Welche Rotzbacke war das?

Wieder stehen wir vor der Landtagswahl. Ich sah heruntergerissene Plakate, einige wurden, z.B. in der Ludwig-Wucherer-Straße, durch Messe-Werbe-Plakate ausgetauscht u.s.w. Wie lange werden die Wahlplakate diesmal hängen oder liegen bleiben? Vandalismus, Protestverhalten oder aggressives Verhalten, führt das etwa in eine konstruktive Richtung?

Im Jahr 2011 fielen mir bei meinen Spaziergängen durch Halle sehr viele verunstaltete Wahlplakate auf. Noch in keinem Jahr davor hatte ich auf solche Schmierereien derartig aufmerksam geachtet. Ich bemerkte aber auch einige Unfallquellen durch unsachgemäßes Anbringen von Wahlplakaten. Daran erinnerte ich mich durch einenArtikel in der MZvom 17.02.2016. In diesem war zu lesen, dass kurz vor der damaligen Landtagswahl laut dem Landeswahlleiter Klaus Klang so viele Plakate beschädigt worden seien, wie bei keiner anderen Wahl zuvor. Die Polizei habe später von über 3000 Delikten gesprochen.

Auf dem einen Plakat von 2011 war ein Politiker abgebildet, dem irgendein Täter ein zerknülltes oder gar benutztes Papiertaschentuch an die Wange geklebt hatte. Noch bevor ich mir einige Gedanken darüber machen konnte, musste ich leider doch erst einmal lachen. Welche Rotzbacke war denn das? Respektlos! Beim Weitergehen stieß ich auf immer mehr „Einfallsreichtum“. Was könnten die Hintergründe für solch ein destruktives aggressives Verhalten sein? Versagungen (Frustrationen), Enttäuschungen, Kränkungen oder milieubedingte Verhaltensprägungen?


Was bedeutet "Aggression"?

Der ursprüngliche Begriff für Aggression bezeichnete kein Angriffsverhalten gegenüber Gegenständen, Sachen oder Lebewesen, sondern er stand für ein prosoziales Verhalten. Aggression leitet sich von dem lateinischen Wort „adgredi“ ab und bedeutet sinngemäß „an etwas herangehen“. Eine solche konstruktive Aggressivität ist oft sinnvoll und förderlich für ein Vorankommen. Trotz dieser analytischen Gedanken fielen mir spöttische Reime ein, die ich zu Hause gleich aufschrieb. Schüttelreime eignen sich dafür besonders gut. All die vielen Verunstaltungen auf den Plakaten „fotografierte“ ich in meinem Kopf und fügte die „Bilder“ zu einer humoristischen Zeichnung zusammen. An diese erinnerte ich mich wiederum durch die Abbildung eines beschmierten Plakates zu dem Artikel in der MZ. Lachen ist gesund und fördert hoffentlich positive und konstruktive Aggressivität im Sinne von „adgredi“. Und oftmals muss man trotzdem lachen.


Wahl-Plakate

Ingrid U. Stockmann

Über Plakate müsste man mal wachen,
wenn wir wieder mal ‘ne Wahl machen.

Warum wiedebum, warum wiedebum?

Da bekommen plötzlich Bärte Frauen,
man soll nicht auf ihre Fährte bauen.

An einen Kopf malte man ‘nen Zapf-Hahn,
in den Mund des andern einen Raff-Zahn.

Ihr klebte man an die Wange ein Rotz-Tuch,
kläglich sah sie runter trotz Rouge.

Man tut Politikern das Gesicht verunzieren,
damit sie mit Schönheits-Verzicht kandidieren.

Warum wiedebum, warum wiedebum?

Noch lang’ erfreu’n uns die Plakate;
sie werden verwittern, warte, warte.

Sie hängen dann zum Kopf-Stoßen tief;
schon mancher sich nach’m Schwofen stieß.

Welche, die später unten liegen,
wurden schon von Hunden bestiegen.

Und den Grund will ich mal wissen;
wieso hat ein Hund da draufgeschissen?

Auf nächste Wahlplakate kann man warten;
neue kann man wann martern?

Und warum wiedebum, warum wiedebum?
Wiedebum wiedebum, bum bum!
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