Zum 275.Geburtstag von Dr. Carl Friedrich Bahrdt

Grab des Dr. Carl Friedrich Bahrdt auf dem Granauer Friedhof in Nietleben
Halle (Saale): Granauer Friedhof | Im Stadtteil Nietleben befindet sich auf dem Granauer Friedhof unter einer alten Linde das Grab von Dr. Carl Friedrich Bahrdt (siehe Foto). Mit seinem Leben und Wirken befassten sich die Mitglieder des Nietlebener Heimatvereins e.V.
mehrfach.
Etwa 35 000 Einträge im Internet widmen sich seiner Person, die im 18.Jahrhundert in Deutschland eine der vielschichtigsten und widersprüchlichsten gewesen sein muss. Bahrdt war Theologe, Pädagoge, Altphilologe, Aufklärer und Schriftsteller. Er hatte viele neue Ideen, die er auch veröffentlichte. Im 4.Band seiner Autobiographie zählt er 125 eigene Publikationen auf. Er trat aber auch arrogant auf, stieß Freunde vor den Kopf, verstieß immer wieder gegen die moralischen Regeln seiner Zeit. Mehrere Affären sowie uneheliche Kinder sind belegt.
Geboren wurde er nach eigenen Angaben am 25.August 1741 in Bischofswerda. Sein Vater war Superintendent sowie Professor der Theologie in Leipzig. Bei ihm lernte er Latein, Griechisch und Hebräisch.
Als Schüler war der junge Carl Friedrich wohl schon auffällig, wechselte oft die Schulen, besuchte u.a. die Nikolaischule in Leipzig und die Landesschule in Pforta.
Zwischen 1756-1761 absolvierte Bahrdt ein Studium in Leipzig,
bestand mit 19 Jahren das theologische Magisterexamen. Über diese Zeit schwärmte er. Von nun an ging seine wissenschaftliche Laufbahn steil bergauf.
1766 wurde er Professor für biblische Philologie an der theologischen Fakultät der Universität Leipzig; wechselte später nach Erfurt und Gießen. Die von ihm vertretenen aufklärerischen Ansichten und sein Lebenswandel sorgten jedoch für Auseinandersetzungen mit den Behörden sowie daraus resultierende Wohnortswechsel.
Auf Vermittlung des Pädagogen Basedow erhielt er eine Stelle als Schuldirektor des Philanthropinums im Schloss Marschlins (Graubünden/Schweiz). Der von ihm erstellte Erziehungsplan erhielt eine breite Zustimmung. Als Unterrichtsfächer bot er Gymnastik, Handwerk und Technik, deutsche Sprache und natürliche Religion an. Das eigene Nachdenken der Schüler sollte im Vordergrund stehen; die Prügelstrafe wurde abgeschafft.
Nach Jahren der Anfeindung wurde 1779 sein wichtigstes theologisches Werk
,, Die neuesten Offenbarungen Gottes in Briefen und Erzählungen“ (1772 - 1775) verboten – es folgte seine Entlassung aus allen kirchlichen Ämtern.
Der Großzügigkeit des preußischen Königs Friedrich II. (1712-1786) sowie der Vermittlung des preußischen Ministers von Zedlitz war es zu verdanken, dass Bahrdt mit seiner Familie nach Halle ziehen konnte, wo er am 28.Mai 1779 eintraf und zuerst im „Kronprinzen“ abstieg. In der Saalestadt wirkte er als
Schriftsteller und hielt als Privatdozent Vorlesungen an der philosophischen Fakultät der Universität. Während der Jahre in Halle zwischen 1779 und 1788
gab er insgesamt 33 Publikationen heraus, wovon seine Übersetzung des Geschichtswerkes des römischen Historikers Tacitus („Annalen“) viel Lob erhielt. Schließlich erwarb er im Juli 1787 einen Weinberg bei Nietleben, ließ auf ihm eine Gastwirtschaft errichten, die ihm bald einen zweifelhaften Ruf einbrachte. Hier gründete er auch eine Geheimgesellschaft, die „Deutsche Union.“ Mitglieder sollten „alle Menschen werden, welche Aufklärung und Rechtschaffenheit lieben, ohne Unterschied des Standes und der äußerlichen Religion“. Diese Organisation hatte zeitweise auch anderenorts 500 Mitglieder, zerfiel aber mit der Verhaftung Bahrdts.
In dieser Zeit zerbrach seine Ehe, mit der Dienstmagd Christine Klahr auf dem Weinberg zeugte er drei Kinder - sein Ruf war ruiniert.
Im April 1789 wurde er nach weiteren kritischen Veröffentlichungen -auch über den preußischen König Friedrich Wilhelm II. (1786 Thronbesteigung) - verhaftet und verbüßte eine neunmonatige Festungshaft in Magdeburg. Gesundheitlich angeschlagen, von Unterstützern verlassen, äußerte er sich zuletzt radikal über die Herrschenden in Deutschland.

Er verstarb am 23.April 1792 und wurde in aller Stille beigesetzt.


Manfred Drobny
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Zeitung | Erschienen am 01.09.2016
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 29.08.2016 | 17:48   Melden
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