ab, während der Bierhahn langsam aber sicher aufgedreht wird. So finden dann doch noch Gespräche statt und man sieht auch den Fotografen des Reiterhofes Bilder mit einer Teilnehmerin austauschen.
So ist ein ins Wasser gefallenes Fest doch noch für viele Pferdefans ein schöner Tag geworden. Der harte Kern überwindet jedes Wetter, wie jemand scherzhaft meint. Die Zögerlichen und Meckernden blieben wohlweißlich zu Hause, lässt es sich doch im Trockenen hervorragend lamentieren.
So leuchten die Lampen des Bierwagens noch um halb zehn und Christian G., Angestellter des Pferdehofes, sitzt rittlings auf der Theke und ist mit seinem Bierglas rundum zufrieden. „Morgen früh um 8:00 Uhr, hab ich meine nächste Schicht.“, verkündet er vergnügt.
It’s rainy day, von wegen, it’s friendly day, wenn man weiß wie es geht.
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Zeitung | Erschienen am 26.09.2016
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 18.09.2016 | 20:00   Melden
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