Tori - eine Reportage | Kapitel 2 - Tori's langsame Gewöhnung

Harte Kruste
 
Einweichen
Rückblende
Tori ist endlich in ihrem neuen Zuhause, auf dem Reiterhof Schurig, angekommen. Zeit die junge Dame erst mal genauer zu betrachten. Das was Sandy sieht, kennt sie zwar schon, lässt ihr aber immer noch die Haare zu Berge stehen. Das stattliche Tier hat gewaltig an Muskelmasse verloren. Überall an den Flanken, am Unterbauch kleben große Klumpen, ein Gemisch aus Kot und Schlamm, knochenhart. Am Sprunggelenk dicke, feste Panzer bis auf die Haut. Die Kruppe ist auch nur wenig Muskelmasse mit loser Haut, Tori lahmt auf der Vorderhand und hat eine Beckenschiefstellung. Alles an ihr wirkt zwar groß, aber irgendwie doch noch verkehrt. Sie und Christian wissen um die Arbeit und machen sich keine Illusionen. Um das Tier aufzupäppeln, braucht es Geduld, Zeit und Ausdauer.

3 Wochen später
Christian ist zuversichtlich: „Sie hat 100 kg mindestens zugenommen…“, „und frisst wie ein Scheunendrescher“, ergänzt Sandy lächelnd. Inzwischen hat sich die Lahmheit als Hufgeschwür herausgestellt und wurde von Christian herausgeschnitten. Das forderte viel Geduld, da Tori noch nicht in der Lage war, ihre Beine länger anzuheben. Der Lauf hat sich verbessert. Trotzdem hat sie noch Defizite. „Gott sei Dank ist sie noch im Wachstum.“, meint Christian.
Der Reitlehrer ist schon wieder bei seinen anderen Tieren, während sich Sandy liebevoll um Tori kümmert und das heißt ständig das Fell einweichen, den Schweif shampoonieren, damit sich die Dreckklumpen langsam aber sicher lösen. So haben die Vorderarme schon an Stattlichkeit gewonnen, die langen Haare an den Fesseln werden langsam wieder einem sauberen Weiß ähnlich. "Die Hüfte und das Hüftgelenk müssen aber noch mehr Muskelmasse bekommen.“, erzählt Sandy und weiß auch schon wie. „Ich werde mit ihr so oft wie möglich Spaziergänge machen auf geraden Strecken und den Weg kontinuierlich erweitern.“ Die heimische Lunze bietet dafür ideales Gelände, wo es auch mal hügelig werden kann. Für mehr Auskünfte hat die Besitzerin keine Zeit. Immer wieder geht sie auf das Tier ein und zeigt ihr erst mal den Wasserschlauch, die Spritzpistole und stellt sich so, dass Tori alles sehen kann, was hinter ihr geschieht, da sie etwas aufgeregt ist. Pferde haben ein erstaunliches Gesichtsfeld. Die einzigen Schattenzonen sind direkt hinter dem Pferd, die Sandy auch tunlichst vermeidet und unmittelbar vor dem Pferd, also zwischen den Augen, da diese seitlich am Kopf stehen. Nach fast einer Stunde haben Mensch und Tier von dem Prozedere des Einweichens die Schnauze im wahrsten Sinne des Wortes voll. Tori wird unruhig, schnaubt und versucht zunehmend auszuweichen. Ihre Beine zittern. Sandy weiß genau, nun ist es genug.
Sandy führt Tori noch auf den Sandreitplatz, um ein wenig spazieren zu gehen. Welche Beziehung hat das Pferd inzwischen zu ihr bekommen, wird sie gefragt. Sie überlegt kurz: „Sie weiß schon, dass ich es gut mit ihr meine, glaube ich, aber noch fehlt ihr das Vertrauen.“ Aber sie ist eine von den Pferdebesitzerinnen, die so ein Pferd nicht nur als Reitobjekt sehen, sondern sie möchte viel über diese Tiere erfahren und sich mit ihnen arrangieren. Dazu gehört viel Liebe, Wissen und lernen wie so ein Pferd „denkt“ und fühlt. Ihr Partner Christian sieht das nicht nur ebenso, sondern er denkt schon mit den Pferden und vielleicht sogar wie ein Pferd, aber das bleibt sein Geheimnis. Nur das Wiehern muss er noch ein wenig üben. Nichtsdestotrotz ist er zuversichtlich, hat er doch in seinem Leben schon Schlimmeres gesehen.

Sandy indes lässt Tori von der „Leine“ und das Pferd kullert sich vergnügt im Sand. Das wiederrum zaubert Sandy ein zuversichtliches Lächeln ins Gesicht. Pferd und Mensch finden langsam, aber sicher zueinander.
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