Reunion im LivingLab in Halle-Neustadt

    Wir (das sind: Pieter De Cuyper, Maximiliane Ocker, Claudia Schmidt und Tim Weber) sind vier Architekturstudenten, die sich im Bachelorstudium in Karlsruhe kennengelernt haben. Da wir nun nicht mehr alle in Karlsruhe sind und uns immer seltener zu Gesicht bekommen, war das Living Lab genau das Richtige für uns; nämlich die Gelegenheit zu einer produktiven Reunion!
Im Folgenden ein paar Eindrücke:

Name Claudia Schmidt, Maximiliane Ocker, Pieter De Cuyper, Tim Weber
Alter 25, 26, 24, 25
Wohnort Kopenhagen, Karlsruhe, Wien, Wien
Beruf Student
Im Living Lab gewohnt von 9.2.17 bis 12.2.17

Warum bist du/sind Sie in das LivingLab gezogen?
Wir finden das Konzept, sich die Leute vor Ort zu holen, damit sie ein Gefühl für den Alltag in Halle Neustadt bekommen, richtig gut und sinnvoll und wollten es selbst ausprobieren. Wir waren alle vorher noch nie in Halle und sind immer neugierig, neue Orte kennenzulernen. Dass die Möglichkeit bestand, eine eigene Projektgruppe zusammenzustellen, fanden wir super.

Was hat Sie/Dich am meisten überrascht?
Der Südpark war gar nicht gefährlich!
Sowohl die Gebäude als auch die Flächen zwischen den Bauten sind an manchen stellen kaum greifbar und für den menschlichen Maßstab kaum zu begreifen. Es gibt starke Schwankungen bei den Verhältnissen zwischen Freiflächen zu Gebäuden, im Verlauf wird es, von der Rennbahnhaltestelle aus gesehen Richtung Westen, immer weitläufiger.
Wie verloren man sich doch in so einer durchstrukturierten Siedlung vorfinden kann. Verschiedene Gebäudestrukturen sind exakt gleich an anderen Stellen von Halle Neustadt wieder aufgetaucht, sodass die Orientierung anhand der Gebäude teilweise schwierig fällt.

Für wen ist Neustadt genau der richtige Ort zum Leben?
Darüber haben wir in der Gruppe viel diskutiert. In ihrem jetzigen Zustand ist die Neustadt wahrscheinlich attraktiv für Menschen, deren Arbeitsplatz in der Neustadt liegt oder die besonders günstigen Wohnraum suchen. Das Thema Barrierefreiheit ist zudem aufgekommen und sicher ein großes Potential.
Auf längere Sicht sehen wir Halle-Neustadt als ein Quartier das Möglichkeiten für Kreative, Familien oder auch Zuwanderer bietet. Gemeinsam können sie ein lebendiges Zusammenleben gestalten.
Momentan ist Neustadt sicher attraktiv für Menschen die sich vorwiegend mit dem Auto fortbewegen. Stellflächen sind ausreichend vorhanden und kostenlos. Hier liegt aber auch ein Problem für die Qualität des Außenraumes. Die vielen Fahrzeuge beanspruchen einen Großteil der Fläche für sich und lassen den Menschen weniger Freiraum. Zur Lösung dieses Problems könnten Parkhäuser errichtet werden. Sie sind relativ günstig herzustellen und könnten spannende Kontrastpunkte in dem Netz gleichartiger Plattenbauten bilden. Dass Parkhäuser keine monofunktionalen Standartbauten mit mehr oder weniger hübschen Fassadenverkleidungen sein müssen beweist das Projekt 1111 Lincoln Road in Miami vom schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron. http://www.archdaily.com/59266/1111-lincoln-road-h...

Was hat die Altstadt, was Neustadt nicht hat?
Freizeitangebote, Gastronomie, Geschäfte und Arbeitsplätze. Außerdem weniger Ordnung und dadurch mehr Charme. Verwinkelte, kleine Gassen, die in großen Plätzen münden und Gebäude mit Geschichte und Wiedererkennungswert.
Eine attraktive Erdgeschosszone die den öffentlichen Raum belebt. Eine Hohe Dichte und ein gutes öffentliches Verkehrsnetz. Große Freiflächen und Verkehrsfreundlichkeit. Das Potential sich städtebaulich weiter zu entwickeln. Einen historisch interessanten Baubestand, auch wenn er einige Probleme mit sich bringt. Eine Einzigartige Sammlung von Kunst im öffentlichen Raum aus der sozialistischen Vergangenheit Halles. Für uns war besonders die Kunst am Bau interessant, Vergleichbares habe zumindest ich bis dahin noch nicht gesehen.

Wie stellst du dir Neustadt in 30 Jahren vor?
Start-ups, dadurch mehr junge Familien, mehr Durchmischung, was die Bewohner betrifft. Natürlich gestaltete Grünflächen, die die Qualität des städtebaulichen Konzepts hervorbringen. Neustadt könnte Erholungsfläche für seine Bewohner aber genauso auch für Altstadt Bewohner bieten. Somit würde die Abgrenzung untereinander sinken und eine Abneigung Neustadt als Wohn- und Lebensmittelpunkt überwinden.
Architektonische Interventionen sollten nur an bestimmten Punkten in einem kleinem Maßstab unternommen werden, die aber eine große Wirkung zum Aussenraum und das soziale Umfeld haben.

Warum kommst du (nicht) wieder?
Manche von uns würden wiederkommen, wenn sie in Halle ein gutes Büro finden würden, also einen Arbeitsplatz und würden dann allerdings in der Altstadt wohnen.

Wie hast Du Deine Zeit im und außerhalb des LivingLabs verbracht?
Wir waren viel spazieren und haben meistens selbst gekocht. Zum Ausgehen ging es dann in die Altstadt.

Hast Du ab und zu die Gegend erkundet und wenn ja, gab es Wege, die Du immer wieder (gerne) gegangen bist?
Wir haben einen großen Teil der Neustadt zu Fuß erkundet und haben immer versucht, neue Wege zu laufen, damit wir in der kurzen Zeit, die wir hatten, so viele Eindrücke wie möglich sammeln können. Die einzigen Wege, die wir wiederholt gegangen sind, waren der zum Supermarkt und der zur Tramhaltestelle.
Der Park rund um den Bruchsee war eigentlich recht schön und zeigt Potential zu einem Hotspot zu werden wen er regelmäßig gepflegt wird.

Gab es ein Detail, oder eine Farbe, die Dir in der Umgebung besonders gefallen hat / oder aufgefallen ist? Wo war das?
Sehr viel Pastell. Da aber die meisten Bauten und ihre Farben doch meist eintönig sind, fallen die Farben oder besondere Formen besonders auf (bsp. Haus mit blauen Kacheln an den Fenstern, Gebäude mit gewellter Betondachkonstruktion). Es gab eine Platte, deren Balkone mit Holz verkleidet waren, die uns besonders positiv aufgefallen ist. Zwischen all dem Beton, Putz und den vielen verschiedenen Anstrichen ist ein natürliches Material wie Holz manchmal ganz erholsam.

Hast Du ein Gespräch mit Jemandem geführt, und wenn ja, worüber?
Mit dem Hausmeister eines der Hochhäuser in der Unstrutstraße. Wir haben über das Leben in der Neustadt geredet und ihn gefragt, ob er oft in der Altstadt ist. Er meinte, dass er gerne in der Neustadt wohnt, da er bequem seinen Arbeitsplatz erreichen kann und unter der Woche quasi nie in der Altstadt ist. Mit einer Frau an der Bushaltestelle die in Halle wohnt und aufgewachsen ist. Sie wohnt in der Altstadt und war recht überrascht das man Halle Neustadt wieder neu integrieren wollte, da sie das leben in der Altstadt schöner findet. Sie würde sich auf jeden Fall freuen über eine positive Weiterentwicklung von Halle Neustadt.

Welches Bild nimmst Du mit aus Neustadt? Wir freuen uns an dieser Stelle auch sehr über ein Foto oder eine Zeichnung!
Der Blick von einem der Hochhäuser runter auf die Neustadt. Die riesigen Platten an der Neustädter Passage und die Laubengänge dort. Die vielen Pastellfarben. Die vielen (leider noch ungenutzten) Grünflächen. Den Bruchsee und das Fliesengemälde.

Was dachtest Du, als Du zum ersten Mal das Wort Living Lab gehört hast?
Super coole Idee, sollte gängige Praxis bei Architekturwettbewerben sein!

Welches Detail ist Dir zuerst aufgefallen als Du in der Unstrutstraße angekommen bist?
Irgendwie ist vor allem die blaue Farbe hängen geblieben, sowie die zwei Hochhäuser, die eine Art Tor bilden.

Was war Deine erste Handlung hier vor Ort? Vielleicht auch einfach die erste, an die Du Dich erinnern möchtest?
Wir haben uns an den Esstisch gesetzt und uns lange unterhalten.
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