Mit der Kleinen Miss Sophie im Zoo

Frühstück
 
Guck mal die Beiden filmen! Wo denn?
Heute mache ich etwas Außergewöhnliches, etwas Supereinmaliges, etwas traumhaft Schönes – ich gehe in den Zoo, mit einer Neunjährigen. Was jetzt vielen Eltern ein Schulterzucken abnötigt, lässt mir ein wenig die Haare zu Berge stehen.

Die Neunjährige ist die Tochter einer Freundin. Mutti und Lebenspartner machen sich einen schönen Tag auf einer Pferdetagung und ich habe allen Mut zusammengenommen und passe auf das Kind auf. Das Kind nennt sich "Kleine Miss Sophie" und wir beide haben nicht nur einen Zoospaziergang anvisiert, sondern wollen einen Tierfaktenfilm machen. Denn die Kleine Miss Sophie will mal berühmt werden und getreu dem Motto ´Wer YouTube kennt, macht mit" drehen wir schon eine Weile kleine Filmchen mit lustigem Inhalt. Julien Bam und Co. lassen grüßen. Aber noch hält sich ihr Berühmtsein in Grenzen, auch wenn die Leute komisch gucken, als wir am Zooeingang die Kamera aufbauen und Sophie ihr Anfangsstatement probt - und das gleich dreimal. Zehn Stationen schreibt das Drehbuch vor, zehn Mal machen wir uns unter den Leuten zum Obst oder besser gesagt zum Tier, über das wir gerade einen Fakt drehen.

Den Löwenpart absolvieren wir ohne Publikum, während die Sache mit dem Pinguin schon etwas heikler ist. Es ist irritierend für die Leute, mich wie ein Pinguin watscheln zu sehen, während Sophie filmt. Die Blicke reichen von erstaunt über verwirrt bis mitleidsvoll. Etwas seltsamer kommt den Leuten mein Kampf mit einer Stoffschlange vor. Ich hoffe inständig, niemand ruft die Schnelle Medizinische Hilfe oder Schlimmeres an. Am Bienenhaus müssen wir Station machen. Sophie findet das Quizspiel faszinierend. Das kennt sie schon, waren wir doch schon einmal hier.

Nun ist Sophie nicht irgendein Mädchen, sondern sehr wissbegierig und voller Energie. Sie stellt schon mal Fragen, bei denen ich lange überlegen muss, um nicht ins Stottern zu kommen. Die Frage „Warum hast du keine Kinder?“ ist so eine Frage. Ich lasse mir nichts anmerken, sondern antworte sachlich richtig: „Manchmal klappt das nicht so, wie man sich das vorstellt.“ Sie kommentiert das mit; „Also bist du noch nicht reif dafür.“ Ich mache dicke Backen, überlege was sie damit meint und hoffe, dass es keine weitreichenden Diskussionen gibt. Das passiert Gott-sei-Dank nicht und wir finden schnell ein anderes Thema: Meine Kamera. Mit lachenden und weinenden Auge sehe ich zu, wie das teuere Ding mir aus der Hand genommen und das kleine Ding wie ein Profi die Gegend fotografiert. Ich habe Angst um meine Kamera und hoffe, dass ihre Mutter niemals rauskriegt, dass ich in diesem Moment ihre Tochter gedanklich vernachlässige.

Wir schleppen unsere Ausrüstung weiter von Standort zu Standort, das heißt ich schleppe, während Sophie vergnügt vor sich hinhopst.
Etwas außer Atem, das gilt allerdings nur für mich, kommen wir nach fünf abgedrehten Szenen in der Gaststätte an. Sie bestellt drauf los und hat ein paar Minuten später Eis, Schokoriegel, Cola und irgendwelche Tierkekse. Als Nichtelternteil habe ich die Ausgabeberechtigung für ungesundes Zeugs, um nicht in Ungnade zu fallen bei Miss Sophie.

Als Erstes macht sie sich über ihr Eis her, während ich mit meiner senfverschmierten Bockwurst kämpfe. Erstaunt bin ich, als sie nur die Schokolade abkaut und mir den Rest reicht. Und das, wo ich kein Eisesser bin. Sie drängte es mir förmlich auf. Kinder! Ich nehme mir vor, die ganze Sache zu ignorieren, was aber nicht geht. Sie hat sich das teuerste Eis ausgesucht und ich stopfe es mir mehr schlecht als recht rein. Eine Frau bedauert mich, als sie mein gequältes Gesicht sieht. Sophie grinst. Kinder sind grausam.
Endlich hat sie nicht mal die Hälfte von dem gegessen, was ich kaufen musste und packt den übriggebliebenen Rest in die Fototasche, woraufhin ich mich lautstark beschwere, dass ich ihren Mist nun auch noch tragen müsste. Damit sprach ich ihr Helferherz an. Sie will mit tragen helfen. Dabei verheddert sich die Kameratasche in den Stuhl. Ich zerre in sinnloser Weise daran und drohe den Stuhl mitzunehmen. Sophie hält fest und rasch reißt der Schulterriemen. Damit habe ich den Salat und die Kameratasche bleibt bei mir, da ich sie nicht mehr auf Sophies Größe einstellen kann. In der Tasche ist nun zusätzlich die Hälfte des Essens. Ich schleppe, Sophie hopst.

Am Aussichtsturm drehen wir die nächste Szene im Summloch. Sie will erst nicht, findet das albern. Mit all meiner pädagogischen Überzeugungskraft gebe ich ihr zu verstehen, dass ich dieses Verhalten doof finde. Meine kindgerechte Motivation spornt sie an und wir können den nächsten Fakt drehen. Danach treibt mich die Prinzessin, ihre Mutter nennt sie so, gleich mal den Aussichtsturm hoch. Der alte Mann versucht das sportlich zu nehmen. Meine heftigen Atemgeräusche sprechen allerdings eine andere Sprache. Gott sei Dank genießt sie die Aussicht und versucht, in der Ferne ihr Haus zu finden. Ich will ihr diese Unmöglichkeit ausreden, scheitere aber an kindlicher Fantasie. Also gut: Ich sehe das Haus dann auch und kann ein wenig verschnaufen.

Ganz zum Schluss klettert sie in der „Spinne“, einem Klettergerüst aus Seilen herum, was ich unbedingt filmen soll. Meine Kamerabatterie ist alle und ich muss den Fotoapparat nehmen. Als ob die zweimalige Dreherei noch nicht reicht, macht sie einen Wettkampf. Wer ist wohl schneller am Ziel: Ich über die Treppen oder der jungsche Hüpfer über das Seil der Kletterspinne. Sie hat Glück, hab ich doch ein Handicap, nämlich die Technik und ihr zuviel bestelltes Essen. Sie gewinnt also. Ich knurre etwas von „unfair“, was sie aber nicht weiter stört.

Die Rückfahrt ist lustig. Ich zähle lautstark Ampeln, lasse den Wagen schaukeln, wir fahren neben einem Radfahrer mit derselben Geschwindigkeit, lassen Autos hinter uns hupen und Sophie schlägt mir Frauen vor, mit denen ich womöglich ausgehen könnte. Sie hat einen schlechten Geschmack, finde ich und ignoriere das Gesehene. Wir sind bald zu Hause.

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6 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 11.04.2016 | 12:59   Melden
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Martina I. Müller aus Halle (Saale) | 11.04.2016 | 15:01   Melden
MZ - BürgerReporter aus Halle (Saale) | 11.04.2016 | 18:08   Melden
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 13.04.2016 | 11:01   Melden
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Dieter Gantz aus Querfurt | 16.04.2016 | 14:53   Melden
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Katrin Koch aus Friedersdorf | 16.04.2016 | 22:25   Melden
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