Wege zur Erinnerung – Gedächtnismarsch in Nietleben

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Teilnehmer des Gedächtnismarsches "Jaap Epskamp" am Ziel des Marsches in Alt-Zscherben
Halle (Saale): Nietleben | Am 27.Mai 2017 fand in Halle-Nietleben ein Gedächtnismarsch auf den Spuren von Insassen des Arbeits-und Erziehungslagers Zöschen statt.

Organisiert vom Heimat-und Geschichtsverein Zöschen e.V. und dem Nietlebener Heimatverein e.V. absolvierten Mitglieder der beiden Vereine sowie Teilnehmer des 9.Internationalen Jugendtreffes im Saalekreis und holländische Gäste den 3 Kilometer langen Weg von holländischen Zwangsarbeitern zwischen dem Lager Nietleben am Rande des Flugplatzes der Heeres-und Luftnachrichtenschule und ihrem Einsatzort in Alt-Zscherben. Insgesamt 45 Personen beteiligten sich, unter ihnen auch Jugendliche aus Polen, Tschechien sowie Deutschland.

Während des zweistündigen Marsches, der von der Straße Zur Gartenstadt, über die Hallesche und Eislebener Straße bis in die Zscherbener Landstraße führte, lernten die Teilnehmer die wechselvolle Vergangenheit des Dorfes Nietleben kennen und verweilten an den Orten, die nachweislich einen Bezug zum Einsatz von Zwangsarbeitern hatten. Unter Führung von Manfred Drobny vom Nietlebener Heimatverein e.V. erfuhren sie von den Betrieben, die vor 75 Jahren in Nietleben existierten und in denen ausländische Arbeitskräfte eingesetzt waren. Vor allem in der Zementfabrik Nietleben, der Halleschen Lack-und Farbenfabrik (Hallack) , der DUZ-Mechanik, der Härtemittelfabrik Goerig&Co, aber auch in kleineren Firmen und in Bauernwirtschaften mussten zwischen 1939 und 1945 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus Frankreich, Polen, Holland, Belgien, Serbien und der Ukraine arbeiten.

Stellvertretend für ihren Leidensweg steht das Schicksal von Jaap Epskamp (1922-2016), an den während des Marsches immer wieder erinnert wurde. Er war am 16.April 1944 bei einer Razzia in Beverwijk und Velsen-Noord mit weiteren 485 Jugendlichen verhaftet und zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt worden. Er kam u.a. in Lager in Schkopau, Nietleben, Zöschen, Schafstädt sowie Ammendorf. Erst im Juli 1945 konnte er seine Eltern in Amersfoort (Holland) wieder in die Arme schließen.

Die Vorsitzenden der beiden Vereine- Edda Schaaf (Zöschen) und Andreas Leopold (Nietleben)- werteten den Gedächtnismarsch, der erstmals in Nietleben stattfand, als wichtigen Meilenstein, um die Erinnerung auch an diese Ereignisse vor über 70 Jahren zu bewahren- getreu der Feststellung von Wilhelm von Humboldt (1767-1835): „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.“

Die Erkenntnisse der Forschungen in Halle-Nietleben werden vom Heimatverein in einer Broschüre zusammengefasst und in den nächsten Monaten veröffentlicht.


Manfred Drobny

Foto: Manfred Drobny
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