Neues am MZ-Tag der offenen Tür: Vom Bleistift zum Speicherchip

"Man muss miteinander reden!" (Zitat: H.Augustin)
Halle (Saale): MZ-Redaktion |

"Journalismus ist Literatur in Eile." Matthew Arnold (1822-1888)

Nur selten bekommen Berufszweige weniger in die Hand: 26 Buchstaben, ein paar Umlaute, einige Sonderzeichen und Ziffern, unendlich zu kombinieren. Daraus muss man erst einmal etwas machen! Und noch ein entscheidender Faktor sitzt den Journalisten immer im Nacken: die Zeit!

In meinem Kopf schwirren Bilder wie aus alten Filmen: Männer mit offensichtlich zu wenig Schlaf, die auf Pressekonferenzen an abgekauten Bleistiftstummeln nagen. Mit der Ellenbogenvariante beginnt der Run auf ein freies Telefon, um den Druck der Titelseite zu stoppen, gefolgt von der Suche nach einem Taxi. Schließlich fällt mein Blick in einen dunklen Raum, grau vom Nebelrauch unendlich vieler Zigaretten. Ein zerknitterter Regenmantel hängt über der Stuhllehne, während sein Besitzer damit beschäftigt ist, Informationen satzweise zu formulieren und auf einer altersschwachen Schreibmaschine im Zweifingersystem auf das Papier zu hacken.
Nur keine Angst! Diese Darstellung ist meilenweit von dem entfernt, was im Verlagshaus der MZ Realität ist.

Das digitale Zeitalter hat längst Einzug gehalten und wie Chefredakteur Hartmut Augustin bestätigte, wird man diesen Weg in nächster Zeit konsequent weitergehen. Online-Ausgaben, Apps und andere technische Raffinessen sollen junge Leser für die Zeitung begeistern. Das ist wichtig und richtig.
Irgendwann werden "Abo-Saurier" wie ich zu Exoten, die in aller Frühe auf das Klappern des Briefkastens lauschen, das Rascheln des Papiers als Morgenmusik empfinden und friedlich mit ihrem Gegenüber am Frühstückstisch das Blatt teilen - solange er nur die Sportseite will, versteht sich.

Journalismus heute ist schneller geworden als die Druckmaschinen und die Menschen, die sie füttern. Schreibtische brechen nicht mehr unter der Last unendlich vieler Fernschreiberausdrucke zusammen und Ordner sind fein säuberlich sortiert auf der klitzekleinen Fläche einer Speicherkarte.
So manchem Journalisten, der das Handwerk noch von der Pike auf gelernt hat, wird die Umstellung auf diese Entwicklung ebenso schwer fallen, wie anderen Arbeitnehmern in ihren Fachbereichen. Fakten werden noch an Ort und Stelle zu Nachrichten verarbeitet und per Tastenklick an die Redaktion übermittelt. Die altbewährte Ausrede "kein Netz" zu haben, funktioniert schon lange nicht mehr.

Zukünftig sollen lt. Augustin die Ressorts noch mehr miteinander reden, die Zusammenarbeit der Lokalredaktionen erhöht und Bewährtes wie z.B. thematische Beilagen online besser aufgearbeitet werden. Ich freue mich darauf.
Nur eines wird wohl bleiben und ich konnte mich bei meinem Rundgang treppauf-treppab selbst davon überzeugen. Journalisten müssen gut zu Fuss sein. Vielleicht kommt daher auch die Mär vom rasenden Reporter.
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3 Kommentare
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 07.09.2015 | 17:17   Melden
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SUSANNE MEIER aus Raguhn-Jeßnitz | 08.09.2015 | 01:56   Melden
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Jürgen Nickel aus Dessau-Roßlau | 09.09.2015 | 19:55   Melden
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