Wissen gegen Unwissen

Wir sind mit der Idee nach Halle Neustadt gekommen um Fragen zu stellen, anstatt Antworten zu geben.
Der Stadt mit Unwissen zu begegnen, statt eine
„Ich weiß, was du bist“- Idee aufzustülpen.
Um die Dinge zu fragen, was sie sein möchten oder auch sein könnten.
Um zu spielen.

Laut Hausordnung sind dafür ganz bestimmte Plätze vorgesehen.
„(3) Spiel und Sport soll grundsätzlich auf Spielplätzen
betrieben werden. Hausflure, Wäschetrockenplätze, Treppenhäuser,
Keller und andere Nebenräume sind keine Spielplätze.“
Sicherheitshalber verlassen wir also für unser Vorhaben das Haus.


Als ich meine ersten Schritte durch die Straßen mache, merke ich, dass ich genau das tue, woraus ich mich und die Dinge entlassen wollte. Die für mich überraschende Stille der Straßen hilft mir dabei. Eine Ruhe, die mich weckt. Mich wach macht. Weil sie nicht meinen Erwartungen entspricht. Ich komme mit einer festen Idee. Mit Wissen, statt Unwissen.

Hinweisschilder für eine mögliche Kurskorrektur erreichen mich.

Also nehmen wir uns Zeit für das Lauschen.
Zu erfahren, wo wir hier eigentlich sind.
Was können wir sehen, hören, spüren?

So wird es zu einem Ausflug in ein eigenes Universum, wo die Straßen und Häuser anders sind und wo endlich – ganz anders als all die Tage in der Altstadt davor – die Sonne scheint.

Die Wege und Wiesen zwischen den Häusern wirken manchmal wie Bühnen, wenn man sich bewusst wird, dass hinter jedem der vielen Fenster Beobachtende sein könnten und hebt man ab und zu den Blick so sieht man den einen oder die andere auf dem Balkon stehen und hinausschauen.

An einer Stelle gab es auch Balkone im Erdgeschoß die durch Treppen zugänglich waren und als kleine Läden funktionierten. Zum Beispiel ein Frisör oder ein Elektrogeschäft. Das war ein schöner Moment, indem sich die sonst so geschlossenen Häuserfassaden geöffnet haben und Zutritt ermöglichten. Ein halböffentlicher Raum in der Wohneinheit.

Ein anderer Zutritt war die eigene Wohnung in der Unstrutstraße. Um mit Ruhe und Muse seine Umgebung zu erkunden war es gut, auch einen Ort zu haben, zudem man zurückkehren konnte ohne den besuchten Kosmos zu verlassen. Ein wenig hörte man von den anderen Hausbewohnern, wenn sie geduscht haben und manche haben wir durch das Wohnzimmerfenster beim Betreten oder Verlassen des Gebäudes beobachten können.

Zwischen und neben den Wegen, die wir gegangen sind, waren Bänke aufgestellt. Manchmal kam die Frage auf, nach welchen Kriterien diese aufgestellt sind. Die Fotos (im Querformat) zeigen einige der gesammelten Aussichten, die Sitzende und Verweilende von den Bänken in Halle Neustadt aus sehen können.

(Beitrag und Fotos von Lisa Marie Quester und Isabel Apel)
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