Lutherdenkmäler in Halle

Das Lutherdenkmal an der Marktkirche auf dem Marktplatz.
 
Wandbild in der Lutherstraße.
Halle (Saale): Marktplatz |

Das Jahr 2017 war mit dem 500. Reformationsjubiläum nicht nur der Höhepunkt der Lutherdekade, sondern das Kulturdenkmal des Jahres waren zudem "Historische Gedenkorte". Ein guter Anlass, einen Blick auf die Lutherdenkmäler von Halle zu werfen.

In Halle hat Martin Luther (1483-1546) sich selten länger aufgehalten. Grund dafür war nicht zuletzt die Tatsache, dass in Halle einer seiner wichtigsten Gegenspieler, der Kardinal Albrecht (1490-1545), Erzbischof von Magdeburg und Mainz, residierte. Dieser veränderte das Stadtbild nachhaltig zum Besseren hin, holte den Humanisten Ulrich von Hutten (1488-1523) und den Maler Matthias Grunewald (um 1480 bis um 1530) nach Halle, ließ aber auch den berüchtigten Ablassprediger Johann Tetzel (um 1460-1519) auf dem Martinsberg vor der Stadt sein Unwesen treiben und sammelte Reliquien in ungekannten Massen an.

So kam es, dass die Reformation erst nach dem Abgang Albrechts im Jahr 1541 voll zum Zuge kam, obwohl die Bevölkerung sich den Ideen bereits deutlich früher geöffnet hatte und daher entsprechende Gottesdienste außerhalb der Stadt besuchte. Es kann daher nicht verwundern, dass die Saalestadt auf halber Strecke zwischen den Lutherstädten Eisleben und Wittenberg besonders viele Lokalitäten aufweist, die mit Luther in Verbindung gebracht werden. Zum einen war er in ausuferndem Maße Namensgeber und so gibt es eine Lutherkirche und einen Lutherplatz, einen Lutherturm (der Wasserturm Süd) und eine Lutherstraße, den Lutherhof und den Lutherbogen, die Lutherschule und die Martin-Luther-Universität. Zum anderen wurden in Halle aber auch mindestens neun Lutherdenkmäler errichtet. Dazu kommen weitere Gedenkarten in Form von Gemälden und Bäumen.

Die frühen Denkmäler

Bereits im Jahr 1546 wurde ein Abdruck vom Leichnam Martin Luthers genommen, welcher sich bis heute als Luthermaske erhalten hat. Anlässlich der 180. Wiederkehr seines Geburtstages im Jahr 1663 wurde aus dieser ein Denkmal geschaffen, das Luther als Ganzkörperfigur am Tisch sitzend zeigte. Es bestand mehrere Jahrhunderte lang in der Marienbibliothek und wurde erst im 20. Jahrhundert beseitigt.

Das zweite Lutherdenkmal entstand im Jahr 1817, also zum 300. Jahrestag der Reformation. Es handelt sich hierbei um die Büste im Freylinghausensaal der Franckeschen Stiftungen. Sie wurde vom berühmten klassizistischen Bildhauer Johann Gottfried Schadow (1764–1850) geschaffen.

Das zentrale Lutherdenkmal

Diese Büste diente auch als Vorbild für die Lutherbüste in der Universitäts- und Landesbibliothek in der August-Bebel-Straße, die im Jahr 1868 entstand, vermutlich im Nachhall des 350. Jahrestages der Reformation. Bereits sechs Jahre zuvor war in der Ulrichskirche an der Leipziger Straße ein Lutherdenkmal von Theodor Kirchhoff eingeweiht worden, das ursprünglich vor der Kirche aufgestellt werden sollte. Es wurde leider in der Umbauphase der Kirche zur Konzerthalle im Jahr 1976 zerstört. Dieses Schicksal teilt es mit dem Lutherdenkmal in der Pauluskirche (1907; Hermann Möller), das 1972 vernichtet wurde.

Im Jahr 1883 entstand das offizielle Lutherdenkmal Halles an der Ostseite der Marktkirche nach Entwurf von Emil Schober im gotischen Stil. Es steht noch heute dort, wird aber im Gegensatz zu Händel und Roland eher wenig wahrgenommen, da es keine Ganzkörperdarstellung ist.

Die Weimarer Republik

Die Zeit von 1928 bis 1933 gilt eigentlich als Zeit des wirtschaftlichen und politischen Niederganges, doch bei den Lutherdenkmälern sorgte sie für einen erneuten Auftragsschub. Es entstand eine Statuette in der Marienbibliothek (1927; Lisa Simcik), eine Kopfabbildung am Lutherplatz (1928; Richard Horn), eine Büste in der Lutherkirche (1928/29; Wilhelm Groß) und schließlich die Büste im Treppenhaus des Hauptgebäudes der Martin-Luther-Universität (1930/31; Gerhard Marcks). Es sind dies durchaus anspruchsvolle Arbeiten, die sich von den Vorbildern Schadow (Lutherdenkmal Wittenberg) und Rietschel (Lutherdenkmal Worms) gelöst haben und sich teils auf den Mönch Martin Luther konzentrieren.

Weitere Luthergedenkstätten

Noch weniger bekannt als das eigentlich zentrale Denkmal sind die Lutherlinden. Eine solche gab es in Nietleben auf dem Platz der Einheit vor der Kirche, wo sich auch die Kriegerdenkmäler befanden. Erhalten ist die Lutherlinde in Giebichenstein, wo sie an der Mündung der Triftstraße und des Advokatenweges in die Großen Brunnenstraße steht.

Wichtiges Zeugnis für die Anwesenheit Luthers in Halle ist die Gedenktafel in der Schmeerstraße. Mit den Worten „Hier in der Herberge zum güldenen Schlösschen wohnte Dr. Martin Luther im Anfang August 1545.“ wird daran erinnert, dass nach der Abreise Albrechts Luther nach Halle kam und in der Marktkirche predigte.

Eine etwas andere Art des Umganges mit Luther findet sich schließlich seit dem Jahr 1998 in der Lutherstraße. Dort hat Burghard Aust ein Wandbild geschaffen, das wichtige Lebensstationen Luthers darstellt, ohne dabei die historische Gestalt zu überhöhen. Hier sieht man Luther im Mönchsgewand auf ein Fahrrad gelehnt vor einer Kulisse, die seine Lebensstationen zusammenzufassen scheint.
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1 Kommentar
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Siegfried Behrens aus Halberstadt | 14.01.2018 | 17:53   Melden
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