Vor 200 Jahren starb Wilhelm Keferstein – Jurist und Bürgermeister in Halle

Blick auf den Stadtgottesacker in Halle
 
Bogen 12 auf dem Stadtgottesacker
Halle (Saale): Stadtgottesacker | Die Familie Keferstein spielte in Kröllwitz und der Stadt Halle in der Vergangenheit eine herausragende Rolle. Schon die im 15.und 16.Jahrhundert in Colditz erwähnten Stammväter waren Papiermacher. Im Jahre 1718 pachtete Johann Christian Keferstein die Papiermühle in Kröllwitz bei Halle. Damit begann eine über 160 Jahre dauernde Familientradition der Papierherstellung in dem unweit von Halle gelegenen Dorf.

Im Jahre 1755 wurde Gabriel Wilhelm Gottlieb Keferstein in Kröllwitz geboren. Der Junge besuchte die Lateinische Schule in den Franckeschen Stiftungen sowie das Stadtgymnasium, studierte ab 1772 an der Universität in Halle Rechtswissenschaft, aber auch Mathematik, Philosophie und Geschichte. Er schloss das Studium mit dem Dr. jur. ab und erhielt im Jahre 1778 eine Anstellung als Advokat im Saal-und Mansfelder Kreis. 1782 heiratete er Christiane Saalfeld, die Tochter eines halleschen Ratsmitgliedes. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor. Im Jahre 1786 wurde er Stadt-Syndikus und Beisitzer des Schöffenstuhles; am 15.März 1806 Polizei-Ratsmeister. Keferstein war Mitglied der Freimaurer-Loge „Zu den drei Degen“ in Halle.

Nach dem Sieg Napoleons über Preußen 1806 und der Eingliederung Halles in das Königreich Westphalen wurde Keferstein am 18.Mai 1807 zusammen mit Oberkonsistorialrat Niemeyer, Postdirektor von Madeweis, Landrat von Wedel und Major von Heiden –ohne Angabe von Gründen- nach Frankreich deportiert. Die Hallenser wurden von Mai bis Oktober 1807 in Pont-à-Mousson festgehalten. Über den Grund für dieses Verhalten der Franzosen können heute nur Vermutungen angestellt werden. Nach seiner Rückkehr wurde er 1808 in den Stadtrat der Stadt Halle aufgenommen. Er vertrat des Weiteren das Saale-Departement (Sitz: Halberstadt) in den Reichsständen des Königreiches Westphalen - einem Parlament, jedoch mit geringem Einfluss. Es waren unsichere Zeiten: Die Bürger der Stadt Halle –seit 1806 zum Königreich Westphalen gehörend- fühlten sich dennoch Preußen verbunden. Am 11.Apil 1813 erschienen Kosakenpulks unter Oberst Baron von Wintzingerode in der Saalestadt. Die französischen Besatzer wurden zeitweise von russischen und preußischen Militär vertrieben. Wintzingerode erklärte Halle wieder zu einer preußischen Stadt. Daraufhin wurde der Bürgermeister Streiber für abgesetzt erklärt und Keferstein als neuer Bürgermeister gewählt. Nach dem Abzug der preußischen Truppen wurde er jedoch von der Regierung des Königreiches Westphalen wieder abgesetzt. Am 18.Mai 1813 musste er die Stadt verlassen, stellte sich dann jedoch den Behörden- kam unter Hausarrest.
Keferstein starb am 16.Juni 1816. Er wurde auf dem Stadtgottesacker im Bogen 12 beigesetzt. Dieser Bogen, 1558 fertiggestellt und 1996 restauriert, enthält u.a. Grabstätten von Felicitas von Selmnitz (1488-1558) sowie von Caroline und Wolf Carl Neuendorf. Allerdings erinnert in der Gegenwart keine Inschrift an Keferstein. Nur ein Straßenschild „Kefersteinstraße“ unweit der Glauchaer Kirche verweist auf den verdienstvollen Hallenser.

Interessanterweise ist die Familie Keferstein heute immer noch mit der Papierindustrie verbunden; eine Papieragentur in Frankfurt/Main ist international tätig. Die Familie betreibt eine Internetseite, auf der die Familiengeschichte eindrucksvoll dokumentiert wird.

PS.: Vielen Dank an Herrn Bade und Frau Richter (Nordfriedhof Halle) für die Unterstützung meiner Recherchen.

Manfred Drobny
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2 Kommentare
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 16.06.2016 | 23:32   Melden
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Martin Beitz aus Teutschenthal | 19.06.2016 | 01:33   Melden
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