Produktives Lernen

Im Bereich Bildung gibt es im Moment einige Probleme. Das Größte ist die zunehmende Motivationslosigkeit der Schüler. Ihre Welt scheint nur aus Handys, Zocken und sozialen Netzwerken zu bestehen. Eine Wissensvermittlung wird zunehmend schwieriger, weil das zu vermittelnde Wissen in Frage gestellt wird oder auf den Prüfstand des noch jungen Lebens kommt mit der allgegenwärtigen Rhetorik „Wozu brauche ich das?“. Hinzu kommt noch, dass Eltern schwerer wiegen als Pädagogen und manche Pädagogen mit ihrem Berufsstand einfach überlastet sind. Auch die Herumklagerei wegen jedem bisschen ist nicht gerade förderlich, wenn auch finanziell attraktiv für manchen Anwalt. Das ganze geht zu Lasten der Schüler. Manche werden gemobbt, manche werden zu „Tode“ verhätschelt, manche haben tatsächlich Schwierigkeiten mit dem 45-Minuten Rhythmus in der Schule.

Bei Letzterem kann das Produktive Lernen helfen. Diese Lernform hat sich vom 45 Minuten Frontalunterricht gelöst und macht die Schlacht um die besten Schulbücher nicht mit. Die Idee steckt schon im Wort. Produktives Lernen verbindet praktische Arbeit an drei Tagen in der Woche mit einem besonderen Lernsystem an zwei Tagen in der Woche. Seit 2003 besteht dieses Projekt, was in der 8. Klasse beginnt und mit einem Hauptschulabschluss in der 9. Klasse endet. Das Konzept ist klar: Der Schüler soll da abgeholt werden, wo er gerade steht und kann mit anderen Lernmethoden wieder Anschluss finden. Selbstverständlich ist dabei auch sein Wille gefragt.
Ob Schulbummelanten, Mobbing Opfer, oder auch Lernunwillige, 80% aller Schüler und mehr des Produktiven Lernens haben einen Hauptschulabschluss geschafft, obwohl die Institution Schule und manchmal auch die Eltern sie schon aufgegeben hatten. Freilich ein paar ganz Störrische bleiben auch bei uns auf der Strecke.
Schulbücher gibt es nicht, weil eine umfangreiche Lernwerkstatt mit Laptops genutzt wird. Das auswendig lernen sollte Schauspielern überlassen werden, den Rest findet man in Büchern oder auch auf Wikipedia. Das machen wir Erwachsenen im richtigen Leben nicht anders.

Im Produktiven Lernen der Heinrich-Heine-Sekundarschule in Halle-Neustadt kann sich jeder anmelden, der schon ein paar Mal sitzen geblieben ist oder wo die Zukunft fraglich ist. Es wird ein umfassendes Aufnahmegespräch geführt und in den ersten sechs Wochen des neuen Schuljahres kann er/sie sich entscheiden, ob diese Lernform die Richtige ist. Erst dann erfolgt die reguläre Aufnahme ins Produktive Lernen.
Nach den sechs Wochen gehen die Schüler an drei Tagen in der Woche arbeiten. Wir haben einen Fundus von über 200 Praxisplätzen, aber setzen auch viel auf Eigeninitiative und trainieren, wie man sich vorstellt und vieles mehr.

An zwei Tagen in der Woche haben sie Mathematik, Deutsch, Englisch, Kommunikation, und einen Lernbereich, in dem die Naturwissenschaften Eingang finden. Die Schüler bekommen keine Punkte mit Ausnahme des Zeugnisses der neunten Klasse, wo nach einem Schlüssel Zensuren errechnet werden. Punkte haben den Vorteil, dass man sie nach einem schlechten Tag verbessern kann. Zwei Lehrer decken den gesamten Unterricht ab, was den Vorteil hat, dass Schüler sich nicht dauernd umstellen müssen, allerdings hat es auch einen Nachteil für die, die es gewohnt sind, Lehrer auszutricksen.

Eine Anmeldung erfolgt über die Internetseite der Schule.
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2 Kommentare
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Siegfried Behrens aus Halberstadt | 22.04.2016 | 18:10   Melden
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Jacqueline Koch aus Eisleben | 22.04.2016 | 22:02   Melden
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