So schön ist Halle

So schön ist Halle

Halle im Sonnenschein … Das ist so herrlich.

Früh am Morgen bin ich mit unserem kleinen Hund im Stadtpark unterwegs.
Er springt umher und hascht nach den Vögeln. Die Amseln balzen schon,
und der Eisensäger, so nennen wir die Meise, sägt sein Lied. Ein Specht klopft.
Das klingt idyllisch. Ist es auch. So ist es heute, und so war es auch vor sechzig Jahren. Nächsten Monat werde ich fünfundsechzig. Da denkt man schon mal zurück an die Kindheit. Meine Eltern kamen mit uns beiden Kindern aus einem kleinen Ort bei Weißenfels hierher nach Halle. Da war ich sieben Jahre alt. Wir bekamen eine kleine Wohnung am Böllberg 38, einem langgestreckten Häuserblock, der den heutigen Böllberger Weg bis fast nach Wörmlitz säumte. So kam es mir zumindest damals vor. Unten, am Wehr, gleich neben der Hildebrandschen Mühle, vorbei an “Kurzhals Kaffeegarten“, trafen wir Kinder von Böllberg uns zum Spielen. Ich besuchte die winzig kleine Grundschule aus Backsteinen, die noch heute, zweckentfremdet, am Abzweig Passendorfer Weg steht.
Mein Vater arbeitete im Waggonbau Ammendorf als Tischler, zeit seines Arbeitslebens, ohne einen Fehltag und ausschließlich mit dem Fahrrad unterwegs.
In eben dieser Brigade, in der mein Vater arbeitete, wurde 1964 ein Teil des Filmes „Der geteilte Himmel“, nach dem Roman von Christa Wolf gedreht.
Meine Mutter war in der Halleschen Brauerei als Köchin angestellt. Sie brachte uns täglich das Mittagessen mit nach Hause und freitags für Vati eine große Bügelflasche Haustrunk, ein Kontingent Bier, das ihm, wie er sagt, seine Gesundheit erhielt und noch erhält.
Eines Abends, wir Kinder schliefen schon, unsere Eltern waren mit einem befreundeten Paar auf einen Kinobesuch unterwegs, fuhren, wie jeden Abend, die sowjetischen Panzer nach ihrer Tagesaufgabe wieder zurück in die Garnison nach Wörmlitz. Man schreckte stets durch den ohrenbetäubenden Lärm auf, wenn die Kettenfahrzeuge das Kopfsteinpflaster malträtierten. Als die Russen vorüber waren und wieder Ruhe einkehrte, löste sich plötzlich ein riesiges Stück Mauerwerk aus der Zimmerdecke der Schlafstube, direkt über dem Gitterbettchen meiner kleinen Schwester und stürzte in Brocken herunter. Wie durch ein Wunder blieb die kleine Marion unverletzt, denn die Gesteinsbrocken hatten sich fein säuberlich um das Köpfchen der Kleinen gelegt und sich auf der Bettdecke versammelt. Ja, das war ein einschneidendes Erlebnis in unserer Kindheit.
Jeden Sonntag ging es hinaus in die grüne Natur. Oft fuhren wir mit den Fahrrädern nach Röpzig in das Gasthaus der Familie Kindermann. Im Biergarten, unter herrlichen Kastanien zu sitzen oder wie wir Kinder, zu spielen und köstliche Faßbrause zu schnabulieren, etwas Besseres gab es nicht. Aber viel öfter noch spazierten wir zur Rabeninsel. Am Ruderhaus ging ein kleiner Weg hinunter zum Saaleufer. Von dort konnte man mit der Fähre auf die Insel übersetzen. Es waren immer so viele Familien mit einer Horde Kinder unterwegs, die alle geputzt, in Sonntagskleidern und mit fröhlichen Gesichtern zum Ausflugslokal der Familie Kurzhals wanderten, wo es Kaffee und Kuchen gab, wo wir Kinder schaukeln und klettern konnten. Es lief Musik zur Unterhaltung, manchmal gab es auch Bockwurst mit Brötchen. Oft spielte eine Kapelle, und alles strömte auf die gepflasterte Tanzfläche. Und jeder, gerade die wenig verdienenden kleinen Leute konnten es sich leisten, dort ihren Sonntagnachmittag zu verbringen.
Oder wir wanderten zur Peißnitzinsel. Ich weiß nicht, wie oft wir selig und mit Freude im Herzen die Fahrt mit der Pioniereisenbahn genießen durften.

Halle ist schön mit seinen vielen grünen Inseln.
Das war so vor sechzig Jahren und das ist es heute noch.
Seit meiner Kindheit schreibe ich Gedichte, kleine Geschichten und manchmal auch ein Lied. Vor ein paar Jahren ist das Lied für Halle entstanden. Den Text würde ich den Lesern gern vorstellen.

Lied von Halle Heidrun Johanna Härtling


Komm, lass uns runter an die Saale gehn,
ich hab gesehn,
er schnauft wieder, der alte Schaufelraddampfer.

Komm, lass uns mitfahrn bis zur Burg Wettin,
und dann bestelln wir ihn,
den Karpfen blau auf ’nem Bett aus Sauerampfer.

Komm, er ist wieder da, der weiße Strand,
wir baun ’ne Burg aus Sand,
im klaren Wasser schlängelt wieder der Aal.

Sie hatten Regenschauer angesagt,
doch ich hab gefragt,
wir
könn’ vorn beim Kapitän
einen Sonnenfilm von der Peißnitz sehn
und
dann schlachten wir den Fisch
und hier am Tisch vergessen wir den grauen Tag.
Und träumen uns nach Prag.

Komm, unser Dampfer fährt zum Schwarzen Meer,
ich hoffe nur, dass er
nicht sofort zurück muss ans Riveufer.

Komm, wir bestelln uns einen Tee mit Rum
und dann drehn wir um,
die alte Saale bringt uns wieder nach Haus.

Dort muss die Brücke sein, denn die Kuh aus Stein
winkt dem Steinpferd fröhlich
zu,
und eine Straßenbahn
hält verwundert an,
und bestaunt die Sandsteinkuh.
Es schallt Musik herüber,
das kann doch nur im „Krug zum grünen Kranze“ sein.
Dort stimmt sich Ulli Schwinge ein.

Komm, lass uns runter an die Saale gehn,
dort ist’s so schön…
Und überm Giebichenstein
thront eitel Sonnenschein.
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