Kochen in alter Zeit

Ramona von Quedlinburg zeigt ihr Rezept
 
Die Hallische Bemme
„Man muss dem Körper Gutes tun, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.“, sprach Winston Churchill und man sah es seinem Leibesumfang wohl an. Essen hat die Menschheit beschäftigt seit Adam seiner Eva den Apfel gab. Dieses Rezept war aber mit bekannten oder fatalen Folgen, sagen wir mal diskussionswürdig. Nun haben wir zwar das Paradies nicht mehr, aber können es uns schaffen, auch wenn dies Paradies einen anderen Namen hat und schlichtweg Küche heißt. Heutzutage zu mindestens. Nun kann man(n) respektive Frau alleine kochen oder zu zweit. Zu zweit heißt sich zu unterhalten, abzuschmecken oder über das andere Geschlecht genüsslich herzuziehen. Das taten schon unsere Vorfahren und die Zubereitung von Essen war ein Festtag oft an sich und auch eine Form des trauten Zusammenseins, denn es tat, wie oben erwähnt, der Seele gut.

So sind im Laufe der Jahrhunderte viele Rezepte entstanden und ebenso viele verschwunden, da sich mit der Menschheit auch die Esskultur und besonders der Geschmack veränderte. Während im 11. Jahrhundert der Bauer mit seinem Hirsebrei und den frisch gesammelten Kräutern doch recht satt wurde, ist es für den normalen Gegenwartsmenschen eher wohl eine Art ungenießbarer Pamps, mit dem man mit einigen gutem Willen vielleicht ein paar Steine der Kräuterspirale zusammenhalten könnte. Dennoch gibt es in der Mittelalterszene sogenannte Reenactment- Leute, die diese Zeit akribisch nachvollziehen wollen und selbst solcherart Essen etwas abgewinnen können. Sei es drum. Oder besser sei es drum nicht, so denken die Leute der Mittelaltergruppe „Quinta-X-Essentia“ des Hallischen Hansevereins und versuchen alten Rezepten aus dem Mittelalter oder auch der späteren Kartoffelzeit einen tieferen Sinn zu geben und nachzukochen. Natürlich in Gewandung und einem sagen wir mal Flair vergangener Zeiten. So nahmen sich dann die Frauen und Mannen der Theatergruppe ein Büchlein vor mit dem schönen Namen „Wie man im alten Halle kochte“, recherchiert und geschrieben von Karin Schubert, und legten mit viel Elan und noch mehr Spaß los, vielmehr sie kochten los. In Halle wusste man in früheren Zeiten auch aus den Restern ein gutes und schmackhaftes Essen zu kochen. Zugegeben nach heutigen Ansichten wohl ein bisschen außerhalb jeder Diät, aber sooft konnten die Leute damals nicht schlemmen und wenn es dann mal soweit war, schlugen sie richtig zu. Wer wollte es ihnen verdenken?!


So gibt es auf YouTube des Hallischen Hansevereins auch die mittelalterliche Hallische Bemme zu sehen; ein einfaches aber sattmachendes Rezept, das aus Schwarzbrot, Schmalz, „durchem“ Käse (dem heutigen Harzer Käse ähnlich) und Pflaumenmus besteht und nach mehreren Versuchen und Probestücken mit der Zeit immer leckerer wird. Aber auch Kartoffelgerichte aus alter Zeit stehen durchaus auf dem Plan, auch wenn sie mit dem Mittelalter nur wenig gemein haben, da die Kartoffel ja erst im 18. Jahrhundert nach Deutschland kam. In diesem Fall sei Dank der kulinarischen Vielfalt der Rezepte diese Schummelei verziehen, nehmen doch die Quintaner weder das Mittelalter, noch sich selbst bierernst. Womit wir beim Bier wären.

Das mag Erasmus, der Salzhändler des Hallischen Hansevereins und Protagonist der Theateraufführungen beim Hanse- und Salzfest und sagt in den Kochvideos sogar noch ein Gedicht über die Frauen und das Kochen auf. So hat der Hanseverein schon sechs Rezepte verfilmt und arbeitet an weiteren. Mit Abstand das am meisten angeklickte Rezept ist der Hallische Puff. Hier gingen wohl bestimmte Assoziationen mit manchem Zuschauer durch, der Pikantes oder Verruchtes erwartete. Doch der Hallische Puff, hat nichts mit dem alten mittelalterlichen Puff aus Halle, dem „Tittenklapp“, zu tun, sondern in diesem Fall stand das Wort Puff eher für Durcheinander. Ein Schelm wer Übles dabei denkt.

Zugegeben Kochen in alter Zeit heißt auch für die Geschmacksknospen sich etwas umzustellen, da die Speisen oft sehr kräuterlastig sind und man schon vorsichtig umgehen muss mit Thymian und Co. Das ist oft ein anderes, wenn nicht auch irritierendes Geschmackserlebnis, aber es lohnt sich allemal über den Tellerrand zu schauen und den kulinarischen Blick in alte Zeiten schweifen zu lassen. Denn einfallsreich waren die Menschen schon immer, erst recht, wenn es ums Essen geht. Es fördert zu mindestens mehr die Kommunikation als eine bloße Bestellung über Lieferando und das Kochen der Rezepte dauert schon ein Weilchen. So brodeln Süppchen, Kräuter, Braten und vieles andere vergnüglich vor sich hin, während die Quintaner sich noch einen Spaß daraus machen, die Rezepte mit kleinen Geschichten zu garnieren. So weiß man gar nicht, ob die Gerichte oder gar die
Geschichten Mittel zum Zweck sind. Eine reine Kochsendung ist es wohl eher nicht.

Sei’s drum.
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