Vor 150 Jahren – Halle und der Krieg von 1866 - Anmerkungen

Denkmal 1866 auf dem Nordfriedhof Halle
 
Obelisk in Trotha
 
Namensnennung auf dem Obelisk in Trotha
Halle (Saale): Marktplatz | Im Mai und Juni 1866 mehrten sich die Anzeichen für einen bevorstehenden Krieg zwischen Preußen und seinen Verbündeten sowie dem Deutschen Bund. Früher „preußisch-österreichischer Krieg“ genannt, wird er heute zumeist als „Deutscher Krieg“ bezeichnet, obwohl das auch nicht den Kern der Geschichte trifft. Preußen (mit seinen Verbündeten) stand dabei gegen den Deutschen Bund unter der Führung Österreichs. Beide Mächte rangen um die Vorherrschaft in Deutschland. Am 17.Juni erließen der österreichische Kaiser Franz Joseph, am Tag darauf König Wilhelm von Preußen die Kriegserklärungen. Am Donnerstag, 21.Juni 1866 erschien der Aufruf des preußischen Königs „An mein Volk!“ in der Zeitung „Hallisches Tageblatt“.
Obwohl Halle weit vom Kriegsschauplatz entfernt war, spielte die Stadt eine wichtige Rolle, zum Beispiel als Eisenbahnknotenpunkt. Die preußische Militärführung hatte die Bedeutung dieses Transportmittels erkannt, Truppen und Kriegsmaterial konnten so schnell von einem Landesteil in den anderen verlegt werden. So u.a. das Infanterie-Regiment 69 (7.Rheinisches), das am 28.Mai von Mainz nach Halle verlegt wurde -ebenso wie die drei Bataillone des Füsilier-Regiments „Fürst Karl-Anton von Hohenzollern“ (Hohenzollernsches) Nr.4 , die am 30.Mai von Trier aus über Köln nach Halle verlegt wurden. Sie rückten anschließend in Sachsen ein, überschritten die Grenze zu Böhmen und nahmen im Verband der Elbarmee an den folgenden Kämpfen teil.
Peter Wilhelm Molitor, ein rheinischer Landwehrmann, hat in einem Tagebuch die Stationen seiner Militärzeit festgehalten. Von Herbesthal wurde seine Einheit über Aachen, Köln, Mülheim, Bielefeld, Hannover, Wolfenbüttel und Magdeburg nach Halle gebracht.
Am 29.Mai 1866 traf er mit der Bahn in der Saalestadt ein. Seine Erlebnisse beschreibt er wie folgt:
„…und unter Begleitung der Musik wurde in die Stadt auf den Markt marschiert, woselbst die Truppen verteilt wurden. Ich kam bei einem Kastellan einer Gesellschaft ins Quartier mit Namen Meyer, Königsplatz No.36, ein sehr ordentlicher Mann, welcher mir auch später oft geschrieben hat. Da in Halle wurde des Morgens exerziert auf einer da befindlichen Heide, und des Nachmittags war Appell. Der Jakob kam bei einem armen Bahnwärter und hatte es dennoch sehr gut getroffen. Des Nachmittags wurde von uns beiden die Gelegenheit benutzt, das Halle zu durchschweifen. Da sind recht viele Merkwürdigkeiten, besonders ein kleiner Badeort namens Giebichenstein zeichnet sich vor allem aus. Und am Abend ging ich mit meinem Wirt die Wirtshäuser besuchen. Der Wirt wollte seinem Soldaten, wie er auch immer sagte, etwas zu Gute tun. Dort in Halle blieben wir bis Dienstag, den 5.Juni. Gegen 5 Uhr morgens marschierten wir ab und mußten das schöne Halle verlassen. Ja vielleicht, sagte ein Kamerad dem andern, haben wir den ganzen Feldzug nicht wieder so ein Leben wie in Halle.“
Der Abmarsch seiner Einheit erfolgte am 5.Juni in Richtung Sachsen. Er kam er u.a. durch Werbelin, Eilenburg, Dresden, Stolpen, auf die Lausche und nach Böhmen. Als Angehöriger der Elbarmee nahm er an der Schlacht bei dem Dorf Sadowa am 3.Juli 1866 teil. Dort standen sich über 400 000 Soldaten und 1300 Kanonen gegenüber. Sie ging auch als Schlacht von Königgrätz in die Geschichte ein und endete mit einem Sieg Preußens. Molitor überlebte den Krieg. Sein Tagebuch kann man im Internet nachlesen.
Im „Hallischen Tageblatt“ (HTB) wurde Anfang Juni 1866 bereits auf einen möglicherweise bevorstehenden Krieg aufmerksam gemacht und Maßnahmen zur Einberufung und auch Einquartierung bekannt gegeben.
Mancher Gastwirt nutzte die Gelegenheit und bot Essen zu ermäßigten Preisen an, so im Trödel Nr.18 /Martin. In einer Anzeige warb er: „Für die Herren Militairs lasse ich für meinen Mittagstisch ermässigte Preise eintreten.“
In der Zeitung vom 13.Juni 1866 wurden die Mitglieder des neu gegründeten „Frauen-und Jungfrauen-Verein zur Pflege im Felde verwundeter oder erkrankter Soldaten“ für den 13.Juni ,16 Uhr zu einer Besprechung in das Sitzungszimmer des Magistrats der Stadt Halle eingeladen. Wenige Tage später wurde ein Aufruf des Vereins um Spenden in der Zeitung abgedruckt. Dabei ging es vor allem um Geld, Bettzeug, Kleidungsstücke, Bandagen. Es wurde erwähnt, dass dem Verein, dessen Vorstand auch namentlich genannt wurde, bereits über 500 Mitglieder angehörten.
Am 20.Juni 1866 sandte die Leitung der Universität einen Huldigungsbrief an den preußischen König, den dieser am 26.Juni beantwortete.
Am 1.Juli 1866 erschien auf der Titelseite vom „Hallischen Tageblatt“ ein Aufruf des Oberbürgermeisters der Stadt Halle, von Voß, des Landrates des Saalekreises, von Krosigk sowie der Vereinigung „Das gemeinschaftliche Comité der Vereine zur freiwilligen Militärkrankenpflege für Halle und Umgegend“ zur Sammlung von Geld und Ersten-Hilfe-Materialien. Hierbei unterzeichneten Major von Rauchhaupt (Johanniterorden), Justizrat Glöckner (Frauen-und Jungfrauenverein) sowie Professor Dr. Vogel (Lokalverein für verwundete und kranke Krieger) . In der Folgezeit wurden Listen mit eingegangenen Spenden abgedruckt. Ebenso wurde für die Familien der eingezogenen Landwehrleute gesammelt.
Offensichtlich zogen viele Hallenser auf den Bahnhof, um bei den einfahrenden Zügen mit Verwundeten Nachrichten über ihre Väter oder Söhne zu erhalten. Daher wird im HTB vom 15.Juli durch den Oberbürgermeister dazu aufgerufen, „insbesondere seine Angehörigen, Dienstpersonale und Kinder ernstlich von dem Hinlaufen nach den Bahnhöfen bei Ankunft von Verwundeten-Transporten zurückzuhalten.“
In den Zeitungen vom 10.Juli bzw. 18.Juli erschienen Auszüge aus den Verlustlisten der preußischen Armee (bis 4.Juli). Dabei wurden folgende Soldaten aus Halle aufgeführt:
1. Unteroffizier Franz Otto Schlegel aus Halle, am 25.Juni getötet,
(4.Magdeburgisches Infanterie-Regiment Nr.67, 12. Compagnie),
2. Unteroffizier Bruno Keferstein aus Cröllwitz (Saalkreis), 26.Juni 1866, leicht
verwundet; im Feldlazarett zu Kikowai (3.Thüringisches Infanterie-Regiment
Nr.71, 7.Compagnie),
3. Husar Friedrich Heinrich Carl Thörmer aus Halle, 28.Juni 1866, vermisst
(Magdeburgisches Husarenregiment Nr.10, 1.Escadron),
4. Füsilier Andr. Louis Bandermann aus Halle, 28.6.1866 vermisst; (1.Garde-
Regiment z.F., 9. Compagnie),
5. Füsilier Gottfr. Friedr. Wilh. Christel aus Trotha (Saalkreis), Schuss ins linke
Auge (1.Garde-Regiment z.F.,12. Compagnie).
Insgesamt fielen 33 Soldaten aus Halle sowie 14 aus dem Saalkreis während der Kampfhandlungen 1866. Ihre Namen waren auf Schrifttafeln an der „Siegessäule“ eingraviert. Auf alten Ansichtskarten findet man noch das Kriegerdenkmal für die 1866 gefallenen Soldaten. Es war an der Alten Promenade in der Anlage zwischen Stadttheater und Hauptpost (am heutigen Joliot-Curie-Platz) im Jahre 1872 errichtet worden. Der Entwurf stammte von dem Berliner Oberbaurat und Architekten Friedrich Hitzig (1811-1881); auch der bekannte Bildhauer Fritz Schaper (1841-1919) arbeitete an mehreren Elementen dieses Denkmals mit. Im Jahre 1946 wurde es auf Beschluss des Magistrats der Stadt Halle abgerissen.
Andere Denkmale haben die Zeiten überdauert, mehr oder weniger gut erhalten. Sie sind Orte der Erinnerung und auch der Mahnung, sollten daher auch erhalten werden, denn sie dokumentieren die Vergangenheit, erinnern an längst vergessene Ereignisse, die über Jahre oder auch Jahrzehnte die Geschichte prägten – und manchmal vergessen wurden. Von Wilhelm von Humboldt stammt der treffende Satz: „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft!“
In Trotha wurde 1875 ein Obelisk aus rotem Sandstein aufgestellt. Er enthält für 1866 den Namen von Friedrich Wilhelm Christel. Drei weitere aufgeführte Namen erinnern an die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieg 1870/71.
Auf dem Felsen an der Saale in Kröllwitz steht ein Obelisk, 1896 errichtet, in der Gegenwart immer wieder beschmiert. Er nennt für 1866 Bruno Keferstein sowie drei weitere im Krieg 1870/71 gefallene Kröllwitzer.
Das Denkmal auf dem Nordfriedhof, das gerade wieder auf einem neuen Sockel aufgestellt wurde, bezieht sich auf 35 im Garnisons-Lazarett sowie der Universitätsklinik Halle verstorbene Soldaten. Es wurde im Jahre 1912 vom Verein des Infanterie Regiments Prinz Louis Ferdinand von Preußen sowie Bürgern der Stadt Halle gestiftet und aufgestellt.
An der Südwand im Dom zu Halle befindet sich eine mehrteilige Tafel. Sie erinnert an die 99 Gefallenen des Königlich Preußischen Magdeburgischen Füsilier-Regiments No.36, die in dem Gefecht bei Uettingen (Bayern) am 26.07.1866 ihr Leben lassen mussten.
Am 26.7.1866 wurde zwischen Preußen und Österreich ein Vorfriede (zu Nikolsburg) abgeschlossen, dem am 2.August ein Waffenstillstandsabkommen folgte. Kurz danach, am 23.August kam es zu einem Friedensvertrag (Frieden zu Prag), der gleichzeitig das Ende des Deutschen Bundes besiegelte.

Manfred Drobny
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