Pas de deux

  Tiere, die man immer wieder besucht,
die es gewöhnt sind, dass man sie
fotografiert, ohne dass ihnen dabei
etwas passiert, fassen Vertrauen.

Sie kennen Gesicht, Haltung, Stimme
und verbinden sie nicht mit Gefahr
oder Bedrohung. Deshalb bleiben sie
gelassen und sind ohne Fluchtimpuls.

Seit die Schwäne im Südpark gebrütet haben und dort - leider - nur das eine Küken aufziehen konnten, drehten wir fast täglich im Park unsere Runde und freuten uns am Gedeihen des kleinen Schwänchens.

Wir haben ihn beobachten können, wie er aus eigener Kraft das hochgebaute Nest erklomm, wie er sich mit seinem kurzen Hals recken musste, um den Kopf wie Vater und Mutter ins Wasser zu stecken. Wir waren dabei, als er unternehmungslustig seine Stummelflügelchen schwang und auch am Abend, wenn er wärmesuchend sehr erleichtert unter den angehobenen Flügel der Mutter schlüpfte. Wir sahen ihm lächelnd zu, wenn er sich tagsüber zum Mittagsschläfchen ins Grün huschelte.

Ich habe einen ganzen Ordner voll wunderbarer Tieraufnahmen und hier hat mir der Schwan jetzt noch sein allerschönstes Pas de deux hingelegt.

Eigentlich stand er nur im Wasser auf einem Stein, um sich das Gefieder zu putzen. Ich zog meinen Fotoapparat aus der Tasche und wartete geduldig. Die Frage war, wann wird er seinen Putz beenden, sich erheben und kraftvoll seine Flügel schwingen?

Schade, im entscheidenden Moment war ich abgelenkt und verpasste meine Gelegenheit. ... Aber noch stand der Schwan auf dem Stein, wir hatten Blickkontakt.

Ich hockte mich am Ufer fotobereit nieder und konnte mir die eigentlich vollkommen sinnlose Aufforderung: 'Ach, mach das doch noch einmal!' nicht verkneifen.
Dabei habe ich die gewinkelten Arme hoch und runter bewegt, als wären meine Arme seine Flügel.

Der Schwan guckte mich unverwandt an und ... als hätte er mich verstanden und wiederholte doch tatsächlich sein Strecken und Flügelschwenken ganz erhaben und in Zeitlupe noch einmal.

Der ruhige Wasserspiegel verdoppelte seinen eleganten Körper und selbst die Struktur seiner Schwingen ist im Wasser noch deutlich zu erkennen.


*-*-*-*-*-*-*-*

Pas de deux

Tschaikowski hat es diesem Schwan
ganz besonders angetan,
drum dreht und wendet er die Glieder,
probt seine Rolle immer wieder.
*
Bis seinen Part er fehlerfrei
endlich kann, bleibt es dabei,
dass seine Frau - als Kritikus -
die Meinung sagt erst ganz zum Schluss.
*
Dazwischen - nein, Konzentration
für Pas de deux in Perfektion,
nur die Musik, sonst Ruhe bitte!
Sehr zierlich setzt er seine Schritte.
*
Er ist der Schwan aus "Schwanensee",
braucht nur noch eine Mittanzfee,
die er dann schwenkt und dreht und hebt
und die wie er fürs Tanzen lebt.
*
Da er bisher noch nicht gefunden
die Partnerin für Übestunden,
wird er sich sicherlich nicht grämen.
Er kann sein Spiegelbild ja nehmen.
;-)
*-*-*-*-*-*-*-* MM *-*-*-*-*-*-*-*

Auch der kleine Schwan lieferte meiner Kamera schon mit seinem hochgeklappten Beinchen eine eigene Schau ab.

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...und nun zu den grünumrandeten Bildern, sie zeigen völlig eine andere Situation:

Ich weiß nicht, ob die Schwaneneltern ihren Kindern eine Art Anschauungs"unterricht" liefern, welchen Menschen man gefahrlos über den Weg trauen kann und welchen lieber nicht. Auch so ein kleiner Schwan muss die Zeichen erkennen und solches Differenzieren lernen, weil nicht alle Menschen sich ihnen freundlich nähern.

Die kleine Schwanfamilie hockte auf ihrem Behelfsnest, nachdem sie vom Brutnest vertrieben worden war. Ihr Minischwan ruhte an Land.
Ich stand gut sichtbar am gegenüberliegenden Ufer, verließ mich auf den guten Zoom meiner Kamera und schoss ein paar Aufnahmen.
Der Schwan hob den Kopf, nahm deutlich erkennbaren Sichtkontakt zu mir auf und als er sich in Bewegung setzte, folgte ihm sein ganzer Familienanhang.

Schade, dachte ich zuerst, nun schwimmen sie weg ... dann wäre meinen Aufnahmen das Gebüsch im Weg.

Aber ich hatte mich geirrt. Die Schwanenfamilie steuerte ganz genau und zielstrebig direkt auf uns zu und brachte mir ihren Kleinen bis ans Ufer, fast schon zu nah fürs Foto. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.

Vom Tier als Tierfreund erkannt zu werden, das ist ein gutes Gefühl, voller Wärme und Freude.

Und, ehrlich .. ist er nicht süß, der Kleine?
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3 Kommentare
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Wolfgang Erler aus Sandersdorf-Brehna | 04.07.2017 | 20:56   Melden
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Christa Beau aus Halle (Saale) | 04.07.2017 | 21:27   Melden
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Christine Schwarzer aus Dessau-Roßlau | 05.07.2017 | 22:03   Melden
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