Ökologische Landschaftspflege im LSG Brandberge (7)

Rumänischer Schafhirte mit treuem Hund und Mobiltelefon
 
Schwache Abendsonne und dazu noch auf die Rückseite der Photovoltaik-Anlage
Als ich am Abend des 25. Juni 2015 den Weg zum Großen Brandberg im Landschaftsschutzgebiet Brandberge einschlug, wurde ich auf einen tierischen Geruch aufmerksam: waren Pferde vor kurzem den Weg gegangen oder …...
An der ersten Bergkuppe löste sich das Rätsel: eine große Schafherde zog über die grasigen Flächen. Da mir bekannt war, dass große Teile des LSG an privat veräußert worden waren, wunderte es mich nicht, sondern freute mich, dass die zahlreichen Vierbeiner fleißig ökologische Landschaftspflege betrieben. Durch etwas Suchen im Netz erfuhr ich, dass sich „Schafe besonders wegen ihrer schonenden Trittwirkung, dem breiten Futteraufnahmespektrum und dem stark selektierenden Fressverhalten vorzüglich für den Einsatz in der Landschaftspflege eignen.

Viele Biotoptypen (z.B. Kalkmagerweiden, Heiden) sind durch jahrhundertelange Schafbeweidung - vor allem durch Wanderschäferei – erst entstanden. Entsprechend eignet sich die Schafbeweidung insbesondere, um diese Biotoptypen zu erhalten.
Schafe eignen sich – je nach Rasse – zur Pflege fast aller Flächen von ebenem bis zu steilem Gelände, von trockenen bis zu nassen Standorten und selbst für Flächen mit geringstem Futterertrag. Aufgrund der geringen Trittbelastung durch die Schafbeweidung besteht kaum Erosionsgefahr.

Schafe und Ziegen sind - nach dem Hund - die ältesten domestizierten Haustierarten. Heute kommen sie in Hunderten von verschiedenen Rassen auf allen Kontinenten und Klimazonen vor. Ökologische Schaf- und Ziegenhaltung ist in Deutschland eine Nische, jedoch mit steigender Bedeutung. Auf vielen Bio-Betrieben wird mit den kleinen Wiederkäuern Milch, Fleisch und/oder Wolle/Felle produziert. Schafe und Ziegen sind auch wichtig in der Landschaftspflege.“

http://www.schaeferei-stallmeister.de/

http://orgprints.org/592/1/529rahmann-2003-landsch...

Mit wenigen Worten: Schafbeweidung ist Naturschutz pur!

Die Schafe waren natürlich nicht allein, sondern wurden von einem Hirten mit einem treuen wachsamen Hund beschützt und geleitet. Im Gespräch mit dem „Schäfer“ erfuhr ich, dass die 360 Tiere umfassende Schafherde mit LKWs von Hettstedt (dort sind noch 800 weitere Schafe) ins LSG gebracht worden waren und nach zwei Wochen, die gerade vorüber waren, auf andere Weidegelände umgesetzt werden. Der 35 Jahre alte Schafhirte kam aus Rumänien, wo er mit seiner Frau und zwei Töchtern lebte, aber offensichtlich keine andere Arbeit fand. Er war in Brașov (Kronstadt in Siebenbürgen) geboren und lebte mit seiner Familie in Timișoara im Westen des Landes. Wenn er überhaupt eine einfache Arbeit in Rumänien finden würde, würde ihm diese monatlich nur etwa 200 Euro einbringen. Er sprach gebrochen Deutsch und meine Frage, wo er etwas Englisch gelernt hätte, meinte er: TV. Bei einer Diskussion über die Lebensbedingungen in Rumänien und die großen finanziellen Probleme des griechischen Staates, zückte er seine Geldbörse und reichte mir einen LEU, der ca. 23 Euro-Cent entspricht. (Nach dem Ende der Ceaușescu-Ära stieg die Inflation im Zuge der ökonomischen Transformation stark an. Am 1. Juli 2005 führte die Zentralbank den neuen rumänischen Leu ein und korrigierte ihre Geldpolitik, um die Inflationsraten zu senken. Ein neuer Rumänischer Leu entspricht 10.000 alten Rumänischen Lei. Im Zuge der Aufnahme des Landes in die Europäische Union am 1. Januar 2007 setzte sich die Nationalbank das währungspolitische Ziel, die Einführung der Gemeinschaftswährung Euro spätestens bis 2014 zu realisieren, welches aber scheiterte. Im Mai 2014 nannte die Regierung als möglichen Termin das Jahr 2019. Um den Euro bis dahin einführen zu können, muss Rumänien bis spätestens 2017 dem WKM II beigetreten sein. https://de.wikipedia.org/wiki/Rumänischer_Leu; im Übrigen besitzt Rumänien seit 1999 als erstes europäisches Land Banknoten aus Polypropylen). Nachdem die Schafe davon strebten, kündigte er an, dass er vielleicht im September wieder im LSG mit den Schafen sein würde.
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mitteldeutsche Zeitung | Erschienen am 02.07.2015
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