Zwangsarbeit in Nietleben 1939-1945 – ein Vortrag im Stadtmuseum

Wann? 19.01.2017 18:00 Uhr

Wo? Stadtmuseum , Große Märkerstraße 10, 06108 Halle (Saale) DE
Handschriftliches Zeitdokument aus der Zementfabrik Nietleben vom 10.4.1943 "Ausländer: 18 - 2 Kriegsgef. 27"
Halle (Saale): Stadtmuseum | Die Mitglieder des Nietlebener Heimatverein sehen eine wichtige Aufgabe darin, die Vergangenheit des Stadtteiles von Halle, der erst 1950 eingemeindet wurde, zu erforschen. Dazu gehört auch die Zeit zwischen 1933 und 1945.

Im Jahre 2009 begann eine vierköpfige Arbeitsgruppe -bestehend aus den Vereinsfreunden Erdmann Neuß, Klaus Winter, Eckart Grohmann und Manfred Drobny- Materialien zu sammeln und Zeitzeugen zu befragen. Sie wollten damit das 2008 von der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale) realisierte Projekt „Ausländische ZwangsarbeiterInnen in Halle (Saale) 1942 – 1945“- ergänzen. Die Materialien mit den Ergebnissen, die damals auch den Schulen der Stadt Halle zugingen, enthielten unter anderem eine Übersicht über 114 in Halle (Saale) befindliche Lager für Zwangsarbeiter sowie einen Stadtplan, auf dem 46 dieser Lager eingetragen waren. In der Übersicht wurde nur das Sammellager der Goerig & Co KG Nietleben erwähnt.

Daher sah es der Verein als notwendig an, den fehlenden Spuren von Zwangsarbeitern in den Industriebetrieben und auf Bauernhöfen in Nietleben nachzugehen. In den Jahren 2015/2016 wurden die Forschungen aktualisiert. Es ist gelungen, mithilfe von Originaldokumenten den Einsatz von französischen, holländischen, polnischen und serbischen Kriegsgefangenen und Zivilarbeitern in der Zementfabrik Nietleben zwischen 1941 und 1945 zu klären. Außerdem konnten Namenslisten von Zwangsarbeitern auch der Härtemittelfabrik Goerig & Co in Akten des Stadtarchivs Halle gefunden werden. Besonders ergreifend ist das Schicksal der holländischen Zwangsarbeiter, die u.a. Unterstände und Hangars für Flugzeuge ausheben mussten. Viele von ihnen waren auch in den Lagern in Zöschen, Spergau, Schkopau, Schafstädt und Ammendorf eingesetzt. Überlebende Zwangsarbeiter und Zeitzeugen konnten durch ihre Aussagen ein umfassendes Bild des Lebens der Zwangsarbeiter in dem Industriedorf Nietleben vermitteln, das in verschiedenen Publikationen beispielsweise in Holland bisher zumindest teilweise nachlesbar ist.

Am 19.Januar 2017, 18 Uhr wird Vereinsmitglied Manfred Drobny das Ergebnis der Forschungen im Stadtmuseum Halle (Große Märkerstraße 10) vorstellen.
Alle Interessenten sind herzlich eingeladen!

Manfred Drobny
Foto: M. Drobny
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