Tatort: Fußgängerüberweg

Halle (Saale): Frohe Zukunft |

Wenn der Straßenverkehr ungehalten ist


Wer kennt es nicht, das Gefühl, dass so manche Menschen, die hinter dem
Steuer sitzen, den Führerschein noch einmal machen sollten? Vermutlich erinnert sie das nun an ein Ereignis, das Ihnen kürzlich untergekommen ist. Der VW, der Ihnen die Vorfahrt genommen hat oder der BMW, der bei rot über die Kreuzung gebrettert ist. Jedes Mal saßen sie hinter dem Steuer und ärgerten sich.

Doch ich möchte einmal die Fahrradfahrer dieser Welt ansprechen. Denn auch sie sind fester Bestandteil des Straßenverkehrs. Leider werden wir aber oft übergangen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Jeden Morgen, wenn es hell wird und der Verkehr sehr dicht ist, stehe ich am Fußgängerüberweg an der Dessauer Straße und warte, dass ich nach drüben gehen kann. Drüben- wo die Endhaltestelle der Linie 1 Frohe Zukunft ist. Drüben- mein Ziel. Doch die zwanzig Meter, die mich noch von der Bahn trennen, erscheinen langwierig und schwer. Es hält kein Auto, lässt mich durch.
Dann, der fünfte Wagen hält an. Der Fahrer hinter der Windschutzscheibe sieht mich einfühlsam an, sein Blick zeigt mir, dass er mich versteht.

Er gehört zu der Sorte Autofahrer, die immer anhalten und sich vermutlich noch selbst über die Artgenossen aufregen, die dies nicht tun. Diese wären die zweite Gruppe, die, die über den Zebrastreifen rasen und in Richtung Stadt brettern. Die dritte Gruppe sind meist Menschen, die es eilig haben und die entweder erschrocken mitten auf dem Streifen stehen bleiben, da sie mich nicht bemerkt haben, oder noch entschuldigend die Hand zum Gruß heben.

Nicht selten war es nahezu gefährlich, weil ich schon auf der Mitte der Straße war und ein Auto schneller als erwartet angedüst kam. Meine Gedanken sind dann meist bei der Grundschule, die gegenüber steht, bei den Kindern, die täglich die Straße überqueren. Später, gegen sieben Uhr stehen die Verkehrshelfer am Überweg und lotsen die Fußgänger hin und her.
Bei ihnen hält jedes Auto sofort an.

Doch wenn sich jeder aufraffen würde, die paar Sekunden geduldig zu warten und während der Fahrt aufmerksam zu bleiben, würde es vielleicht nie brenzlig werden. In solchen Momenten sollten die Autofahrer nicht nur auf die Autofahrer achten, sondern auch auf die Fußgänger und Radfahrer, die am Ende immer die sind, die die Gefahr zu tragen haben.
0
 auf anderen WebseitenSendenMelden
2 Kommentare
Tilo Krippendorf aus Merseburg | 22.10.2012 | 14:28   Melden
26
Livia Rühr aus Halle (Saale) | 22.10.2012 | 19:50   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.