Von Europa nach Asien

Beeren sollen wir auch sammeln - genau diese!
 
Igor hat uns aufgemalt, welche Pilze wir suchen sollen. Finden wir genau diese, könnten wir viel Geld damit verdienen...;-)))
Igor ist ausgestiegen. Er wohnt in Kes - eine größere Stadt ohne richtigen Bahnhof. Der Zug hat einfach angehalten und Igor ist ausgestiegen. Kein Bahnsteig - nur Feld. Links und rechts. Ein kurzes "Doswidanjia" - dann war Igor weg.Er ist auch nicht ausgestiegen, sondern eher abgesprungen...

So langsam kehren die Erinnerungen an den gestrigen Abend zurück. Igor verdient sein Geld mit Autos, die er in Moskau und anderen großen Städten Russlands vertickert. Wie er an die Autos gelangt, bleibt sein Geheimnis. "Zapzarap", sagte er. Alles klar. Dafür, dass er sich Autos mit "Zapzarap" organisiert, sah er eigentlich ganz friedlich aus. Wir sollen am Baikalsee ganz bestimmte Pilze suchen, sagte er, damit könnten wir nebenbei viel Geld verdienen.Er hat uns aufgemalt, wie die Pilze aussehen, die wir sammeln sollen. Seinen Rat werden wir befolgen, dann sind wir in 14 Tagen bestimmt Millionäre.

Der Zug rollt weiter, immer weiter. Andre - unser Kellner - brachte uns eben frisch zubereitete Piroggen. Warm, mit Käse, Hack oder Kartoffeln gefüllt, sind sie einfach lecker. Den von uns angebotenen Wodka hat Andre abgelehnt. Ludmila - seine Chefin im Zug-Restaurant - würde ihm den Kopf waschen, wenn er Wodka trinken würde. Glücklich sah Andre nicht gerade aus. Er hätte bestimmt gerne unsere Offerte angenommen.

Unterdessen gab es Schichtwechsel bei unseren Schaffnerinnen. Julia übergab ihren Dienst an Swetlana, die noch etwas schlaftrunken aussieht und offenbar ein Morgenmuffel ist. Jedenfalls verzieht sie keine Miene, als sie uns den bestellten Kaffee brachte. Oder ist sie noch sauer auf mich, weil ich gestern abend mit Igor etwas laut "Kalinka" im Waggon gesungen habe? Dabei hat sie eigentlich jetzt einen ruhigen Dienst, denn Julia hat noch vor Dienstübergabe den gesamten Waggon gewischt (!!!!), die Fenster geputzt und alle Abteile gesaugt.

Ein 20minütiger Halt in Perm - einer Stadt, die mich an Halle-Neustadt erinnert - brachte nicht das gewünschte Einkaufserlebnis. Wir konnten nur unseren Biervorrat auffüllen. Kein Obst, kein Gemüse, keine Pelminis...;-((( Die Waggons wurden mit frischem Wasser befüllt, die Schläuche schlängelten sich über den gesamten Bahnsteig.

Mittlerweile hat Swetlana ihre Betriebstemperatur erreicht und lächelt wieder. Sie ist mir auch nicht wegen gestern Abend böse. Da hat sie schon ganz andere Sachen erlebt. Gottseidank! Im zugeigenen Bordradio dudelt gerade Alla Pugatschowa - wer kennt diese russische Schlagersängerin mit ihrem Hit "Harlekino" noch?

Für die Statistik: Wir haben bis jetzt 1.870 Kilometer geschafft. Es dauert also noch eine Weile, bis wir am Baikal sind...


Lesen Sie mit:

Russlands letzter Zar Nikolaus II. setzte 1891 den ersten Spatenstich für den Bau der Trasse der Transsibirischen Eisenbahn. 16 große Flüsse überquert die Transsib heute. MZ-Redakteur Bernd Martin wird nach Moskau fliegen und von dort mit der Bahn zum Baikalsee fahren. Hier schreibt er von unterwegs über seine Erlebnisse.

Teil 1: Wodka trinkende Russen und Miss Marple - Der Baikal ruft

Teil 2: Koffer packen

Teil 3: Ankunft in Moskau

Teil 4: Die Transsib rollt los

Teil 5: Unterwegs - mehr als Zähneputzen war nicht drin

Teil 7: Sibirien - Essen auf den Bahnsteigen

Teil 8: Der ganze Zug riecht nach Fisch

Teil 9: Verlorenes Zeitgefühl

Teil 10: Junges Glück in Irkutsk - jetzt wird geheiratet

Teil 11: Zehn Rubel voller Dankbarkeit

Teil 12: "Putin verzuckert uns"

Teil 13: Joggen am Baikal

Teil 14: Fahrer fällt betrunken aus dem Auto

Teil 15: Michael möchte Superstar werden

Teil 16: Quer über die Insel Olchon

Teil 17: Der Baikal hat uns voll im Griff

Teil 18: Vier Schweine, elf Kühe, zehn Schafe und dreißig Hühner

Teil 19: Sibirischer Stolz

Teil 20: Leben ohne Strom

Teil 21: Auf nach Ulan Ude

Teil 22: Teddybären auf Autodächern

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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mitteldeutsche Zeitung | Erschienen am 06.08.2014
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