Zum 200.Todestag von Johann Christian Reil

Die Reilsche Villa vom Bergzoo aus gesehen
 
Obelisk im Bergzoo Halle
 
Grabmal im Bergzoo Halle
Halle (Saale): Reilschule | Johann Christian Reil (1759 - 1813) - ein kurzer Überblick

Johann Christian Reil wurde am 20.Februar 1759 in Rhaude (Osterfriesland) als Sohn eines Pfarrers geboren.
Nach dem Wunsch des Vaters sollte Johann Christian Theologie studieren. Aber den Jungen, der gern jagte und auch Bergmann werden wollte, zog es schließlich zur Heilkunde. Nach dem Schulbesuch in Norden (Ostfriesland) ging er 1779 nach Göttingen, um Medizin zu studieren.
1780 setzte er unter dem Einfluss der berühmten Professoren Meckel und Goldhagen sein Studium in Halle fort. Die Immatrikulation war am 14.10.1780. Bereits am 9.11.1782 promovierte er als Doktor der Medizin und Chirurgie.
1782 weilte er im Spätsommer in Berlin (Hauptstadt Preußens), weil er nach Beendigung des Studiums zur Erreichung der Approbation (Genehmigung) den „Cursus anatomicus“ in Berlin absolvieren musste.
Nach Berlin folgte – bis 1787- nochmals ein Aufenthalt in Ostfriesland, in Norden, wo er eine ärztliche Praxis eröffnete.
Im Jahre 1787 kehrte er nach Halle zurück. In der Saalestadt arbeitete er unermüdlich, fleißig und kreativ.
1788 wurde Reil ordentlicher Professor der Therapie und ein Jahr später 1789 Stadtphysikus von Halle (Amtsarzt) sowie Direktor des klinischen Instituts. Damit unterstand ihm die allgemeine Gesundheitspflege und Hygiene in der Stadt, das städtische Lazarett sowie die Armenpraxis. Er selbst hatte auch eine Privatpraxis und absolvierte ein breit gefächertes Vorlesungsprogramm an der Universität (unter anderem Hygiene, Pharmakologie, Physiologie). Er gab Zeitschriften heraus, veröffentlichte zahlreiche Bücher mit seinen Theorien und Forschungsergebnissen (Krankheitsbeschreibungen, Psychotherapie, Anatomie, Augenheilkunde, Psychiatrie).
Am 15.10. 1788 heiratete er Wilhelmine Leveaux, Tochter einer wohlhabenden Familie. Mit ihr hatte er 2 Söhne und 4 Töchter. Am 26.06.1792 erfolgte die Eintragung in die Bürgerliste der Stadt Halle.
Im Jahre 1793 wurde Reil Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher (Leopoldina). Im April 1795 kam er in den Besitz des Hauses Große Ulrichstraße 36, wo er in den folgenden Jahren zahlreiche bekannte Persönlichkeiten, Könige und Marschälle empfing (Gedenktafel).
Für seine Verdienste um die Medizin Im Jahre 1803 schenkte der preußische König ihm den spitzen Weinberg. Reil ließ diesen 130 Meter hohen Berg (Schafsberg- heute Reilsberg) durch den Wörlitzer Gärtner Schoch umgestalten und am Fuße eine stattliche Villa errichten (Reilstraße 54).
Kriegsereignisse überschatteten die weitere Entwicklung: 1806 wurde das Königreich Preußen bei Jena und Auerstedt von Napoleon besiegt; Halle kam zum Königreich Westphalen. Der neue Landesherr war nun König Jerome in Kassel. Die Stadt Halle und auch die Universität waren dem neuen Landesherren zu Gehorsam verpflichtet. Reils Auftreten war es aber mit zu verdanken, dass 1808 die Universität Halle –nachdem sie zeitweise geschlossen worden war- wieder öffnen durfte. Das war für etwa 14000 Einwohner zählende Stadt sehr wichtig, denn die zeitweise über 1000 Studenten brachten Geld und auch buntes Leben nach Halle. In diesen düsteren Jahren der französischen Fremdherrschaft war Reil bestrebt, der Stadt neue Geldquellen zu erschließen und das Leben in Halle zu bereichern.
Er erwarb im Jahre 1807 den Gesundbrunnen, vorgesehen war der Bau einer Kuranstalt mit Sole- und Dampfbädern sowie Trinkbrunnen.
Das Solebad, bestehend aus Klinikum, Badeanstalt und Park („Fürstental“) - allerdings in der Nähe der Moritzburg- wurde feierlich am 7.Juni 1809 eingeweiht. Der Dichter Johann Wolfgang von Goethe und der Märchensammler Wilhelm Grimm gehörten zu den Patienten von Johann Christian Reil.
Außerdem ergänzte Reil dieses Bad durch ein Theater, das erste bürgerlich-öffentliche Theater in Halle. Dafür ließ er die ehemalige Kirche des Barfüßerklosters umbauen. Mit dem Theaterstück "Egmont" von Goethe wurde das Theater feierlich am 6.August 1811 eröffnet. Hier trat vor allem die Schauspielgruppe aus Weimar auf (Johann Wolfgang von Goethe).
Im Jahre 1810 übersiedelte der berühmte Mediziner nach Berlin, wo er dem Ruf Humboldts folgend, an der neu gegründeten Universität arbeitete und 1811 der erste gewählte Dekan der Medizinischen Fakultät wurde. Trotzdem weilte er in jedem Jahr etwa für zwei Monate in Halle, um Klinikum und Theater zu entwickeln.
1813 -die Völkerschlacht bei Leipzig hatte vom 16.-19.Oktober 1813 getobt- erhielt Reil die Oberaufsicht sowie die Verwaltung der linkselbischen Lazarette der Verbündeten Armeen (Preußen, Russen, Schweden) übertragen.
In dieser Funktion reiste er umher, besuchte die Lazarette (Leipzig, Halle) und verfasste einen erschütternden Bericht an seine Vorgesetzten über die schlimmen Zustände bei der Versorgung der vielen verwundeten Soldaten.
Von den etwa 9000 nach Halle gekommenen Verwundeten der Völkerschlacht verstarben 2500. Sie wurden meist in Massengräbern beigesetzt.
Bis 1815 erkrankten etwa 5000 Einwohner der Stadt an Flecktyphus und starben ebenfalls.
Reil hatte sich, wie viele Ärzte auch, allerdings noch in Berlin mit der tödlichen Seuche infiziert.
Am 22.November 1813 gegen 2 Uhr früh verstarb Johann Christian Reil im Alter von 54 Jahren im Haus seiner Schwester in der Großen Ulrichstraße in Halle. Zwei Tage später wurde er auf seinem Berg (heute Bergzoo Halle) unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt (Grabmal und Obelisk).
Mit ihm verlor die Saalestadt einen hervorragenden Mediziner und Mitmenschen. Sein Einsatz für die Menschen in Halle, Europa und der ganzen Welt soll für immer im Gedächtnis bleiben. Aus diesem Grunde ehren wir als "Reilianer" (Lehrer und Schüler sowie der Förderverein der Reilschule) das Andenken Johann Christian Reils. Denn: „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“ (Wilhelm v. Humboldt).

Am 22.November 2013 , 12 Uhr , wird eine Delegation der Sekundarschule "Johann Christian Reil" Halle an der Reilbüste Ecke Reilstraße / Mozartstraße ein Blumengebinde niederlegen. Anschließend ist ab 12.30 Uhr eine Gedenkfeier in der Aula der Schule vorgesehen.

M.Drobny
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3 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 19.11.2013 | 08:32   Melden
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 19.11.2013 | 17:57   Melden
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 20.11.2013 | 19:36   Melden
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