Vor 110 Jahren – ein Schulneubau beginnt

Postkarte von 1908-Das Gebäude der Städtischen Oberrealschule zu Halle
 
Blick auf das 2012/2013 sanierte Schulgebäude der Reilschule in der Ernst-Schneller-Straße 1
Halle (Saale): Reilschule | Der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt und das damit verbundene Anwachsen der Einwohnerzahl machten die Gründung neuer Schulen in Halle am Ende des 19.Jahrhunderts unumgänglich. Die Bildung einer siebenklassigen lateinlosen Realschule in Halle war seit 1883 im Gespräch. Sie wurde am 12.April 1884 im Gebäude des Realgymnasiums mit der Sexta (2 Klassen) mit insgesamt 73 Schülern eröffnet.
Jahr für Jahr kamen Klassen hinzu. Im Jahre 1892 beschlossen die städtischen Behörden die Erweiterung zur Oberrealschule, was vom Königlichen Ministerium bestätigt wurde. In diesem Jahr waren es 449 Schüler (Sommersemester).
Aufgrund des weiteren Ausbaus der Schule in dem Gebäude des Realgymnasiums wurde deutlich, dass ein eigenständiges Gebäude benötigt werden würde.
In dem Buch „Das höhere Schulwesen in Preussen“, erschienen 1902, befindet sich folgender Hinweis auf einen geplanten Neubau:

„Ein Neubau auf dem sogenannten Pfarracker an Stelle des bisherigen Schulhauses Sophienstraße 37 ist in Vorbereitung und soll Ostern 1903 vollendet sein.“ (S.392)

Tatsächlich wurden im Juni 1901 dem Magistrat der Stadt Halle erste Vorschläge und Entwurfsskizzen einer Schule auf dem Geländes des
ehemaligen Giebichensteiner Pfarrackers zwischen Reilstraße, Adolf- und Richard-Wagner-Straße von dem damaligen Stadtbauinspektor Carl Rehorst (1866-1919) vorgelegt.
Nach langen Beratungen kam im Juni 1904 ein Beschluss über einen Vorentwurf zum Schulneubau zustande, der bei einer bebauten Grundfläche von 1474 qm mit einer Bausumme von 497 400 Mark veranschlagt wurde.
Heinrich Quambusch, seit 1900 als Architekt im Stadtbauamt tätig, wurde die örtliche Bauaufsicht übertragen.
Die Saalezeitung vom 8.Mai 1905 betont über die an diesem Tage geplante Stadtverordnetensitzung dazu, dass diese „eine der wichtigsten und bedeutsamsten des ganzen Jahres“ sei, weil die Stadtverordneten über den Hauptentwurf zum Neubau der Schule für insgesamt 808 Schüler (bei 21 Klassen) abstimmen müssten. In der Zeitung vom 20.Mai erschien dazu folgende Mitteilung:

„Mit dem Bau der neuen Schule auf dem Giebichensteiner Pfarracker an der Reilstraße wird anfangs Juni begonnen werden. Ausgeschrieben ist bereits die Lieferung eines Bauzaunes um das ganze Terrain, die Ausführung der Erdarbeiten zum, Fundament und die Lieferung der Bausteine….“

Die Erdarbeiten begannen tatsächlich am 22.Juni 1905, weitere
Fundierungsarbeiten am 6.Juli und Maurerarbeiten
am 13.September 1905. Dabei wurden die Fundamente bis zur Höhe des Kellerfußbodens aus Porphyr- Zementbeton hergestellt.
Zachariae und Quambusch schreiben in ihrer Festschrift (1908) zur Einweihung der Schule, dass bis zum Wintereinbruch 1905 der Sockel, der aus rheinischer Basaltlava ausgeführt ist, sowie ein Teil der Erdgeschossmauern fertig gestellt wurden. Daran erinnert auch die Inschrift rechts neben dem Haupteingang
im Sockelgeschoss in Höhe des ersten Kellerfensters:

15.XII.MCMV (15.12.1905)

Vom 19.12.1905 bis 12.02.1906 ruhte wegen des harten Winters die Arbeit.
Die Bauarbeiten zogen sich hin, immer wieder unterbrochen von strengen Wintern, Materialengpässen und Streiks der Beschäftigten. Erst am 25.April 1908 konnte der imposante Schulneubau feierlich seiner Bestimmung übergeben werden, er hatte über 700 000 Mark gekostet.
Das ist aber eine andere Geschichte.


Manfred Drobny
Mai 2015
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mittdeldeutsche Zeitung | Erschienen am 29.05.2015
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