Wir sind 90!

Erdbeeren für die Bowle
 
Möhren aus eigener Ernte, Herbst 2016
Kaum zu glauben, aber wahr. Viele Gartenanlagen feieren Geburtstag, so auch diese im Süden von Halle (Saale). Mit einer runden 90, und das in einigen Monaten. Ein guter Grund für einen kleinen Umtrunk und schon knallen einige Korken (die frühere Arbeiterbrause) und die Selters sprudelt in Strömen.
Begonnen hat alles 1927 mit einem Stück Land, dem Pachtvertrag und großer Freude und Elan eigenes Gemüse an zubauen. Vereinsheime baute Mann am Wochenende mit netter verbaler Unterstützung der Damenwelt.

Die Fläche abgesteckt, Bungalows aufgebaut - dafür gab es sogar Teilzahlung – Beete angelegt, Kartoffeln gesteckt. Selbstversorgung war der Hit, wo Schmalhans die Küche regierte. Einfach war es damals bestimmt nicht. Nach langen Arbeitsstunden und Haushaltsorganisation ging's im Gärtchen weiter. Im originalen Gartendesign: ein Mittelweg mit einer Doppelreihe von kleingehaltenen Buchsbaumhecken und dazwischen Edelrosen oder kleiner Strauchrosen. Obstbäume standen im Spalier, schön platzsparend. Auch waren alle Pflänzchen in Reih und Glied gepflanzt, ein Küchenkräutergarten war auch dabei. Aus dem damals gepflanzten Salbei Pflänzchen wuchs ein großen Salbeistrauch, eine fantastische Bienenweide. Jetzt setzten Gärtner auf Mischkulturen, so hält jede einzelne Sorte Schädlinge der anderen ab. Die fünf alten goldenen Regeln von "damals" – gelten auch heute noch.

Eigentlich entstanden diese Gärten aus Armengärten, die Carl von Hessen vor über 200 Jahren „erfand“. Dieses Projekt veränderte vieles. In den großen Industriestädten waren diese Gärten eine Oase für Arbeiterfamilien, die ihr Dasein in den Mietskasernen, mit 3 Hinterhöfen, fristeten. Licht, Luft und Sonne, Bewegung in freier Natur. In den Schrebergärten wurde nicht nur gepflanzt, so manches Flugblatt wurde hier während in der Nazi-Zeit gedruckt.

Die Gärten bleiben oft in der Familie, es entsteht eine jahrzehntealte freundliche Nachbarschaft und mit legendärer Nachbarschaftshilfe. Oft gibt es eine Warteliste, einfach mal die nächste Gartenanlage besuchen, anrufen und nachfragen. Bei so vielen Parzellen und Familien gibt es auch Regel, die ohne Murren befolgt werden, das gehört dazu. Mittagszeit ist heilig, von 13 – 15 Uhr geht gar nichts und angenehme Stille breitet sich aus.

Karl der Große (747? - 814) erließ ein Edikt, alle Klöster müssen Gärten anlegen, ein kluger Mann. Aus Kloster- und Heilgärten, entstanden formale französische Gärten, englische Landschaft- oder Bauerngärten, Botanischen Gärten, Teppichbeeten (Opernplatz) und spezielle Rosarien.

Wie entstand eigentlich die Gartenanlage. Auf diesem Fleckchen Erde legten Eltern für ihre Kinder Beete an. Die Lust am Gärtnern verflog bei den Kindern bald, so wurden aus den Kinderbeeten, Erwachsenen Beete, die irgendwann eingezäunt wurden.

http://www.schrebers.com/ Interessant ist das Leipziger Dr. Schreber Museum, das einzige Kleingartenmuseum in Deutschland, aus dem auch etliche Informationen stammen. Vier der alten Lauben, alle im modernen Design, sind liebevoll restauriert. Die Museumsnacht ist zu empfehlen, Leipzig ist nicht weit und drei interessante Objekte passen unter einen Hut.
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