Wie soll die stillgelegte Bahnstrecke Nietleben-Dölau künftig genutzt werden?

Bis hierhin und nicht weiter - Prellbock am S-Bahnhof Nietleben
 
Zugewucherte Gleise der Bahnstrecke
Halle (Saale): Gaststätte Heidebahnhof |

In diesem Beitrag werden verschiedene Interessen gegenübergestellt, die sich auf die (Wieder-)Nutzung der in der Dölauer Heide verlaufenden Bahntrasse zwischen Dölau und Nietleben richten.

Verändertes Umfeld: Ausbau des S-Bahnhofs Nietleben soll 2015 kommen

Nachdem der Autor dieser Zeilen im November 2013 noch davon ausgegangen war, dass der Ausbau des S-Bahnhofs Nietleben vorerst gestoppt sei, mehren sich inzwischen Signale, dass die Stadt Halle den Ausbau im Frühjahr 2015 in Angriff nehmen will. Rund um das alte Bahnhofsgebäude sollen u.a. 42 Pkw- und 40 Fahrradabstellplätze entstehen. Vorgesehen ist auch der Ausbau der Bushaltestelle, um den Fahrgästen den Übergang zwischen Bahn und ÖPNV-Bussen zu erleichtern. Im Vorfeld dieser Baumaßnahmen rückt die Frage wieder in den Vordergrund, wie mit der vom Bahnhof Nietleben bis nach Dölau reichenden stillgelegten S-Bahntrasse verfahren werden soll. Es scheinen sich drei Nutzungsvarianten herauszukristallisieren.

Variante 1: Wiederinbetriebnahme als Museumsbahn

Der 2007 gegründeteVerein hat sich zum Ziel gesetzt, die Strecke Nietleben-Dölau in Form einer Museumsbahn mit historischem Wagenmaterial wiederzubeleben. Die motivierten Vereinsmitglieder befreiten die überwachsene Gleisstrecke von Pflanzen und halfen bei der Anschaffung von Zugmaterial. Dieses anfangs hohe Engagement erlitt jedoch in den Folgejahren durch langwierige – teils auch juristische – Auseinandersetzungen über die Wiederinbetriebnahme der Strecke Nietleben-Dölau einen herben Dämpfer. In einem Beitrag der Zeitschrift „Bahn-Report“ wird diese nicht ganz einfach zu verstehende Gemengelage von Konflikten detailliert nachgezeichnet. Als Fazit bleibt, dass es dem Verein bis heute nicht gelungen ist, sein zentrales Ziel zu verwirklichen.

Variante 2: Verlängerung des S-Bahn-Netzes bis Dölau (Lieskau)

Berichten zufolgewird derzeit vom Land Sachsen-Anhalt und der NASA geprüft, inwieweit das Ende 2013 eingerichtete mitteldeutsche S-Bahnnetz erweitert werden kann. Dazu zählt auch eine mögliche Ausdehnung der S-Bahnstrecke Hauptbahnhof Halle-Nietleben über den derzeitigen Endbahnhof Nietleben hinaus bis nach Dölau oder Lieskau. Selbst der sich für alles zuständig fühlende „Arbeitskreis Hallesche Auenwälder“ (AHA) hat vor kurzem eine Exkursion durchgeführt, um sich hierüber eine Meinung zu bilden. Der Autor dieser Zeilen hatte hierzu als frischgebackener Einwohner von Lieskau bereits 1997 – als die S-Bahn noch in Dölau endete – ein Ideenkonzept erstellt. Ein Problem einer solchen Planung wäre, dass die Bahnstrecke nur am Rand von Halle-Dölau vorbeiführt. Die zwei ehemaligen Bahnhöfe „Heidebahnhof“ und „Bahnhof Dölau“ sind peripher gelegen und bieten keine P+R-Plätze. Der frühere Endbahnhof in Dölau ist inzwischen privatisiert, dient einem Unternehmen als Arbeitsstelle und ist der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Ob auf der höchstwahrscheinlich nur eingleisig zu betreibenden Strecke längere Wartezeiten, die erheblich zur geringen Attraktivität der früheren S-Bahn beigetragen hatten, vermieden werden könnten, erscheint fraglich. Selbst eine im Vergleich zu früher beschleunigte S-Bahn hätte nach wie vor mit dem Problem zu kämpfen, dass die Strecke in weitem Bogen über Halle-Silberhöhe führt und die vielen Haltepunkte die Fahrzeit ins Zentrum verlängern.

Variante 3: Umwidmung und Ausbau der Strecke als Radweg

In der Radverkehrsplanung der Stadt Hallezählt die Verbindung der Stadtteile Dölau und Nietleben seit Jahren zu jenen Teilen des Radwegenetzes mit besonderem Handlungsbedarf. Mehrfachen Anträgen von Stadtrat-Fraktionen zur Errichtung eines Radweges konnte das Planungsreferat bisher nicht entsprechen, weil diesem durch die Aktivitäten des Halle-Hettstedter Eisenbahnvereins bisher die Hände gebunden waren. Dabei wird in Diskussionen immer wieder betont, wie schlecht die Straße durch die Dölauer Heide für Radfahrer geeignet ist: Die geringe Breite erschwert Überholvorgänge durch Automobile, die Gleise des Bahnübergangs auf Hälfte der Strecke stellt besonders bei Nässe für Radfahrer eine Sturzfalle dar, die Steigung von Nietleben in Richtung Dölau bringt extreme Geschwindigkeitsunterschiede zwischen Radfahrern und Automobilen mit sich.
Ein Umbau der Bahnstrecke zu einem Radweg hätte die Vorteile, dass auch Kinder und Senioren die Strecke gefahrfreier und mit geringerer Anstrengung bewältigen könnten. Die am ausgebauten S-Bahnhof Nietleben vorgesehenen Radabstellplätze könnten von Dölau und Lieskau aus ohne größere Berührung mit dem motorisierten Verkehr erreicht werden. Ein solcher Radweg würde auch die Verknüpfung herstellen zu den Naherholungsgebieten von Salzatal.
Diese Argumente sprechen aus der Sicht des Autors dafür, die letztere Variante umzusetzen. Gleichwohl hat der vorliegende Beitrag auch die Intention, noch einmal das Für und Wider der verschiedenen Interessen zu diskutieren.
1
Einem Mitglied gefällt das:
 auf anderen WebseitenSendenMelden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.