Nur Fliegen ist schöner...

Vorbereitung
 
Verladung der Gastanks
Nichts ist schöner als Fliegen. Das dachten sich auch sechs unterschiedliche Menschen an einem Ort in und um Halle, stiegen aus den Betten und zwei Stunden später in die Luft. Nicht mit einem Flugzeug, das kann schließlich jeder, sondern mit einem Ballon. Nun wollten sie den Engeln zwar nicht näherkommen, dazu durfte der Ballon nicht hoch genug fliegen (max. 750m), aber immerhin ihrer Heimat. Und da spielte der Wind an diesem schönen Sonntag geradezu prächtig mit, ging es doch von der Peißnitzinsel Richtung Osten geradewegs nach Beerendorf bei Delitzsch.

Doch vor der Kür kommt die Pflicht. Ballonfahrer Oliver Kumpert und sein Fahrer Thomas Körner trafen mit sicheren Handgriffen die Vorbereitungen dieses denkwürdigen Tages. Das war dieser Tag zu mindestens für die sechs Ballonfahrer, die gespannt der Dinge harrten, die in der frühen Morgenstunde kurz nach sechs auf der Peißnitzinsel, geschehen sollten. Innerhalb einer dreiviertel Stunde wurde die Technik am Korb „angeschraubt“ und befestigt und die 5000 qm große Ballonhülle (mehr als die Takelage der Gorch Fock) mittels ohrenbetäubenden Gebläse aufgepustet. Mit Lungenkraft wäre dies auch kaum gegangen oder hätte Menschengedenken gedauert. Soviel Zeit hatte Olli nicht - und die Ballonfahrer auch nicht die Geduld, wollten sie doch schnell in den Himmel. Und der war blau und wolkenlos. Ein Traumwetter, das meinte wohl auch das jung verheiratete Pärchen, das sich kurz vorm Abheben gegenseitig fotografierte.
Beeindruckend waren die Flammen des Brenners, die dem Ballon die heißen Gase und damit auch den Auftrieb gaben. Thomas blieb am Boden und dann im Wagen, mit dem er dem Ballon hinterherrauschte, schließlich konnte Ballonfahrer Olli viel, nur halt nicht lenken. Das übernahm das Wetter mit seinen Winden.
So ging die Reise in ca. 600m von der Peißnitzinsel in Richtung Halle über das Paulusviertel. Die Ballonfahrer wussten nicht, was beeindruckender war, vor der Pauluskirche zu stehen oder über sie zu fliegen, pardon fahren in der Ballonfahrersprache. Man entschieht sich situationsbedingt für den Eindruck aus der Höhe. Weiter ging es in Richtung Hufeisensee schnurstracks über Wiedemar zum Werbelliner See. So konnten die Ballonfahrer die großen Gleisanlagen von Halle, die zwischengestreuten Windparks und manch anderes Kleinod, wie die A9 aus der Luft bewundern, quasi aus der Vogelperspektive. Von dort sieht die Welt übersichtlicher und garantiert weiträumiger aus. Olli wusste zu jeder Zeit, wo man sich gerade befand, was kein Wunder war, war er doch schon sehr lange ein Herrscher der Lüfte, überwacht vom Flugverkehr. Ein besonderes Kuriosum "sinnvoller" Verkehrsplanung war der Verkehrskreisel auf der Grubenstraße Richtung Brodau, der einen Ein- und Ausgang hatte und sonst außer dem Kreisel nichts. Hier sollte wohl etwas entstehen, was noch in einer Schublade liegt. Wie dem auch sei, war das Ding eben noch für eine Ballonfahrerattraktion gut.
Kurz darauf war Beerendorf in Sicht und die Felder luden den Betrachter ein zum Schauen und Ballonkapitän Olli zum Landen. Mit 20km/h raste der Ballon auf das Feld zu, setzte kurz auf, sprang noch zwei-, dreimal wie ein Stein über besagtes Feld, bis der Korb zum Stehen und mit einem weiteren Ruck zum Liegen kam, mitsamt den Gästen, die das nicht tragisch nahmen, sondern mit einem Lächeln fast gleichzeitig auf den sicheren Boden krabbelten. Belohnt wurde die Reise mit einer anschließenden Taufe, einschließlich einer Urkunde und der frischgebackene Ballonadel durfte auch mit anpacken, um die riesige Ballonhülle zu verstauen. Mit vereinten Kräften und viel Hauruck gelang das fast spielend.
Schon eine Stunde später stiegen die zufriedenen Ballonfahrer wieder einmal, diesmal nicht auf, sondern ein, nämlich in ihre Autos. Unbestätigten Angaben zu Folge saßen einige von ihnen noch Stunden später am Computer, um das Erlebte aufzuschreiben und die Fotos zu betrachten. Nur Fliegen ist halt immer noch schöner.
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Zeitung | Erschienen am 27.08.2016
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 21.08.2016 | 19:16   Melden
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Siegfried Behrens aus Halberstadt | 22.08.2016 | 16:09   Melden
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