Tod eines Helden der Befreiungskriege

Haus Alter Markt 26 mit Kanonenkugel
 
Kanonenkugel mit Inschrift
Halle (Saale): Marktplatz | Vor 200 Jahren, am 25.Februar 1816, verstarb in Königsberg (Ostpreußen) General Friedrich Wilhelm Graf Bülow von Dennewitz.

Der General ist während der Befreiungskriege als Retter der Stadt Halle in die Geschichte eingegangen. Am 28.April 1813 hatten französische Truppen auf dem Gelände des heutigen Weinberg-Campus Kanonen gegen Halle gerichtet und mit einer Kanonade der von preußischen und russischen Soldaten verteidigten Saalestadt begonnen. Insgesamt schlugen etwa 176 Granaten in der Stadt ein, setzten einige Häuser in Brand. Alle Sturmangriffe der Franzosen schlugen jedoch fehl. In der Nacht zum 30. April erhielt der preußische General von Kleist den Befehl, die Saalestadt zu verlassen. Halle war damit schutzlos. Angstvoll erwarteten die Bürger der Stadt den nächsten Morgen, aber es gab keine Fortsetzung der Kanonade. Die Franzosen richteten nun ihren Hauptstoß gegen Merseburg und konnten die Stadt einnehmen. Am 30. April zogen dann französische Soldaten auch in Halle ein, ohne die Stadt zu plündern. Der französische General Lauriston hatte dies untersagt.

General Bülow stand Ende April 1813 in der Bernburger Gegend, als ein Hilfeersuchen an ihn einging. Bülow sollte Halle zurückerobern. Er begann daraufhin einen Gewaltmarsch und stand mit seinen Truppen in der Nacht vom 1. zum 2.Mai 1813 bei Zörbig, am 2.Mai gegen 5 Uhr bei der „Bergschenke“ zwischen Tornau und Seeben. Der Angriff, den er gegen 6 Uhr begann, richtete sich gegen zwei strategisch wichtige Punkte, das Kirchtor und das Steintor.

Es kam zu einem heftigen Kampf zwischen der französischen Besatzung und den in die Stadt drängenden preußischen und russischen Soldaten. Heftige Straßenkämpfe fanden um und auf dem Marktplatz statt. Um 10 Uhr war die Hohe Brücke gewonnen- damit die Schlacht um Halle für Bülow siegreich beendet.
Die Franzosen verloren ca. 700 Mann. Etwa 200 gefallene Soldaten wurden am Fuße der Franzosenmauer, am heutigen Franzosenweg, verscharrt. Die preußische Armee verlor 233 Mann.
Der General bezog nach seinem Sieg Quartier im Gasthof „Zum Kronprinz“ (Kleine Klausstraße 16-heute leerstehend, vorher Ärztehaus Mitte). Wegen der prekären Versorgungslage wurden die Kavallerie und reitende Artillerie in den Dörfern der Umgebung einquartiert.
Die Saalestadt war damit die erste Stadt, die die Preußen im Sturm genommen hatten, nachdem sie Napoleon den Krieg erklärten.

Bülow war am 16.02.1755 in Falkenberg (Altmark) geboren worden. Er begann eine militärische Karriere. Im bayrischen Erbfolgekrieg 1778/79 erhielt er seine Feuertaufe. Seine Laufbahn entwickelte sich weiter unter Blücher 1807/1808; er wurde 1812 stellvertretender General-Gouverneur von Ost-und Westpreußen. Als Generalleutnant und Chef des 3. Armeekorps zog er am 31.03.1813 in Berlin ein, wofür er das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhielt.

Außerdem sicherte er mit seinen Soldaten am 05.04.1813 den Sieg bei Möckern (bei Magdeburg) über die Franzosen. Nach der Schlacht bei Halle zog er weiter, siegte bei Dennewitz und Großbeeren über französische Truppen und nahm an der Völkerschlacht in Leipzig teil. Am 30.03.1814 drang er als erster in die französische Hauptstadt Paris ein. Am 18.Juni 1815 rettete er in der Schlacht bei Waterloo die Truppen Wellingtons vor der Niederlage.

Er wurde 1815 kommandierender General des I. Armee-Korps in Königsberg. Wenige Monate später, am 25. Februar 1816, verstarb er unerwartet an den Folgen einer Erkältung. Denkmale erinnern an ihn unter anderem in Berlin Unter den Linden sowie in Dennewitz (Brandenburg). In Dennewitz gibt es außerdem ein Wirtshaus mit dem Namen „Zum Grafen Bülow“. In Halle erinnert die auf dem Foto abgebildete Kanonenkugel mit der Inschrift am Haus Alter Markt 26 an die Kanonade von Halle. Denksteine zur Erinnerung an die Gefallenen der Völkerschlacht von Leipzig 1813 befinden sich auf der Würfelwiese, im Stadtpark sowie auf dem Gertraudenfriedhof. Einige Grabstätten in der Schlacht gefallener oder später in Lazaretten verstorbener Preußen und Russen existieren noch auf dem Stadtgottesacker in Halle (Saale).

Manfred Drobny
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