Vor 200 Jahren - Halle im Jahre 1814

Das Denkmal auf der Kleinen Wiese (Würfelwiese) 2014
 
Das Denkmal im Stadtpark 2014
Halle (Saale): Stadtpark Halle | Vor 200 Jahren – Halle im Jahre 1814

Das Jahr nach der Völkerschlacht

von Manfred Drobny

Die Berichterstattung über den Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren
ist sehr umfangreich. Dadurch ist etwas ins Hintertreffen geraten, dass vor 200 Jahren die Folgen der Völkerschlacht immer noch deutlich zu spüren waren.
An dieser Stelle soll daher auf einige Ereignisse des Jahres 1814 in Halle eingegangen werden. Sie sollen das im vergangenen Jahr von mir in mehreren Teilen in www.mz.buergerreporter.de dargestellte Geschehen des Jahres 1813 ergänzen.

Nach dem Sieg über Napoleon in der Völkerschlacht fand am 7.November 1813 in der Moritzkirche in Halle ein Dank- und Siegesfest statt. Auch Monate nach der Völkerschlacht waren die Auswirkungen des Krieges überall zu spüren.
Viele Hallenser zogen mit der preußischen Armee weiter, beteiligten sich an der Verfolgung der napoleonischen Truppen, bis am 31.März 1814 mit der Einnahme von Paris die Verbündeten einen Sieg davontragen konnten.
Am 26.Juli 1814 weilten die königlichen Garden auf dem Rückweg von Paris in Halle. Auch russische Truppen machten Halt, um auf dem Stadtgottesacker ihres in Halle verstorbenen Generals Newerowski zu gedenken. So mussten im Jahre 1814 insgesamt 343.082 Soldaten einquartiert werden.
Die Lazarette in Halle konnten zeitversetzt geschlossen werden, lediglich die Moritzburg blieb weiter belegt- aber immer noch starben im Jahre 1814
1825 Bürger an Typhus. Die Schulen wurden endlich wieder eröffnet, am 13. bzw. 25.April begann ein neues Schuljahr.

In den folgenden Monaten dachten Behörden und Bürger auch über die Errichtung von Gedenkstätten nach.
Diese sollten an umkämpften Orten entstehen und dort, wo die etwa 2500 in Halle verstorbenen Preußen, Russen, Schweden und Franzosen beigesetzt worden waren. So entstanden drei Erinnerungsstätten: Auf der Würfelwiese (Kleine Wiese), am Stadtgottesacker (heute: im Stadtpark) sowie
vor dem Galgtor (Königsplatz, heute G.- Schumann- Platz).
Am 3.August 1814, dem Geburtstag des preußischen Königs, weihten die Mitglieder des Maurergewerks auf der Kleinen Wiese neben den Soldatengräbern ein Denkmal aus Sandstein ein. Chronisten berichten: „Meister und Gesellen dieses Gewerks zogen, empfangen von der Bürgermiliz, unter dem Vortritt ihrer mit Blumen und Kränzen geschmückten, weiß gekleideten Töchter, und einem Bergsängerchor …nach der kleinen Wiese...“ Im Beisein zahlreicher Bürger und Offiziere hielt Superintendent Fulda die Einweihungsrede. Dabei betonte der Pfarrer: „…und dieses Denkmal…stehe fest…unverletzt von Wasserfluthen, und unangetastet von Frevlerhand; Jahrhunderte lang…“.
Der Denkstein war, wegen des zu erwartenden Saalehochwassers, mit einem Sockel versehen worden. Der Universitätsbildhauer Landmann sowie Gewerksobermeister Leclerc hatten ihn gestaltet. Das Denkmal unweit der Schleuse Gimritz ist den in der Völkerschlacht bei Leipzig am 18.und 19.Oktober 1813 verwundeten „und hier verstorbenen tapfern Preussen und Russen“ gewidmet. Über den beiden Inschriften wurde ein schwarzes Kreuz in goldenem Feld als Zeichen des siegreich beendeten Krieges angebracht.
Am 28.April 2013 ehrte die hallesche Pfännerschaft mit einer Kranzniederlegung an dem Denkmal, das in der Zwischenzeit rekonstruiert wurde, die Toten.
Unweit des Stadtgottesackers auf dem alten Soldatenfriedhof steht ein weiterer Stein, dessen Schrift kaum lesbar war. Dank der Initiative von Dr. Moritz konnte die Steinmetzfirma Korger im Herbst 2013 eine Restaurierung vornehmen. Der Denkstein wurde von den Gewerken der Schiefer- und Ziegeldecker errichtet und ebenfalls feierlich am 3.August 1814 eingeweiht. Die ursprüngliche Inschrift wurde später verändert. Es hieß auf der einen Seite „Denkmal Des 2.Mai 1813 von J. C. Hennecke Schiefer- und Ziegeldecker-Meister“ und war den Toten des Gefechts in Halle und der Schlacht bei Leipzig gewidmet. Die heutige Inschrift lautet: „Den in der Schlacht bei Leipzig gefallenen Kriegern von dem Schiefer u. Ziegeldeckergewerk zu Halle“. Er wurde mehrmals erneuert. Das eiserne Kreuz, das den Denkstein zierte, ist nicht mehr vorhanden.
Ein drittes Denkmal stand auf der Lehmbreite (später: Königsplatz), rechts vor dem Galgtor (Leipziger Turm- Überrest der Galgtor-Anlage) und wurde vom Zimmergewerk 1814 errichtet. Der Eichenstamm war mit Ölfarbe überzogen und hatte ein sandsteinartiges Aussehen. Er wurde im Laufe der Jahre erneuert und 1942 im Zuge von Bauarbeiten abgetragen. Zusammen mit den Gebeinen der Toten wurde der Obelisk neben den Kriegsgräbern des Ersten Weltkrieges auf dem Gertraudenfriedhof wieder errichtet.
Jährlich am 18.Oktober trafen sich die Einwohner der Stadt an diesen Erinnerungsorten und ehrten die Toten. Am 17.Oktober 2013 gedachten interessierte Bürger aus Halle am Denkmal im Stadtpark der Opfer der Völkerschlacht. Sie legten dabei einen Kranz und Blumen nieder.
Anlässlich der Hundertjahrfeier der Völkerschlacht im Jahre 1913 wurden auch in Kanena und Büschdorf Steine aufgestellt, versehen mit dem eisernen Kreuz sowie den Jahreszahlen „1813-1913“. Die Büschdorfer Anlage wurde 2013
liebevoll wieder hergerichtet.

Alle diese Denkmale erzählen Stadtgeschichte und regen zum Nachdenken über die Vergangenheit an. Sie in unserer schnelllebigen Zeit der Nachwelt zu erhalten, ist eine unserer wichtigsten Aufgaben.

M.DROBNY



Zum Nachlesen: -- Buchtipp:

M.Drobny / T.Schibuhn; Halle im Halle 1813- Stadt zwischen Hoffen und Bangen; Projekte –Verlag Cornelius GmbH; Halle 2013; 22.50 €. ISBN: 978-3-95486-405-8
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2 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 18.08.2014 | 19:46   Melden
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 24.08.2014 | 17:19   Melden
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